Montag, 17. Dezember 2018
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Google weiß, wo Du bist

erstellt am 22.10.2010 um 10:49 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 13:01 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (dk) Nach Kritik von Datenschützern hat Google die Sammlung von Daten über drahtlose Netzwerke mittels der Street-View-Autos gestoppt. An die Informationen kommt der Konzern dennoch: Nutzer von iPhone und Co. sammeln sie jetzt, ohne es zu merken für den amerikanischen Internetriesen. Unterdessen muss Google weitere Datenpannen einräumen.
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Google-Ortung via IPhone
Google-Ortung via IPhone am Ingolstädter Rathausplatz.
Hauser
Freunde von modernen Mobilgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs schätzen die Möglichkeit, schnell zu erfahren, wo sie sich gerade befinden. Per Knopfdruck sieht etwa der iPhone-Benutzer die Adresse seines aktuellen Standpunktes, den Weg zur nächsten Bushaltestelle und – wenn er ein Anhänger des sozialen Internet-Netzwerks Facebook ist – wo seine Freunde und Bekannten sich gerade aufhalten.
 
Dazu machen sich etwa Smartphones nicht nur das satellitengesteuerte weltweite Positionionierungssystem GPS zu Nutze, sondern auch so genannte WLANs, drahtlose Computer- und Internetnetzwerke also. Dazu braucht eine Software wie Google Maps allerdings Informationen, wo sich das WLAN, bzw. dessen Basisstation, befindet. Um an diese Daten zu kommen , hatte Google seine Street-View-Fahrzeuge mit Detektoren ausgerüstet, die von Netzwerken, an denen die Wagen auf ihrer Fototour ohnehin vorbei kamen, die eindeutige Seriennummer - die so genannte MAC-Adresse (Media-Access-Control-Adresse) sowie den Namen des Drahtlosnetzes (Service Set Identifier) gespeichert haben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Google diese Daten von anderen Sammlern einfach gekauft.
 
Unbemerkte Späher


Ärger gab es für Google, als bekannt wurde, dass die Street-View-Autos en passant nicht nur die WLAN-Daten, sondern gleich auch Informationen aus den Netzwerken gespeichert hatten: Darunter auch persönliche E-Mails, Passwörter und Bankdaten. „Ein Versehen“, wie der Konzern nach anfänglichem Leugnen eingeräumt hat. Aufmerksam wurde der Internetkonzern auf diesen Umstand nach offizieller Lesart erst, als der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar eine entsprechende Anfrage an Google gestellt hatte.


Angeblich waren die Daten aufgrund eines Softwarefehlers erhoben worden. Dieser Darstellung widerspricht allerdings ein aktueller Bericht der kanadischen Datenschutzbehörde Office of the Privacy Commissioner of Canada . Nach Recherchen der Organisation hat es intern durchaus datenschutzrechtliche Zweifel an der Methode gegeben.

Da die Vorbeifahrten an Netzwerkstationen zu schnell gegangen seien, um große Datenmengen zu sammeln, seien lediglich "Datenfragmente" von Google gespeichert worden, hieß es im Mai aus der Konzernzentrale. Das hat sich am Freitag ebenfalls als falsch erwiesen. Der Internet-Riese musste zugeben, durchaus ganze E-Mails und  Passwörter bei seinen Fahrten gespeichert zu haben. Wieder waren es externe Spezialisten, die ihn darauf aufmerksam machen mussten. In seinem Blog schreibt Google-Manager Alan Eustace am Freitag von "schlimmen Vergehen" und kündigte Konsequenzen an. Unter anderem soll die Stelle eines "Director of Privacy" geschaffen werden. Alma Whitten soll künftig verantwortlich für den Datenschutz bei Google sein. Außerdem werden die Mitarbeiter des Konzerns besser geschult und interne Kontrollen verschärft. Die unrechtmäßig gesammelten Daten werden "so schnell wie möglich" gelöscht.

Datensammlung geht weiter

Nach dem Bekanntwerden der Google Praktiken und massiver Kritik von Datenschützern, Juristen, Politikernund Medien blieben die Street-View-Autos ab Mai zunächst in der Garage.

Auf die gewünschten Datenüber WLAN-Metze verzichtet Google allerdings nicht. Die Sammlung geht auch jetzt munter weiter. Laut eines Berichts von Jennifer Stoddart, der obersten kanadischen Datenschützerin, übernehmen das jetzt eben Smart-Phone-Nutzer. Jedes Mal, wenn sie sich über Google-Software positionieren, senden sie Informationen über die drahtlosen Netzwerke der Umgebung an Google. Diese Informationen werden mit den Street-View-Datenbanken verglichen. Dazu wird die Position des Smartphonenutzers mittels Triangulation – also dem Peilen von drei Bezugspunkten aus – ermittelt, aber nicht gespeichert. Ganz geheuer scheint selbst Google diese Vorgehensweise nicht zu sein. Laut des Berichts des Office of the Privacy Commissioner of Canada prüfe der Konzern derzeit, ob es bei dieser Methode zur Datensammlung nicht vielleicht doch eine Gefahr für die Privatsphäre geben könnte.

Der deutsche Bundesdatenschutzbeauftragte, Peter Schaar, stellte im Interview mit dem DONAUKURIER bereits klar: „Dem heimlichen Orten von Smartphone-Nutzern muss ein Riegel vorgeschoben werden. Nur wenn der Betroffene nach entsprechender Information ausdrücklich einwilligt und die Möglichkeit hat, seine Erlaubnis wieder zurückzuziehen, sollte geortet werden dürfen."
 

Johannes Hauser, Online-Redaktion
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