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Weltmacht Facebook

Facebook
erstellt am 31.01.2014 um 20:09 Uhr
aktualisiert am 08.08.2018 um 09:44 Uhr | x gelesen
Facebook ist eine Seuche. So jedenfalls analysierten kürzlich zwei Forscher der Eliteuniversität Princeton das soziale Netzwerk. Und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen. Wenn man die Verbreitung von Facebook auf ähnliche Weise mathematisch darstellen würde wie eine Krankheit, dann wäre die Internet-Plattform so ansteckend wie Malaria.
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Denn die Facebook-Mitglieder infizieren ihre Umgebung und generieren neue Freunde des Netzwerks. Aber es gäbe Hoffnung, fanden John Cannarella und Joshua Sprechler heraus. Die „Epidemie Facebook“ hätte bereits ihren Zenit überschritten, und schon im Jahr 2017 würden rund 80 Prozent der heutigen Nutzer den Internet-Dienst verlassen haben. Man mag Zweifel an dieser Analyse haben. Sicher hingegen ist, dass sich die Plattform, die am 4. Februar vor zehn Jahren gegründet wurde, mit seuchenartiger Geschwindigkeit verbreitet hat. Inzwischen gibt es mehr als 1,2 Milliarden Nutzer weltweit. Die Firma machte im letzten Quartal einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 523 Millionen Dollar. Facebook wird inzwischen meistens mit Smartphone und Tablet genutzt. 53 Prozent der Werbeeinnahmen kommen daher. Erschütternd ist, in welchem Maße das Netzwerk bereits unsere Gesellschaft vereinnahmt hat: Jeder 12. Erdenbürger ist Mitglied, rund 50 Prozent von ihnen sichten ihr Facebook-Profil einmal am Tag. Kein Zweifel: Facebook hat die Welt verändert. Niemals zuvor war es so einfach, seinen Freunden, Informationen, Bilder, Artikel, Videos zugänglich zu machen.

Der Erfolg des Internet-Dienstes konnte in den ersten Jahren kaum vorhergesehen werden. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (29) war eher ein Idealist, als ein Konzernchef. „Facebook war ursprünglich nicht dazu geschaffen, ein Unternehmen zu sein“, sagte er 2012. Lange Zeit war es Börsenspekulanten rätselhaft, wie man mit dieser Idee Gewinne generieren könne. Der Internet-Dienst begann als geschlossenes Studentennetzwerk an der Harvard-Universität, nachdem Zuckerberg mit dem Internetportal facemash.com spektakulär gescheitert war: Er stellte Fotos von Studentinnen ohne deren Erlaubnis auf seine Seite und forderte die Besucher des Dienstes auf, die Mädchen nach ihrer Attraktivität zu benoten.

Wirklich erfolgreich ist Facebook erst durch einen langjährigen Veränderungsprozess geworden. Nutzer der ersten Jahre wissen noch davon zu berichten, wie familiär das Netzwerk damals war. Eine vergangene Welt. Denn je kommerzieller das soziale Netzwerk wurde, desto mehr büßte es an Attraktivität ein. Gerade junge Leute verlassen gerade in Scharen das blau-weiße Netzwerk oder lassen es zumindest ruhen. Sie kommunizieren zunehmend über andere Plattformen, etwa WhatsApp oder Instagram. Dagegen verzeichnet Facebook bei den über 40-Jährigen enorme Zuwächse, einer Bevölkerungsgruppe, die sich bis vor Kurzem dem sozialen Netzwerk noch fast vollständig verweigerte.

Die bei Weitem meisten Internet-Nutzer, die Mark Zuckerbergs Dienst wieder verlassen, tun das wegen der nur unzureichend geschützten Privatsphäre. Denn das ist die Kehrseite des wirtschaftlichen Erfolgs: Facebook zu nutzen kostet keinen Cent, bezahlt wird vielmehr mit Daten und Informationen. Der Konzern kann alles verwerten, was auf die Profilseite gestellt wird, und er erfasst alles. Selbst gelöschte Einträge werden weiter gespeichert, genauso wie Postings, die noch nicht online gestellt wurden. Facebook beobachtet jede Mausbewegung und jede Seite, die man im Internet besucht. Der gigantische Datenberg hat einen Zweck: Werbung individuell zu platzieren.

Aber Facebook selbst ist nicht die einzige Ursache, die einem manchmal den Spaß vergällt. Inzwischen tummeln sich nicht mehr in erster Linie Privatleute mit ihren Familienbildern im Netzwerk, sondern zunehmend Vermarkter und Selbstvermarkter. Privatnutzer dagegen reagieren zunehmend zurückhaltender und ängstlicher, wenn es um die Preisgabe ihrer Daten geht. Auch weil sie sich von den schwierig zu durchschauenden und sich immer wieder ändernden Sicherheitseinstellungen überfordert fühlen. Immer wieder kursieren Geschichten, von Leuten, die auf ihrer Profilseite Freunde zu einer Party eingeladen haben und dann von mehr als tausend Besuchern überrascht wurden.

Der Ruf des Netzwerks wird zudem schwer belastet durch Ereignisse, wie sie sich etwa vor zwei Jahren in Schrobenhausen abspielten. Dort musste eine damals 14-jährige Schülerin feststellen, dass jemand anderes sich mit ihrem Namen auf Facebook ein Profil erstellt hatte und sie im Netz lächerlich machte.

Lange Zeit blieben alle Bemühungen erfolglos, die Seite löschen zu lassen: Facebook hatte daran kein Interesse. Am Ende wurde die Täterin gestellt, weil die 14-jährige Schülerin den richtigen Verdacht hatte – nicht allerdings durch die Hilfe des amerikanischen Konzerns.

Von Jesko Schulze-Reimpell
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