Handel
Ärger bei der Baywa: Verluste und hohe Schulden

11.06.2024 | Stand 12.06.2024, 21:14 Uhr |

BayWa - Der Baywa-Schriftzug am Technikzentrum des Unternehmens im Hafen von Bamberg. - Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Archivbild

Die Baywa ist eine bayerische Institution. Doch dem Konzern geht es nicht gut: Schulden in Milliardenhöhe drücken, die Geschäfte laufen schlecht. Die Aktionäre machen ihrem Ärger Luft.

Die mit über fünf Milliarden Euro verschuldete Baywa will mit Einsparungen und Verkäufen unprofitabler Geschäfte aus der Krise kommen. Vorstandschef Marcus Pöllinger versprach den Aktionären am Dienstag auf der Hauptversammlung nach dem Verlustjahr 2023 einen „Transformationsprozess“ und ein wesentlich besseres Ergebnis in diesem Jahr. „Jede Einheit muss künftig für sich profitabel sein“, sagte Pöllinger. Von Aktionären kam scharfe Kritik an der Entwicklung des Unternehmens, sowohl von Aktionärsvereinigungen als auch von einzelnen Anteilseignern.

Der aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangenen Münchner Mischkonzern hatte 2023 Verluste geschrieben, im ersten Quartal blieb das Unternehmen mit einem Nettoverlust von 108 Millionen Euro tief in den roten Zahlen. Der Umsatz schrumpfte im Vergleich zum ersten Quartal 2023 um 17 Prozent auf knapp 5,2 Milliarden Euro. Das erste Quartal verläuft bei der Baywa traditionell schwach, doch hatte es in den vergangenen Jahren keine Verluste zu Jahresbeginn gegeben. Das Unternehmen wird für 2023 auch keine Dividende zahlen, die Aktionärsversammlung stimmte dem Vorschlag der Baywa-Führungsriege zu.

Verschuldung in den vergangenen Jahren gestiegen

Pöllinger deutete an, dass bis zur Jahresmitte keine Wende zum Besseren zu erwarten ist: „Entsprechend kann das erste Halbjahr auch noch nicht für den angestrebten Aufschwung stehen“, sagte der Vorstandschef. Der Konzern ist internationaler Agrarhändler, außerdem als Projektentwickler für Ökostromanlagen sowie im Baugeschäft als Händler und Dienstleister tätig.

Die Verschuldung der Baywa ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Ende des ersten Quartals beliefen sich kurz- und langfristige Kredite zusammen auf eine Summe von 5,6 Milliarden Euro. Hinzu kamen im ersten Quartal Personalquerelen, die zum Rücktritt des Aufsichtsratschefs Klaus Josef Lutz führten.

Solarhandel soll verkauft werden

Der Vorstand will nun unter anderem den Solarhandel verkaufen. Das war schon für 2023 geplant, doch fand der Vorstand keinen Käufer, der den geforderten Preis zahlen wollte. Bereits verkauft ist das Geschäft mit Digitaltechnik für Landwirte. Vorstandschef Pöllinger will außerdem Stellen abbauen, „selbstverständlich sozialverträglich“. Eine Größenordnung nannte er nicht. Im Geschäftsfeld Bau prüft die Baywa-Chefetage Kurzarbeit.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) prangerte eine „schwere Unternehmenskrise“ inklusive „Finanzschuldenberg“ und „Führungsdesaster“ an. SdK-Vorstand Paul Petzelberger forderte den Baywa-Aufsichtsrat auf, eine an Lutz gezahlte Abfindung von 6,7 Millionen Euro zurückzufordern. Dies ist nach Einschätzung des Aufsichtsrats rechtlich nicht möglich, wie Gregor Scheller erläuterte, der neue Vorsitzende des Kontrollgremiums.

Die Aktionärsvereinigung DSW beklagte eine „katastrophale Kursentwicklung“, da die Baywa-Papiere im Lauf der vergangenen zwölf Monate nahezu die Hälfte ihres Werts verloren haben. Hauptzielscheibe der Aktionärskritik war aber weniger der amtierende Vorstandschef Pöllinger als vielmehr Lutz, der den Konzern von 2008 bis 2023 gelenkt hatte, bevor er an die Spitze des Aufsichtsrats wechselte.

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