Datenträger sichergestellt

Nach Tod von Impfärztin: Wohnung in Oberbayern durchsucht

05.08.2022 | Stand 06.08.2022, 10:28 Uhr
Isabel Metzger

Die Ärztin Lisa-Maria Kellermayr beging Suizid. −Foto: dpa

Von Isabel Metzger

Nach dem Suizid einer von Impfgegnern bedrohten Hausärztin in Oberösterreich hat die für die Ermittlungen in Bayern federführende Generalstaatsanwaltschaft München am Freitag die Wohnung eines Tatverdächtigen im Landkreis Starnberg durchsuchen lassen.



Das bestätigte der Sprecher der Behörde, Klaus Ruhland. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt seit Mitte dieser Woche gegen den 59-Jährigen. Die Razzia sei am frühen Morgen von der Kriminalpolizeiinspektion Fürstenfeldbruck am Wohnort des Mannes durchgeführt worden. Dabei seien unter anderem Datenträger sichergestellt worden, die derzeit ausgewertet würden. „Der Beschuldigte zeigte sich dabei kooperativ“, erklärte Ruhland in einer Pressemitteilung.


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Gegenstand der Ermittlungen gegen den 59-jährigen Oberbayern seien im Wesentlichen die Tatvorwürfe der Bedrohung und der Nachstellung. Zunächst hatte es geheißen, das Verfahren gegen den Mann laufe wegen des Verdachts der Bedrohung und Beleidigung. Der Beschuldigte soll die Ärztin Lisa-Maria Kellermayr laut Generalstaatsanwaltschaft im Internet und in den sozialen Medien verbal attackiert haben.

Äußerungen auch über Twitter verbreitet

Eine seiner auch über Twitter verbreiteten Äußerungen lautete: „Frau Dr. Kellermayr, wir beobachten Sie, und, wir werden solche Kreaturen vor die in Zukunft einzurichtenden Volkstribunale bringen!“ Die Ärztin hatte diese Anfeindung auch auf ihrer Homepage veröffentlicht. Ob der 59-Jährige zudem Morddrohungen gegen die Impfärztin ausstieß, konnte Sprecher Ruhland am Freitag auf Anfrage nicht sagen.

Der Fall der in den Tod getriebenen Medizinerin hat in Österreich und Deutschland Bestürzung ausgelöst. Lisa-Maria Kellermayr war am Freitag vergangener Woche tot in in ihrer Praxis in Seewalchen am Attersee aufgefunden worden. Sie hatte sich mit 36 Jahren das Leben genommen, nachdem sie über Monate hinweg massiven Anfeindungen von Impfgegnern ausgesetzt war. Diese drohten ihr und ihrem Team mit brutaler Folter und Mord. Sie hatte deswegen bereits die Praxis geschlossen.