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„Was muss nach der Wahl besser werden?“

Ingolstadt
erstellt am 12.10.2018 um 19:17 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 19:35 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) An diesem Sonntag wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Stimmberechtigt sind etwa 9,5 Millionen Menschen. Wir haben Bürger aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitung gefragt, was sie sich von der neuen Regierung erhoffen.
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Die Rentnerin

Bärbel Struck (80) aus Pfaffenhofen
Brenner
Ingolstadt
Bärbel Struck (80) aus Pfaffenhofen: Mir liegt besonders die Situation in der Pflege am Herzen. Auch, weil ich selbst 14 Jahre lang in dem Bereich gearbeitet habe und weiß, was die Probleme sind. Es wird viel von Geld gesprochen, aber es geht auch um Anerkennung und strukturelle Änderungen. Zum Beispiel muss die Politik dafür sorgen, dass die Pflegekräfte wieder mehr Zeit pro Patient bekommen. Es darf nicht nur darum gehen, dass die Bewohner von Altenheimen satt und sauber sind, denn vor allem der persönliche Kontakt ist wichtig. Um das richtig einschätzen zu können, sollten die Politiker sich unbedingt persönlich vor Ort ein Bild machen. Und zwar am besten sieben Tage am Stück. Sie sollen nicht über ein Thema reden, sondern sich auch mit der Situation befassen, die Abläufe kennenlernen. Dann würden sie bestimmt in Zukunft klügere Entscheidungen treffen.
 

Die Geschäftsfrau

Bärbel Struck (80) aus Pfaffenhofen
Viertbauer
Ingolstadt
Claudia Stadlmayr (56) aus Neuburg: Ich hoffe, dass die neue Regierung ihre Prioritäten anders und besser setzt. Die Politiker wissen von den Problemen und noch ist nicht zu spät zu handeln. Bestimmte Punkte liegen mir besonders am Herzen: In Zukunft ist es wichtig, dass die Infrastruktur ausgebaut wird, am besten auf eine ökologische Art und Weise. Außerdem sollte der Mittelstand mehr gefördert werden – ich wünsche mir zum Beispiel, dass die Leistungen, die Familienunternehmen bringen, auch honoriert werden. Außerdem fällt mir immer mehr auf, dass Kleinunternehmen durch bestimmte Verordnungen stark gehemmt werden – ist das wirklich nötig? Meiner Meinung nach sind das Probleme, die aber behoben werden können. Auch eine Koalition kann sich zusammenreißen, Chancen nutzen und gemeinsam eine Lösung finden. Es ist an der Zeit zu handeln und nicht nur zu reden!
 

Die Einwanderin

Irawati Sulamet (69) aus Hollenbach
Ostermayer
Ingolstadt
Irawati Sulamet (69) aus Hollenbach: Nach der Landtagswahl sollte sich unbedingt die Situation für Hebammen, Lehrer und unser Pflegepersonal verbessern. Die Politik muss Anreize schaffen, um diese Jobs attraktiver zu machen. Die Bezahlung in diesen Berufen muss deutlich besser werden. Und warum sollten Hebammen ihre Versicherung selbst bezahlen? Wo gibt es so etwas? Das ist doch ein Unding und sollte dringend geändert werden. Die Lage an den Schulen ist ebenfalls nicht gut. Es mangelt an Lehrern und das ist nicht in Ordnung. Gerade an den Grundschulen, wo der Grundstock der schulischen Bildung gelegt wird, fehlt es an Pädagogen. Das darf nicht sein. Auch im Pflegebereich gibt es viel Verbesserungspotential. Auch diese Menschen, die einen wichtigen Job machen, verdienen zu wenig. In diese Bereiche muss meiner Meinung nach viel mehr Geld gesteckt werden.
 

Die Naturschützerin

Carolin Birkl (38), Initiatorin der Aktion „Beilngries summt“
Rieger
Ingolstadt
Carolin Birkl (38), Initiatorin der Aktion „Beilngries summt“: Ich wünsche mir, dass in der Gesellschaft und auch speziell in der Politik wieder der Respekt vor der Natur wächst. Es gibt viele Beispiele dafür, was in dieser Hinsicht besser werden müsste. Unter anderem müsste es eine bessere Regulierung hinsichtlich Pestiziden − Stichwort Glyphosat − geben. Völlig unverständlich ist auch die gesellschaftliche Entwicklung, künstliche Verpackungen um Obst oder Gemüse zu machen, das sowieso schon eine Schale hat, wie beispielsweise Gurken oder Kokosnüsse. Auch hierbei würde ich mir entsprechende politische Vorgaben wünschen. Und speziell auf mein Engagement für die Bienen bezogen müsste es die Politik erleichtern, dass wir als Naturschützer und die Landwirte zusammenarbeiten können. Es ist eine bedeutende Aufgabe unserer Gesellschaft, Bienen und ganz allgemein Insekten zu schützen.
 

