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DONAUKURIER übergibt in Hamburg Widersprüche an Google

erstellt am 26.03.2010 um 12:32 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 13:01 Uhr | x gelesen
Hamburg/Ingolstadt (dk) Eine Delegation des DONAUKURIER hat heute in Hamburg mehr als 700 Widersprüche von Lesern gegen Googles Dienst Street View übergeben. Kay Oberbeck, Pressesprecher von Google Deutschland, nahm die Dokumente in der Deutschland-Zentrale des Internet-Konzerns entgegen.
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Markus Schwarz, Chef vom Dienst des DONAUKURIER, übergibt die Widersprüche an Kay Oberbeck (links), den Kommunikationschef von Google Deutschland.
Markus Schwarz, Chef vom Dienst des DONAUKURIER, übergibt die Widersprüche an Kay Oberbeck (links), den Kommunikationschef von Google Deutschland.
Die Damen am Empfang der Google-Deutschland-Zentrale in Hamburg schauen nicht wirklich erfreut, als das Filmteam von donaukurier.de vor der Tür steht. "Bitte hier jetzt erst mal nicht filmen!", heißt es zur Begrüßung. Der Kameramann bricht die Aufnahme sofort ab, hält sich an die Regeln.

Ungewollt liefert die deutsche Vertretung des kalifornischen Internetkonzerns eine durchaus passende Einstimmung auf das Thema des Tages: Widerstand gegen den Internetdienst Google Street View. Mehr als 700 Bürger aus dem Raum Ingolstadt haben mit einem Formschreiben Widerspruch dagegen eingelegt, dass Google ungefragt ihre Häuser, Gärten und Wohnungen fotografiert, um die Bilder dann im Internet zu veröffentlichen. Die beiden dicken roten Ordner mit den Protestnoten aus Bayern liegen jetzt bei Google auf dem Tisch - überreicht von einer Delegation des DONAUKURIER; unangekündigt, aber alles andere als unbeachtet.

Kay Oberbeck, der Kommunikationschef von Google Germany nimmt die Widersprüche entgegen und stellt sich vor der Kamera allen Fragen von DK-Redakteur Markus Schwarz. Wenige Wochen zuvor hatte der Unternehmenssprecher noch schriftlich die Bitte des DONAUKURIER zurückgewiesen, genau das zu tun.

DONAUKURIER-CvD Markus Schwarz mit den Widersprüchen in der deutschen Google Konzernzentrale
DONAUKURIER-CvD Markus Schwarz mit den Widersprüchen in der deutschen Google Konzernzentrale
Hauser
Oberbeck bleibt bei der kurzen Debatte im Empfangsbereich dabei: Google dürfe das, die Vorwürfe gegen Street View seien unbegründet. Er relativiert: "Wir filmen doch nicht, wir machen nur Fotos." Der DONAUKURIER hält dagegen, argumentiert gemäß den Ergebnissen der Rechtsgutachten, die das Blatt zu Street View in Auftrag gegeben hat: Schon die Datenerhebung - ohne Genehmigung und aus drei Metern Höhe in die Privatsphäre hinein - sei unzulässig und das von Google angebotene Widerspruchsverfahren damit eine Farce, da es sich nur auf bereits gespeicherte Bilder bezieht.

Der Google-Sprecher betont, dass Gesichter und Autokennzeichen, die auf Street-View-Aufnahmen zu sehen sind,unkenntlich gemacht werden.  Grundsätzlich jedoch legt Oberbeck Wert auf die Feststellung, dass Street View juristisch einwandfrei sei. Er versichert, alle Widersprüche ernst zu nehmen und zu berücksichtigen, sobald die Straßenaufnahmen aus Deutschland online gehen.
Das könnte noch in diesem Jahr passieren. Wenn die Widerspruchswelle weiter so an Schwung gewinnt wie in den vergangenen Monaten, und der Konzern sein Versprechen hält, dann dürfte die Google-Welt einige schwarze Löcher mehr bekommen.   

Kay Oberbeck nimmt die Widersprüche der DK-Leser in Augenschein
Kay Oberbeck nimmt die Widersprüche der DK-Leser in Augenschein
Hauser
Das Google-Street-View-Auto ist derzeit in der Region unterwegs und fotografiert Straßen und Häuser, aber auch Menschen - nach Meinung vieler Experten eine Beeinträchtigung der Persönlichkeitsrechte. Das ist nicht nur das Ergebnis zweier Gutachten, die der DONAUKURIER in Auftrag gegeben hatte. Auf donaukurier.de gibt es das Widerspruchsformular und Protestplakate.

Nach anhaltender Kritik an dem Projekt haben Bürgerinnen und Bürger in Deutschland - anders als in anderen Staaten - die Möglichkeit, schon vor einer Veröffentlichung der Bilder Einspruch bei dem amerikanischen Quasi-Monopolisten anzumelden. Wer nicht will, dass sein Haus oder sein Garten weltweit im Internet zu sehen sind, kann sich dagegen wehren. Die entsprechende Stelle wird dann geschwärzt. Der Internet-Konzern hat sich bereit erklärt, sämtliche Widersprüche zu berücksichtigen, bevor der Dienst im Netz nutzbar ist.
 
Mehr als 700 DONAUKURIER-Leser haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und sich dagegen verwehrt, dass Google ohne Erlaubnis ihre Häuser, Wohnungen oder eventuell auch sie selbst fotografiert und im Internet veröffentlicht. "Ich kann Ihren Lesern und Zusehern versichern, dass wir die Widersprüche definitv ernst nehmen", sagte Google-Sprecher Oberbeck. Allerdings zeigte er sich nach wie vor davon überzeugt, dass Street View vollkommen legal sei. Nun werde man die Widersprüche genau zählen, sagte Oberbeck. Dann werde sich die Rechtsabteilung von Google damit befassen.

Lesen Sie mehr auf www.donaukurier.de/google

Daten- und Verbraucherschützern ist die Möglichkeit des Widerspruchs allerdings nicht genug. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) prüft derzeit, inwieweit die gesetzlichen Grenzen für Google Street View enger gesetzt werden können. Unter anderem fordert sie, dass die Höhe der Kamera von 2,50 Meter auf 1,80 Meter reduziert wird. Außerdem will sie erfahren, wie die Bilder vermarktet und mit anderen Daten vernetzt werden sollen.
 
Der DONAUKURIER bietet  Protestplakate an, mit denen jeder offen zeigen kann, was er von Google Street View hält.

Anti-Street-View-Protestplakt mit DONAUKURIER-Schriftzug
 
Das Protestplakat für die Lokalausgaben (mehrere Seiten)




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