Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Erfundene Vergewaltigungen durch Flüchtlinge - Polizei warnt vor Facebook-Gerüchten

erstellt am 20.01.2016 um 14:47 Uhr
aktualisiert am 08.08.2018 um 09:47 Uhr | x gelesen
Rosenheim (DK) Auf Facebook machen zur Zeit immer wieder Meldungen über Vergewaltigungen durch Asylbewerber die Runde. Stets heißt es dabei auch Medien - auch der DONAUKURIER - und Polizei würden diese Taten vertuschen. Beamten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ist nun der Kragen geplatzt. Sie haben eines dieser Gerüchte über acht Stationen bis zu seinem Ursprung zurückverfolgt und warnen explizit davor, solche Falschmeldungen zu verbreiten.
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Szenarien von deutschen Frauen, die in großer Zahl von Flüchtlingen vergewaltigt werden, sind seit vielen Monaten auf den einschlägigen Seiten im Internet zu lesen. Medien schweigen die Taten tot, heißt es. Der gleiche Vorwurf geht in Richtung der Polizei. So war es auch jüngst in der Debatte nach einem Facebook-Posting, das ein junger Mann aus dem Landkreis Traunstein verfasst hatte.

„Am 11.01.2016 wurde in einer Traunsteiner Unterführung ein Mädchen vergewaltigt! Und zwar von Asylanten/Flüchtlingen! Der ganze Wahnsinn spielt sich also mittlerweile vor unserer eigenen Haustüre ab. Die Polizei, unser Freund und Helfer, hält schön den Mund und gibt nichts an die Bevölkerung raus! Da sage ich nur Schämts Euch! Diese Information stammt aus einer sicheren Quelle!“
 
Diese Meldung sorgte für Verwunderung beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim. Denn seit Jahresbeginn hatte es in Traunstein keine Anzeigen wegen Sexualdelikten gegeben. Doch da die Beamten die Möglichkeit nicht ausschließen wollten, dass die Tat nur noch nicht gemeldet worden war, nahmen sie die Ermittlungen auf. 

Zwei Tage lang ermittelten die Polizisten von der angeblich „sicheren Quelle“ immer weiter zur nächsten Quelle. Die Beamten identifizierten acht Personen, die an der Weitergabe des Gerüchts beteiligt gewesen waren. Wie beim Kinderspiel „Stille Post“ hatte jeder ein paar neue Details hinzugefügt und andere Informationen weggelassen.
 
Schließlich konnten die Polizisten den Ursprung des Gerüchts identifizieren: In der Silvesternacht hatte ein Afghane in Traunreut eine 17-Jährige betatscht. Über diese Tat war ausführlich berichtet und der Afghane festgenommen worden. Über mehrere Stationen wurde dann aus dieser bekannten sexuellen Nötigung in Traunreut eine vollzogene Vergewaltigung in Traunstein. Die Polizei warnt:

„Dieser Fall zeigt, dass ,Stille Post' unter Umständen wirklich ,gefährlich' sein kann, besonders wenn man das Ergebnis am Ende der Informationskette auf Facebook öffentlich macht und als Tatsache darstellt. Aus einem Sexualdelikt – und jedes Sexualdelikt ist eines zu viel – können so schnell zwei, drei oder noch mehr werden, begangen an unterschiedlichen Örtlichkeiten zu verschiedenen Zeitpunkten.“ 

Eine Folge sei Verunsicherung. Ein fast noch größeres Problem ist jedoch, dass die Polizei auch diesen erfundenen Fällen nachgehen muss – was Kräfte bindet. Wer erfundene Straftaten „aus sicherer Quelle“ in die Welt setzt und weiterleitet, verhindert im Extremfall die Aufklärung tatsächlicher Straftaten. 
 
tow
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