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Zum heutigen Weltblutspendetag - Der Weg des Blutes vom Spender bis zum Empfänger

Ein besonderer Saft

Ingolstadt
erstellt am 13.06.2018 um 21:42 Uhr
aktualisiert am 02.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Heute ist der Weltblutspendetag. Wir haben den Weg des Blutes vom Spender bis zum Empfänger aufgezeichnet. Dabei geht es auch um die Frage, ob man mit Geld mehr Menschen zum Blutspenden bewegen könnte. Denn Blut wird knapp.
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Keine Angst vor dem Pieks: Thomas Zellmeier (links) wurde bereits Blut abgezapft ? für ihn eine Premiere. Christian Sirl ist da routinierter, er hat schon 70-mal gespendet. Ivonne Lorenz übernimmt die medizinische Betreuung.
Keine Angst vor dem Pieks: Thomas Zellmeier (links) wurde bereits Blut abgezapft - für ihn eine Premiere. Christian Sirl ist da routinierter, er hat schon 70-mal gespendet. Ivonne Lorenz übernimmt die medizinische Betreuung.
Foto: Belzer
Ingolstadt
Bayern braucht pro Tag etwa 2000 Blutkonserven für die Versorgung von Unfallopfern, für Menschen, die operiert werden, und für Krebspatienten. Der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BSD), eine gemeinnützige GmbH, stellt sicher, dass in den Kliniken und Arztpraxen der Saft des Lebens nicht ausgeht. Dazu organisiert er pro Jahr rund 4500 Blutspendetermine.

So wie kürzlich in Geisenfeld (Kreis Pfaffenhofen). Viermal pro Jahr kommt das BRK in die Grundschule und stellt medizinisches Personal und Equipment zur Verfügung. Die Ehrenamtlichen des Kreisverbandes kümmern sich um Anmeldung und Verpflegung der Spender. Die meisten hier kennen sich. Wer einmal gespendet hat, kommt in aller Regel wieder. Nach der Blutabgabe sitzen manche noch gemütlich bei Kaffee und Kuchen zusammen und tauschen sich aus. Das Personal ist ein eingespieltes Team - überall wuseln Menschen fleißig umher, schauen nach den Patienten und fragen, ob alles in Ordnung ist. Die Abläufe funktionieren reibungslos.
 
Weltblutspendetag 2018
Spenderquoten in der Region
DK-Grafik
Ingolstadt
Insgesamt kommen pro Jahr in Bayern knapp eine halbe Million Blutspenden zusammen - je 500 Milliliter Blut und drei Röhrchen für die Laboruntersuchung. Doch wohin fließt das Blut nach der Spende? Von Geisenfeld aus bringt ein Kühlfahrzeug die kostbare Fracht bei 21 Grad Celsius in das Produktions- und Logistikzentrum ins unterfränkische Wiesentheid, erklärt BSD-Pressesprecherin Stefanie Sklarzik. Dort wird der wertvolle Rohstoff aus den drei Röhrchen mithilfe von Antikörpern und weiterer Verfahren getestet - etwa auf HIV, Hepathitis A, B und C oder Syphilis. Zur gleichen Zeit werden die Vollblutspenden mittels Filtration oder Zentrifugation in verschiedene Komponenten aufgeteilt: Es entstehen Plasma sowie ein Erythrozyten- und ein Thrombozyten-Konzentrat. Das Plasma ist tiefgefroren drei Jahre haltbar und wird beispielsweise bei Gerinnungsstörungen oder schweren Verbrennungen eingesetzt. Das Thrombozyten-Konzentrat hält sich nur vier Tage und wird bei der Krebstherapie sowie bei Immunerkrankungen verwendet.

Das Erythrozyten-Konzentrat ist 42 Tage haltbar und kommt in die bayerischen Krankenhäuser: Es wird bei Operationen und schweren Verletzungen mit großem Blutverlust gebraucht. Pressesprecherin Stefanie Sklarzik versichert: "Das Blut bleibt in Bayern. Aber in welchem Krankenhaus die Blutspende aus Geisenfeld am Ende landet, können wir nicht sagen." Nach Wiesentheid verläuft sich die Spur des Blutes - auch aus Datenschutzgründen, wie es heißt.
 
Weltblutspendetag 2018
Wofür wird das Blut gespendet?
DK-Grafik
Ingolstadt
Es geht aber kein Tropfen verloren. Da das Blutspende-Aufkommen innerhalb eines Jahres nicht konstant bleibt, heißt es vorausschauend planen. Vor allem in den heißen Sommermonaten, die häufig mit Ferienzeiten zusammenfallen, an Fasching oder zu Pfingsten, aber auch bei Großveranstaltungen - etwa eine Fußball-Weltmeisterschaft - sinkt das Aufkommen.
 
Um die Versorgung mit Blutprodukten dennoch jederzeit sicherstellen zu können, arbeitet der Blutspendedienst des BRK mit einem so genannten Konserven-Puffer, der im Normalfall für bis zu vier Tage ausreicht. Allerdings muss dieser in knappen Zeiten schnellstmöglich wieder aufgefüllt werden, um täglich die benötigte Blutkonservenmenge für die Patienten in den Kliniken zur Verfügung stellen zu können und um auf Katastrophen mit zahlreichen Verletzten vorbereitet zu sein. Der Tagesbedarf von etwa 2000 Blutkonserven hielt sich in Bayern über die letzten Jahre auf annähernd gleichhohem Niveau.

Noch kann der BSD die Versorgung sicherstellen - aber wie lange noch? Absolut stehen aktuell einem Blut-spendepotenzial von 9,2 Millionen Menschen zwischen 18 und 72 Jahren in Bayern rund 250000 aktive Blutspender gegenüber, die durchschnittlich zwei Mal im Jahr zur guten Tat schreiten. "Erfreulich ist, dass diese Anzahl im Vergleich zu den Vorjahren bei einer gleichbleibenden Anzahl an Blutspendeterminen gestiegen ist", heißt es dazu im BSD-Jahresbericht 2017.

Doch der demographische Wandel stellt auch für das Blutspendewesen eine Herausforderung dar. Mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen rechnet der BSD für deren medizinische Versorgung im Alter mit einem Mehrbedarf an Blutkonserven. Zum anderen stünden immer weniger Blutspender zur Verfügung, weil jedes Jahr eine Vielzahl Stammspender die Obergrenze des Spendealters von 72 Jahren überschreitet und ihnen immer weniger junge Menschen nachfolgen. Eine jährliche Erhöhung des Durchschnittsalters ist deutlich erkennbar. So waren Blutspenderinnen 2017 im Durchschnitt 40 Jahre alt und die männlichen Blutspender 43 Jahre. Tendenz, wie auch bereits in den Vorjahren, weiter steigend.

Laut BSD-Statistik lag die durchschnittliche Spendebereitschaft in Bayern im Jahr 2017 bei 5,29 Prozent und damit über dem bundesweiten Durchschnitt von 3,5 Prozent. Bei dieser Quote werden die tatsächlich geleisteten Spenden in Relation zur spendefähigen Bevölkerung gesetzt. Danach lässt sich folgendes Ranking für Bayern ermitteln: Am fleißigsten spenden die Unterfranken (Quote 8,3 Prozent) - am wenigsten die Oberbayern mit 3,1 Prozent.

Immerhin: Bei 61 von 73 bayerischen Kreisverbänden bewegte sich die Spendenquote noch über der bundesweiten durchschnittlichen Spendenquote von 3,5 Prozent. Im Kreisverband Pfaffenhofen, zu dem Geisenfeld gehört, spendeten immerhin 4,88 Prozent.
 
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