Religion
Konferenz der Europäischen Rabbiner: Zuhause in München

19.09.2023 | Stand 20.09.2023, 5:29 Uhr |

Die Konferenz der Europäischen Rabbiner hat ihren Hauptsitz von Großbritannien nach Bayern verlegt. Der Umzug erfolgte auf Einladung des Freistaats. Nicht nur für Juden hat er eine große Symbolkraft.

Der Umzug von London nach München ist für die Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) ein symbolreicher Schritt: Die Verlegung des Hauptsitzes und die zeitgleiche Eröffnung des neuen Zentrums für jüdisches Leben in der Landeshauptstadt seien «eine Botschaft an alle dunklen Kräfte, die das jüdische Volk bedrohen», teilte CER-Präsident und Rabbiner Pinchas Goldschmidt anlässlich der Feierlichkeiten am Dienstagabend mit. «München, ein Ort mit einer tragischen Geschichte, zeigt heute ein blühendes jüdisches Leben. Diese Entwicklung ist ein Beweis dafür, dass Antisemitismus keinen Erfolg haben wird.»

Die Konferenz der Europäischen Rabbiner vertritt als europäisches Rabbinat nach eigenen Angaben rund 1000 Mitglieder und 800 aktive Rabbiner von Dublin bis Wladiwostok und damit die größten jüdischen Gemeinden Europas. Zuvor war der Hauptsitz der Organisation 67 Jahre lang in London gewesen. Die aktuelle Standortwahl ist vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass Adolf Hitler München einst zur «Hauptstadt der Bewegung» für seine rassistische und faschistische Ideologie erklärt hatte, die in der Ermordung von sechs Millionen Juden gipfelte.

Künftig will die CER von München aus ein umfassendes Bildungsangebot für Rabbiner und Rabbinerfrauen aus ganz Europa anbieten. Auch soll es internationale Konferenzen zu aktuellen das Judentum betreffenden Fragen geben.

Zeitgleich mit dem neuen Hauptsitz wurde auch ein vom Freistaat gefördertes «Zentrum für jüdisches Leben» eingeweiht. «Wir werden dafür sorgen, dass jüdisches Leben in all seiner Pracht und Vielfalt in Bayern ewig ein zu Hause hat», versprach Staatskanzleichef Florian Herrmann laut Mitteilung. ««Nie wieder» ist unsere Staatsräson und ein immerwährender Auftrag für alle in Politik und Gesellschaft.» Der Freistaat unterstützt das neue Zentrum jährlich mit 1,5 Millionen Euro.

«In Bayern schlägt heute das Herz des europäischen Judentums», sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Sie forderte, dass für die Stärkung der jüdischen Präsenz in Europa und im Kampf gegen Judenhass alle Kräfte gebündelt werden müssten.

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