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Erlanger Projekt verbindet drei Unistädte auf dem Wasser - Auf großer Fahrt nach Rumänien

Römische Patrouille auf dem Kanal

Erlangen
erstellt am 14.05.2018 um 13:42 Uhr
aktualisiert am 30.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Erlangen (HK) Ab sofort können sich auch normale Anwohner des Rhein-Main-Donau-Kanals (RMD) wieder vorstellen, wie die Römer vor 2000 Jahren Germanien per Schiff eroberten. Am Samstag ist die offizielle Taufe des Patrouillenboots Fridericiana Alexandrina Navis, kurz FAN, in Erlangen gewesen. Seither ist das 18-Meter-Boot auf dem Kanal unterwegs.
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Doch das von Freiwilligen gebaute Holzboot solle "nicht nur Frankens Wasserstraßen unsicher machen", wie Professor Boris Dreyer (kleines Bild) erklärt, Althistoriker und "Vater" des Schiffs. Zwei Vorbilder hat die FAN: Das "Schiffswrack 1 von Oberstimm" - es steht im Kelten-Römer-Museum Manching. Und die "Victoria" aus Haltern: Dieser Nachbau von "Oberstimm II"" wurde bereits vor zehn Jahren zu Wasser gelassen. Auch an diesem "Schwesterschiff" haben sich Dreyer und seine zahlreichen Bootsbauer orientiert.

Joachim Hornegger, Präsident der Friedrich-Alexander-Uni Erlangen-Nürnberg sprach von einem "Lauf", den seine Bildungsstätte im Jahre 275 ihres Bestehens gerade habe. In diesem Fall meinte er die Schiffstaufe der FAN. Denn ein Stapellauf wie angekündigt war es nicht: Das Schiff lag bereits im Wasser an der Kanallände des Erlanger Wanderrudervereins.

Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) war voll des Lobes über die "Uni, die sich nicht versteckt". Mit dem Boot will die FAU nun in halb Europa Werbung für ihre Heimatstadt machen. Denn laut Dreyer vermag die FAN "Geschichte erlebbar zu machen". Und vom 15. Juli an soll sie das auf dem Wasserweg von Erlangen nach Tulcea am Schwarzen Meer tun.

Das Schiff wird also über den Kanal hinaus schwimmen, die Altmühl und die Donau hinab bis an deren Mündung in Rumänien. Auch Bernd Wessolowski wird auf der Reise an Bord sein. Der 48-Jährige ist gelernter Schreiner, "aber ein Schiff habe ich bislang noch nicht gebaut". Als er Dreyers Plänen erfuhr, habe er sich gemeldet "und vom ersten Tag an mitgemacht", sprich fast jeden Wochentag seit Februar 2017 fünf bis sechs Stunden täglich an der FAN gebaut. Wie die gut ein halbes Dutzend anderen Dauerhelfer auch, Pensionäre genauso wie Studenten. Immer wieder haben aber auch Schulklassen oder andere Freiwillige geholfen.

18 Soldaten, ein Rudergänger und ein Offizier waren die Besatzung von Oberstimm II im Römerreich. Und genauso viele Ruderer haben sich auch am letzten Samstag im Boot in die Riemen gelegt. Dazu hat Boris Dreyer die Ruder bewegt und die Kommandos gegeben: "Iiiieh!" schallte es zuerst bei einigen Rundfahrten vor dem Rudervereins-Gelände vom Schiff; sogar das Segel wurde hier gesetzt. Später startete die Verbindungstour in die beiden Mit-Uni-Städte Fürth und Erlangen. Das aber ohne Mast und Segel, sondern nur mit Hilfe der Muskelkraft der Ruderer.

Nicht nur am Startpunkt, sondern an der ganzen Kanalstrecke bis in die Noris säumten zahlreiche Zuschauer den betonierten Wasserlauf, um die FAN auf ihrer ersten größeren Reise zu sehen. Und von den anderen Fahrzeugen auf dem Kanal, egal ob Zweier-Ruderboot oder Transport-Schubschiff, blickten die Besatzungen sichtlich erstaunt auf die rot gekleideten Ruderer in der Friderica Alexandrina Navis. Denn römische Soldatenkleidung hatten nur ein paar Römer-Schauspieler am Bootssteg an. Die Ruderer wollten sich vor allem auf ihre Technik konzentrieren. Denn gerade auf dem 2000-km-Weg nach Tulcea müssen sie ihre Kraft und Ausdauer optimal einsetzen.

Wessolowski rechnet mit etwa vier Reise-Wochen. Obwohl ausgebildeter Schreiner, war er beim Bau vor allem für die Bemalung der FAN zuständig. Noch eine neue Erfahrung für einen spätberufenen 48-jährigen Theologie-Studenten.
Heinz Wraneschitz
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