Montag, 17. Dezember 2018
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Junglehrer konfrontieren den neuen Kultusminister Michael Piazolo in Ingolstadt mit ihren Problemen

"Sollte der Staat nicht ein Vorbild sein?"

Ingolstadt
erstellt am 07.12.2018 um 21:35 Uhr
aktualisiert am 07.12.2018 um 21:40 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Fehlende Planstellen, Wartelisten und Befristungen: Bei den Junglehrern in Bayern sorgen einige Themen für Unmut. Am Freitag hatten deren Vertreter in Ingolstadt die Möglichkeit, ihre Anliegen Kultusminister Michael Piazolo zu schildern. Der lieferte einige Einblicke, wie seine Arbeit im Ministerium eigentlich abläuft.
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Er will für den Lehrer-Nachwuchs bei den Haushaltsverhandlungen kämpfen: Michael Piazolo.
Er will für den Lehrer-Nachwuchs bei den Haushaltsverhandlungen kämpfen: Michael Piazolo.
Schmidt
Ingolstadt
Wie belastend die aktuelle Einstellungspraxis des Freistaates für den Lehrer-Nachwuchs sein kann, machte Claudia Schmölz klar. "Für mich als junge motivierte Lehrerin ist es schade", sagte sie zu Piazolo, "dass ich gut abgeschnitten habe, aber mit meiner Fächerkombination nur ein Lehrer eingestellt wurde. Seither dümple ich von einem Jahresvertrag zum nächsten. Sollte der Staat nicht ein Vorbild sein und sagen, man investiert in einen Bereich, der uns wichtig ist?"

Die junge Frau ist eine von vielen, die nicht das tun können, für das sie ausgebildet wurden - nämlich am Gymnasium zu unterrichten. Derzeit gibt sie stattdessen Stunden an einer beruflichen Schule. Betroffen sind vor allem Junglehrer für Gymnasium und Realschule. Das ist eines der drängendsten Probleme der Berufsanfänger, deren gut 60 Vertreter auf der Versammlung der Referendar- und Jungphilologenvertretung am Freitag in Ingolstadt zusammenkamen. "Wir haben Lehrermangel aber keine Planstellen. Seit Jahren gibt es Tiefstwerte bei den Einstellungen", sagte der Sprecher der Organisation, Adrian Rauch. "Das kann es einfach nicht sein."

Dementsprechend hoch waren die Erwartungen der Junglehrer am Freitag, welche Pläne der Freie-Wähler-Politiker, selbst erst wenige Wochen im Amt, für sein Ressort hat. Schon vor der Wahl hatte er 5000 Lehrerstellen in den nächsten fünf Jahren angekündigt. "Das ist zunächst nur eine Zahl", sagte er am Freitag, "die wir nun in den Haushalt kriegen müssen." Er wisse noch nicht, was er in den Verhandlungen mit Finanzminister Albert Füracker (CSU) für das nächste Jahr "durchkriege". Jede Zahl, die er jetzt nenne, sei "fahrlässig". Vielleicht sollten die Junglehrer persönlich auf Füracker zugehen, scherzte Piazolo, und die Situation schildern.

Fragen hatten die Junglehrer auch zum Thema Reserve. Das ist auch im Koalitionsvertrag erwähnt - allerdings nicht so, wie es sich der Lehrer-Nachwuchs gewünscht hatte. Der Vertrag spricht nur den Ausbau der mobilen, nicht aber der integrierten Reserve an. Die umfasst Lehrerstunden, die das Staatsministerium den Schulen zusätzlich zuweist, um Ausfälle abzufangen. "Der Koalitionsvertrag ist keine Bibel", beruhigte der neue Kultusminister die Anwesenden. Es gebe Spielraum für vieles mehr.

Doch immer wieder kamen die jungen Lehrer auf die Befristungen ihrer Verträge und die in ihren Augen mangelhafte Einstellungspraxis zurück. Als Reaktion auf die Wortmeldung von Claudia Schmölz betonte Füracker zunächst, dass man derzeit eine Verbeamtungs-Quote von über 90 Prozent im Freistaat habe. Doch man werde versuchen, die Befristungen herunterzufahren - ganz ohne werde es aber nicht gehen. Möglicherweise könne man die Zeiten aber verlängern.

"Es sitzt niemand im Ministerium und freut sich über Befristungen", sprang Ministerialrat Dieter Götzl seinem Chef zur Seite. "Wir sind da dran." Doch er betonte in diesem Zuge auch, dass Volleinstellungen nicht das Ziel sein könnten. Das würde bedeuten, alle ausgebildeten Lehrer in den Staatsdienst zu übernehmen. Man würde schließlich für private und kommunale Schulen mit ausbilden, die auch Nachwuchs brauchen, so Götzl.

Zuletzt meldete sich dann Junglehrer-Sprecher Rauch selbst zu Wort. Sein Anliegen: "Ich möchte die Sensibilität dafür erhöhen, dass die bayerischen Referendare mit 17 Unterrichtsstunden in der Woche nicht mehr wirklich in der Ausbildung sind. Das sind mehr als in allen anderen Bundesländern." Er bat eindringlich darum, die Stunden zu reduzieren, um die Qualität der Ausbildung und damit auch des Unterrichts hochzuhalten. "Dieser Kampf muss geführt werden."

Zur Verabschiedung reichte die Vorsitzende des Junglehrer-Verbandes, Angelika Wildgans, Piazolo noch einen Rotstift mit der Bemerkung, er müsse schließlich sicher mal Finanzminister Füracker korrigieren. Dazu gab es das letzte Exemplar der Broschüre "Keine Planstelle - was nun?". "Ich hoffe, dass wir nicht nachdrucken müssen", sagte Wildgans mit einem Augenzwinkern.

Sophie Schmidt
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