Urteil ist gefallen

Callcenter-Betrüger zu 1128 Jahren Haft verurteilt - Zahlreiche Opfer in Bayern

28.09.2022 | Stand 28.09.2022, 13:44 Uhr

67 Personen waren wegen Betrugs angeklagt. −Symbolbild: Uli Deck/dpa

Über 35 Opfer und ein Schaden im Millionenbereich: Deswegen mussten sich 67 Personen in der Türkei vor Gericht verantworten. Wegen Telefonbetrugs kam am Ende für die Angeklagten eine Gesamtstrafe von 1128 Jahren Haft zusammen.



Das Landgericht in Izmir verurteilte nach Angaben der Polizei in München die Mitarbeiter eines Callcenters zu den Freiheitsstrafen und zog hohe Vermögenswerte ein. Zu dem Urteil kam es unter anderem durch die enge Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden. Der Leiter der Münchner AG Phänomene, Hans-Peter Chloupek, erklärte: „In intensiver Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden sowie der Staatsanwaltschaft München konnten mehrere Tatverdächtige in diesem Ermittlungskomplex identifiziert und festgenommen werden.“

Verbrechen zählt zur organisierten Kriminalität

Die Ermittlungen zogen sich über Jahre, der Prozess dauerte elf Tage. Insgesamt waren 67 Personen angeklagt, vor allem im Münchner Raum Personen betrogen und um ihr Geld gebracht zu haben. „Das ist ein Urteil mit Signalwirkung für ähnliche Verfahren im In- und Ausland“, so Chloupek.

Von den Angeklagten wurden mehrere Personen verurteilt, unter anderem wegen Gründung einer kriminellen Organisation. Die einzelnen Strafen reichen von sechs Monaten bis zu 400 Jahren. Es wurden Vermögen von über 60 Millionen Euro eingezogen. Chloupek erklärte: „Wir hoffen, dass damit die Opfer nun auch finanziell von den türkischen Behörden entschädigt werden können.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Täter schrecken vor schweren Straftaten nicht zurück

Seit 2017 hatte die Münchner Polizei gemeinsam mit Kollegen aus Baden-Württemberg und des Bundeskriminalamtes (BKA) gegen Personen dieses betrügerischen Callcenters ermittelt. „Nach unseren Ermittlungen sind diese Bandenstrukturen ein Milieu mit höchster krimineller Energie, denn die Täter schrecken auch vor schweren Straftaten nicht zurück“, so Chloupek. Der nun verurteilte Bandenanführer hatte sich bereits 2012 in die Türkei abgesetzt und dort das Callcenter geführt. Er wurde bei einer spektakulären Aktion im Dezember 2020 zusammen mit den weiteren Mitgliedern dieser international agierenden Bande festgenommen.

− kha