Aschaffenburg
Schlachthof darf nach Tierschutzskandal wieder schlachten

11.09.2023 | Stand 12.09.2023, 22:11 Uhr

Schlachthof Aschaffenburg - Der Schlachthof in Aschaffenburg. - Foto: Heiko Becker/dpa

Tiere werden mit Elektroschockern gequält und lebend auseinandergenommen: Aufnahmen, die aus einem Schlachthof in Aschaffenburg stammen sollen, haben zur Schließung des Betriebs geführt. Jetzt geht das Schlachten wieder los - zumindest teilweise.

Nach einem Skandal um massive Tierschutzverstöße hat der Schlachthof in Aschaffenburg am Montag teilweise seine Arbeit wieder aufgenommen. Der Betrieb habe seit der zwangsweisen Schließung im Juli nach und nach zahlreiche Auflagen erfüllt, teilte ein Sprecher der bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) mit. Die rechtlichen Voraussetzungen für die Schlachtung von Mastschweinen seien damit gegeben. Ferkel und Muttersauen dürften dort aber vorerst weiter nicht geschlachtet werden.

Unter anderem wurden demnach ein neues Tierschutzkonzept erarbeitet, Umbauten vorgenommen und ein neuer Tierschutzbeauftragter benannt, teilte die Behörde mit. Der Betrieb habe auch einen neuen Geschäftsführer als verantwortlichen Lebensmittelunternehmer benannt. Bei den Mitarbeitern habe es ebenfalls zahlreiche Wechsel gegeben. Mehrere Angestellte würden nun nicht mehr an lebenden Tieren zum Einsatz kommen, nachdem die KBLV Verfahren eingeleitet hatte, um ihnen die dafür benötigte Sachkunde zu entziehen.

Nachdem der Schlachthof die nach der jüngsten Kontrolle verbliebenen Mängel beseitigt habe, habe die Behörde grünes Licht geben müssen. Am Montag seien die ersten Mastschweine geschlachtet worden, Kontrolleure der KBLV seien dabei vor Ort gewesen.

Die Tierschutzorganisation «Soko Tierschutz» bezeichnete die Wiederaufnahme des Betriebs als «absolut fatales Signal». «Kann man in Bayern ein Tier bei Bewusstsein aufschlitzen, noch lebenden Tieren die Augen rausschneiden, Tiere mit Stromschlägen mißhandeln, sich gegen die Kontrollbehörden verschwören und bekommt dann nach einer Showschlachtung und etwas Technik Gebastel wieder grünes Licht zum Profit auf Kosten der Tiere?», hieß es in einem Facebook-Beitrag des Vereins, der den Skandal im Juli mit Videoaufnahmen, die aus dem Schlachthof stammen sollen, ins Rollen gebracht hatte.

Die Aufnahmen zeigten, wie Mitarbeiter Schweine und Rinder mit Elektroschockern traktieren und offensichtlich noch lebende Tiere auseinandernehmen. Bei einer anschließenden Kontrolle der KBLV sollen die Verstöße zwar nicht beobachtet worden sein, dennoch schloss die Behörde vorerst den Betrieb. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen mehrere Beschuldigte - unter anderem gegen eine amtliche Tierärztin, die dem Schlachthof einen Kontrolltermin vorab bekanntgegeben haben soll. Auch gegen einen Gesellschafter sowie einen Geschäftspartner des Schlachthofs wird demnach ermittelt.

Die Stadt Aschaffenburg diskutierte daraufhin über eine «Task Force», um über die Zukunft des Schlachthofs zu beraten. Aschaffenburgs Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD) sprach von «irrsinnigem Leid» der Tiere. Die Grünen im Landtag forderten bessere Kontrollen von Schlachthöfen und stellten dazu schriftliche Anfragen an die Staatsregierung.

In dem Aschaffenburger Schlachthof können auch Rinder geschlachtet werden. Ob und wann in diesem und anderen Bereichen des Betriebs wieder gearbeitet werden darf, blieb am Montag zunächst unklar. Das hänge davon ab, ob und wann der Betrieb noch nötige Verbesserungen umsetzt und Nachweise erbringen kann, sagte ein KBLV-Sprecher. Die Behörde werde den Betrieb in jedem Fall weiter «engmaschig» kontrollieren.

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