Montag, 16. Juli 2018
Lade Login-Box.

Franz Glatz berichtet von seinen Erfahrungen bei der SXSW

Tech, Trends und BBQ

Austin
erstellt am 05.04.2018 um 17:06 Uhr
aktualisiert am 14.07.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Austin (DK) Vielmehr als eine Digitalkonferenz ist die South by South West (SXSW) in Austin, Texas. Das ursprüngliche Musik- und Filmfestival beschäftigt sich mittlerweile verstärkt mit dem Thema „Multimedia & Interactive“. Die ganze Stadt wird dabei für 10 Tage zum Veranstaltungsort und über 400.000 Besucher. Franz Glatz vom Digitalen Gründerzentrum brigk war einer von ihnen und schildert seine Eindrücke.
Textgröße
Drucken
SXSW 2018
Franz Glatz
Austin
Obwohl ich bereits vier Mal hier war, wundert es mich jedes Jahr auf Neue, wie die Digitalkonferenz South by South West im fernen Austin (Texas) jeden März Scharen von Besuchern aus der ganzen Welt in ihren Bann zieht. Schon die schiere Größe der Veranstaltung ist beeindruckend, denn über 400.000 Besucher, mehr als 70.000 zahlende Konferenzteilnehmer und fast 5500 Speaker kommen zur SXSW in die texanische Hauptstadt. Jedoch ist es das nicht alleine. Vielmehr macht es die einzigartige Mischung aus, die die „South By“ so einzigartig macht. Ja, es ist eine Konferenz über die neuesten Themen der Tech-Industrie mit prominenten Speakern, fetten Schlagzeilen und großen Namen – einige Beispiele: Barack Obama und Mark Zuckerberg hatten dort bereits Auftritte, dieses Jahr Elon Musk. Die Carsharing-Plattform Car2go wurde in der Stadt Austin 2010 gestartet und auch Twitter wurde seinerzeit während der South by zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.

SXSW 2018
Franz Glatz
Austin
Aber das Event ist weit mehr als eine Konferenz. Hervorgegangen aus einem Musikfestival in den siebziger Jahren, das in den 80er-Jahren mit einem Filmfestival kombiniert wurde, hat sich die South by South West in den späten Jahren des letzten Jahrhunderts verstärkt dem Thema „Multimedia & Interactive“ gewidmet. Und genau diese Kombination, die in ein Hightech-, Kunst- und Film-Happening mündeten, macht die 10 Tage in Austin so besonders.

Andernorts finden vergleichbare Events in tristen und stickigen Messehallen oder in Konferenzzentren, die alle gleich aussehen, statt. In Austin wird die ganze Stadt zur Eventlocation. Große Vorträge werden im Football-Stadium gehalten, Firmen mieten Boutiquen oder Bars an und verwandeln das ganze Gebäude in einen Messestand. Sogar die Hausfassade wird häufig in den Firmenfarben gestrichen. Grünflächen werden zu Themenparks und dazwischen dröhnt überall der Bass der Musik und es riecht nach texanischem BBQ.

SXSW 2018
Franz Glatz
Austin
Lange Schlangen sind immer ein Anzeichen für eine interessante Session und beim Warten kommt man mit dem Vorder- und Hintermann sofort ins Gespräch. Selbstverständlich redet man nicht über das Wetter – das ist warm und sonnig, sondern über die Themen der Woche. „Glaubst du auch, dass Künstliche Intelligenz einmal für uns Musik komponieren kann?“ „Das Facebook-Bashing nimmt ja fast schon Überhand?“ „Hast du gestern auch Guy Kawasaki in dem spacigen E-Mobil auf der 6th Street gesehen?“ Und schon bist du mittendrin.

SXSW 2018
Franz Glatz
Austin
Über 50 Talks gleichzeitig geben jedem, der zum ersten Mal auf der SXSW ist, das Gefühl der Überforderung. Ich habe gelernt, das nennt man FOMO: „Fear Of Missing Out“. Nach einer ersten Orientierungsphase vermischt sich dieses Gefühl mit der „Serendipity“ – dem Vertrauen auf den glücklichen Zufall. Das Versäumen einer Session wird umgehend mit anderen Eindrücken aufgewogen. Die Gemeinschaft, das unmittelbare Erleben der Themen der Zukunft, die vielen Gespräche über Gehörtes und Gelerntes, die Inspiration – all das macht die Faszination SXSW aus.

SXSW 2018
Franz Glatz
Austin
Aus genau diesem Grund macht es auch keinen Sinn, sich in ein Hotel einzumieten. Viel schöner und auch – klingt in diesem Zusammenhang komisch – effektiver ist es, ein eigenes Haus mit anderen für die Tage zu mieten. Viele Familien nutzen diese Woche um Urlaub zu machen und stellen ihr ganzes Haus zur Verfügung. So lebt man quasi mitten in der Stadt, ist Teil der Stadt und die Stadt ist alles. Und es gibt überall gutes, kostenloses Wlan.

 

Was habe ich auf der SXSW 2018 gelernt bzw. von dort mitgebracht:

  • Smartphones haben ihren Zenit erreicht. Amy Webb vom Future Today Institute sagt, dass wir unsere Computer künftig bildschirmfrei bedienen werden – mit unseren Stimmen, mit Hilfe von Brillen oder Smartwatches.
  • Früher waren die Rollen in unseren Beziehungen vorgezeichnet, heute gilt es alles ständig neu zu verhandeln. Nie war deshalb das gemeinsame Gespräch so wichtig. Wie Soziale Medien uns verändern und uns helfen hat die Paartherapeutin Ester Perel eindrucksvoll erklärt.
  • „Steck dir ein Ziel, das höher hängt als deine Komfortzone.“ Der Triathlet Jan Frodeno sagt, ein eindeutig formuliertes Ziel trägt ihn durch die unvermeidlichen Tiefs.
  • Der Autor Wiliam Hurley beobachtet, dass die Patentanmeldungen im Bereich Quantencomputing seit 2014 sprunghaft gestiegen sind. Wir steuern hier auf eine neue Entwickler- und Gründerzeit zu. 
  • „Neues entsteht an den Schnittstellen!“ Der Steve Jobs-Biograf Walter Isaacson stellte sein neues Buch über Leonardo da Vinci vor. Er sagt, dass nur, weil da Vinci so vielseitig interessiert war, weil er zugleich Ingenieur und Maler war, fing er an, Muster in der Natur zu sehen. Sein Platz an der Schnittstelle zwischen den Disziplinen macht ihn zum größten Erfinder seiner Zeit.
  • Alle sind in Austin. Alle Automobilhersteller, alle Internet-Konzerne, alle Industrienationen, alle die offen für neue Ideen und Inspiration sind, alle die an der Zukunft arbeiten wollen.
  • Niemand feiert hier blind Technologien oder den Fortschritt generell. Man fordert Verantwortung im Umgang mit den Menschen und deren Bedürfnissen. (Spätestens seit dem Skandal um Cambridge Analytica hat diese Diskussion nochmal an Zündstoff gewonnen.)
PS: mein ganz persönliches Highlight dieses Jahr: ein Treffen mit dem Helden meiner Jugend – Mark Hamill, besser bekannt als Luke Skywalker.

PPS: Sollten Sie mich nächstes Jahr nach Austin begleiten wollen, schreiben Sie mir eine EMail. Wir sind bereits fünf Ingolstädter, die nächstes Jahr wieder „pilgern“ werden – für neue Ideen, Input, Inspiration und das eine oder andere BBQ.
 
Franz Glatz
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!