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"Wenn einfach nur laufen zu langweilig ist"

Nötting
erstellt am 16.08.2015 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 16.08.2015 um 23:17 Uhr | x gelesen
Nötting (DK) Eine große Hüpfburg voller Schaum. Die Oberfläche ist rutschig, man findet keinen Halt. Eine Handvoll Sportler hat es schon hineingeschafft, doch wie kommt man wieder hinaus? Kreativität und vor allem Teamwork sind gefragt, um das glitschige Hindernis zu überwinden.
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Nötting: "Wenn einfach nur laufen zu langweilig ist"
Gemeinsam stark: Prüfungen wie "Team Tug" erfordern in erster Linie Teamarbeit.
Stefanie Grindinger
Nötting

Die Teilnehmer reichen einander schaumige Hände und bauen flugs Räuberleitern, sodass einer nach dem anderen die Hüpfburg hinunterrutscht. Es ist dieser Teamgeist, der Extremhindernisläufe wie die Xletix Challenge prägt. Am Samstag haben sich 3740 Extremsportler am Wasserskipark in Nötting, nördlich von Geisenfeld (Kreis Pfaffenhofen), eingefunden, um die eigenen Grenzen auszutesten.

Je nach Streckenwahl gilt es, auf einer Distanz zwischen sechs und 18 Kilometern bis zu 30 Hindernisse zu überwinden. Mit so viel versprechenden Namen wie „Table of Tears“, „Muddy Maniacs“ oder „Insane Ilm“. Die Teilnehmer müssen sich rücklings unter Gittern im Schlamm hindurchziehen, drei Meter hohe Holzwände hinaufklettern oder durch Eiswasser tauchen. Ausdauer, Kraft, Mut und Willensstärke sind nötig, um diese Strapazen zu meistern. Am Ende sind alle erschöpft, durchnässt, schmutzig – und stolz.

Da mögen sich Außenstehende fragen, warum man sich das freiwillig antut. „Extremhindernisläufe sprechen alle an, denen nur laufen zu langweilig ist“, meint Jannis Bandorski, Geschäftsführer des Berliner Veranstalters Xletix GmbH. Und tatsächlich: Die Teilnehmer, die sich im Ziel mit verdreckten Gesichtern ihr Belohnungs-Bier abholen, haben sichtlich Spaß an der Sache. Wie das vierköpfige Team aus München, das um die Mittagszeit mit qualmenden Sieger-Zigarren im Mundwinkel einläuft. „Wir sind absolut begeistert und hatten riesig Spaß“, sagt Stefan Sachs, der übrigens wie seine Teammitglieder stilecht in Anzug und Krawatte angetreten ist. Auch rosafarbene Rüschenröckchen, Katzenohren oder eigens bedruckte T-Shirts dienen als Merkmal der Zusammengehörigkeit. „Über 96 Prozent treten als Team an“, so Organisator Jannis Bandorski. Wer doch alleine antritt, wird auf der Strecke bereitwillig mitgenommen. Konkurrenzgedanken, wie sie bei Ausdauerläufen durchaus vorkommen, sind hier nicht spürbar.
 

Viele Frauen suchen den Kick

 

Dabei kommt es weder auf Alter noch Geschlecht an. Erstaunlich viele Frauen suchen den ultimativen Kick und scheuen sich nicht vor Dreck. Zu den jüngsten Teilnehmerinnen zählt Alexandra Hartmann aus München, die den Parcours mit vier Freundinnen absolviert. Die 16-Jährige spielt normalerweise Eishockey und will „einfach mal was Neues ausprobieren“. Der Älteste, der seinen inneren Schweinehund herausfordert, ist laut Veranstalterangaben 68 Jahre alt.

Die Schielein-Weiher überzeugen den Veranstalter aufgrund der „der guten Infrastruktur und des vielen Wassers“. Angesichts des Abenteuerfaktors von Sprungschanze, Kletterwand & Co. mag man kaum glauben, dass das Verletzungsrisiko nur bei 0,37 Prozent liegt. „Fuß- und Knieverletzungen kommen schon mal vor und pro Veranstaltung durchschnittlich zwei ausgekugelte Schultern“, sagt Jannis Bandorski. Was Zwischenfälle anbelangt, ist am Nöttinger Wasserskipark alles mustergültig. Laut BRK-Einsatzleiter Lorenz Schiller müssen Patienten mit Bienenstichen, Holzschiefern und Schnittverletzungen behandelt werden – mehr nicht.

Seit Jahren in England und den USA verbreitet, werden die Matschläufe auch in Deutschland immer populärer. Die Mutter aller Extremhindernisläufe ist das Tough-Guy-Rennen, das 1986 erstmals im englischen Wolverhampton stattfand. „In den USA machen mehr Leute Hindernislauf als Marathon. Diese Welle schwappt gerade nach Deutschland über“, beobachtet Jannis Bandorski. Er plant heuer bundesweit acht Läufe mit insgesamt 35 000 erwarteten Teilnehmern. Doppelt so viele wie noch 2014.
 

Donaukurier
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