Die Erstwählerin

Antonia Rehm (18),Gymnasiastin  aus Ingolstadt
Hausmann
Ingolstadt
Antonia Rehm (18),Gymnasiastin aus Ingolstadt: Ich finde, dass die Politik anfangen sollte, mehr Startup-Unternehmen, die sich mit nachhaltigen Ressourcen beschäftigen oder danach forschen, zu unterstützen. Es sollte seitens der Politik Verbote bezüglich Plastik geben – Wir sind an einem Punkt, an dem wir keine Zeit für Kompromisse haben! Man müsste grundsätzlich in Zukunft einfach mehr agieren statt reagieren: In der Flüchtlingspolitik hätte man sich viel früher um ein Einwanderungsgesetz kümmern müssen. So etwas muss einfach im Voraus geschehen. Man muss etwas gegen Fluchtursachen unternehmen, wie zum Beispiel den Waffenexport stoppen. Ein wichtiger Punkt ist auch die Gleichberechtigung. Im 21. Jahrhundert kann es einfach nicht sein, dass Frauen teilweise immer noch ein geringeres Einkommen bekommen wie Männer, für dieselbe Arbeit.
 

Der Pfarrer

Reinhard Kürzinger (62), Katholischer Geistlicher und  Domvikar aus Eichstätt
Pilgerbüro
Ingolstadt
Reinhard Kürzinger (62), Katholischer Geistlicher und  Domvikar aus Eichstätt: Ich wünsche mir nach dieser Landtagswahl wieder mehr Begeisterung für die politische Auseinandersetzung und für persönliches Engagement in gesellschaftlichen Fragen. Das ist ja in der Kirche nicht anders. „Auftreten statt austreten“ könnte die Parole lauten – in der Kirche wie auch in der Gesellschaft. Ich wünsche mir darüber hinaus auch ein gelingendes Miteinander und kein ausgrenzendes Gegeneinander. Jeder sollte in seinem Bereich für einen guten Geist sorgen. Schon der Heilige Ignatius spricht von der Unterscheidung der Geister. Es geht darum, keine Ängste zu schüren, sondern stattdessen Perspektiven aufzuzeigen. Es geht darum ernst zu nehmen, was den Menschen auf der Seele brennt.
 

Die Lehrerin

Ulrike Schmucker (46), Konrektorin der Grundschule Mühlried
De Pascale
Ingolstadt
Ulrike Schmucker (46), Konrektorin der Grundschule Mühlried: Die Klassenstärken in den Grundschulen müssen geringer werden. Ich habe derzeit eine Klasse mit 27 Erstklässlern, meine Kollegin hat eine erste Klasse mit 26 Schülern. Der Teiler für die Bemessung der Klassenstärken muss einfach herabgesetzt werden. Darauf ist auch unser Neubau hier in Mühlried ausgelegt, der aber durch die hohen Klassenstärke jetzt schon wieder viel zu eng ist. Eine große Hilfe wäre es aber auch schon, wenn ich noch eine zusätzliche pädagogische Kraft in der Klasse hätte oder die Schulen auch psychologische Fachkräfte zur Unterstützung bekämen. Da könnte man sich in Bayern mal ein Beispiel an den nordischen Ländern in Europa nehmen. Ich gehe am Sonntag wählen, weil es ganz, ganz wichtig ist, auf diese Weise meine Meinung kundzutun.
 

Der Landwirt

Manfred Gilch (47) Landwirt  aus dem Hilpoltsteiner Ortsteil Pierheim
Gilch
Ingolstadt
Manfred Gilch (47) Landwirt aus dem Hilpoltsteiner Ortsteil Pierheim: Ich wünsche mir künftig eine Landwirtschaftspolitik, bei der die Interessen der Bauern und Verbraucher vor denen der profitorientierten Ernährungs- und Handelskonzerne kommen. Dazu gehört, in Krisenzeiten die Möglichkeit zu schaffen, Überschüsse erst gar nicht erst zu produzieren, sie dann einzulagernund sie später zu Dumpingpreisen weltweit zu verschleudern. Auch erwarte ich, dass das von Bundesentwicklungsminister Gerhard Müller formulierte Ziel, weg von der freien Marktwirtschaft hin zu fairen globalen Marktbedingungen, unterstützt wird. Eine Schlüsselrolle bei diesen notwendigen politischen Veränderungen kommt hier auf unsere bayerische Politik zu, da Bayern nicht nur stärkstes Agrarland, sondern auch als Milchland Nummer eins in Deutschland und sogar ganz Europa gilt.

 
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