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Nächsten Sonntag entscheiden die Bürger mit zwei Kreuzchen, wer in den neuen Landtag einziehen soll

So wird gewählt

Ingolstadt
erstellt am 07.10.2018 um 21:50 Uhr
aktualisiert am 23.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Nun ist nicht mehr lange hin: Am nächsten Sonntag wird der neue Landtag gewählt. Wer ins Münchner Maximilianeum einziehen darf, entscheiden die Bürger in Bayern - stimmberechtigt sind etwa 9,5 Millionen Menschen. Doch wie genau funktioniert das mit den Stimmzetteln und Kreuzchen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
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So sehen die Stimmzettel aus: Mit den weißen wird der Landtag gewählt und mit den blauen der Bezirkstag.
So sehen die Stimmzettel aus: Mit den weißen wird der Landtag gewählt und mit den blauen der Bezirkstag.
Hildenbrand/dpa
Ingolstadt
Was muss ich zur Wahl mitbringen?

Ins Wahllokal müssen die Bürger ihren Personalausweis, Reisepass oder Führerschein sowie die Wahlbenachrichtigung mitnehmen. Wer diese verlegt hat, darf trotzdem wählen, wenn er sich ausweisen kann und - das ist Voraussetzung - im Wählerverzeichnis eingetragen ist.

Wie viele Kreuze muss ich machen?

Jeder Bürger hat zwei Stimmen. Parallel zur Landtagswahl findet aber auch die Bezirkstagswahl statt (siehe grauer Kasten). Das heißt, letztendlich macht man am Sonntag vier Kreuzchen.

Wofür ist die Erststimme bei der Landtagswahl?

Im Freistaat gibt es 91 Stimmkreise - mit der Erststimme ist gesichert, dass jede bayerische Region im Landtag vertreten ist. Auf einem kleinen weißen Zettel wählt man einen Direktkandidaten aus dem eigenen Stimmkreis aus. Sieger ist am Ende, wer die meisten Stimmen bekommt. Damit dieser Sieger in den Landtag einziehen kann, muss seine Partei jedoch landesweit mindestens fünf Prozent aller gültigen Stimmen erhalten, sprich, die Fünf-Prozent-Hürde schaffen.

Wofür ist die Zweitstimme bei der Landtagswahl?

Mit der Zweitstimme wählt man auf einem großen weißen Zettel eine Partei - und gleichzeitig auch einen Kandidaten der Parteiliste. Denn diese zweite Stimme ist, anders als bei der Bundestagswahl, personenbezogen: Man kann einen Kandidaten auswählen, egal, auf welchem Listenplatz er steht, und damit dessen Chance auf den Einzug in den Landtag erhöhen. Die Wähler können somit die von den Parteien festgelegte Verteilung der Kandidaten auf den Listen noch verändern.

Kreuzt ein Wähler statt eines bestimmten Bewerbers lediglich die Partei an, so wird der Stimmzettel übrigens nicht ungültig: Diese Stimme wird dann einfach der betreffenden Partei bei der Sitzeverteilung zugerechnet. Die Reihenfolge innerhalb der Liste wird dadurch nicht beeinflusst.

Was ist der Unterschied zur Bundestagswahl?

Bei der Bundestagswahl entscheidet allein die Zweitstimme über die Sitzverteilung im Parlament. Bei der Landtagswahl hingegen werden Erst- und Zweitstimmen zusammengezählt und dann in Mandate umgerechnet. Das heißt, auch die Erststimme entscheidet maßgeblich über die Sitzverteilung.

Wann ist ein Stimmzettel ungültig?

Der Wille des Wählers muss eindeutig zu erkennen sein. Wenn etwa auf einem Stimmzettel mehrere Parteien oder Kandidaten angekreuzt sind, obwohl nur eine Stimme zu vergeben ist, wird er ungültig. Auch Beschimpfungen oder sonstige Kommentare auf dem Stimmzettel sind nicht erlaubt. Eine Unterschrift macht ihn ebenfalls ungültig. Wer sich versehentlich verwählt, kann sich einen neuen Zettel geben lassen. Der alte wird unter Aufsicht zerrissen.

Darf man zur Unterstützung jemanden in die Wahlkabine mitnehmen?

Nein. In Ausnahmefällen ist es jedoch möglich, zum Beispiel, wenn ältere Menschen den Stimmzettel nicht richtig lesen können und Unterstützung benötigen. Im Klartext: Hilfe ist erlaubt, Beratung aber nicht. Man muss sich außerdem zuvor die Erlaubnis vom Wahlvorstand holen, bevor man zu Zweit in der Wahlkabine verschwindet. Gleiches gilt für Eltern, die ihre kleinen Kinder mitnehmen möchten. 
 

Stimmen für Bezirkswahlen

Die Bezirke sind eine kommunale Ebene in Bayern. Die Bezirkswahlen finden alle fünf Jahre mit der Landtagswahl statt. Im Wesentlichen gelten für die Wahl der sieben Bezirkstage dieselben Regeln wie für die Landtagswahl. Im Gegensatz dazu gibt es aber keine Fünf-Prozent-Hürde. Daher sind die Regionalparlamente bunter zusammengesetzt als das Maximilianeum. Der Bayerische Bezirketag – die Dachorganisation der sieben Bezirkstage – vertritt ihre Interessen gegenüber der Staatsregierung.
Die Wähler erhalten für die Bezirkswahl zwei blaue  Stimmzettel. Wie bei der Landtagswahl wird mit der Erststimme  für den jeweiligen Stimmkreis ein Direktkandidat gewählt. Wer die meisten Stimmen hat, kommt per Direktmandat in den Bezirkstag. Auf dem Stimmzettel für die Zweitstimme gibt jede Partei eine Liste ihrer Kandidaten an. Die Wähler haben die Möglichkeit, dort für einen bestimmten Kandidaten einer Partei oder pauschal für eine Partei zu stimmen. Erst- und Zweitstimmen werden zusammengezählt. Die Summe bildet die Grundlage der Sitzverteilung im jeweiligen Bezirkstag. Das Gremium wählt – wie der Landtag –  bei seiner konstituierenden Sitzung aus seiner Mitte einen Präsidenten.
Die Bezirke und ihre Parlamente werden  übrigens oft mit den sieben Bezirksregierungen verwechselt. Dabei sind das zwei Paar Stiefel: Letztere setzen die Politik der Staatsregierung und ihrer Ministerien in den Regionen um.  An der Spitze jeder Bezirksregierung steht ein von der Staatsregierung ernannter Regierungspräsident. (dpa)
 
Silvia Obster
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