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Mehr Polizisten in Bayern angegriffen: 14 Tötungsversuche

Nürnberg
erstellt am 13.07.2018 um 12:41 Uhr
aktualisiert am 28.07.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Beleidigungen, Körperverletzungen und versuchte Tötungen: Immer mehr Polizisten in Bayern werden selbst angegriffen. Innenminister Herrmann nennt dies „inakzeptabel“.
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Eine bayerische Polizistin in Uniform
Eine bayerische Polizistin in Uniform.
Simon Ribnitzky/Archiv
Nürnberg

Mehr Polizisten in Bayern sind im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt geworden als im Vorjahr. Die Zahl der Fälle ging dagegen leicht zurück, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in Nürnberg sagte. 2017 wurden im Freistaat mehr als 16 500 Beamte körperlich oder verbal angegriffen - das waren 80 Betroffene mehr als 2016. Landesweit wurden mehr als 7300 Fälle gezählt - knapp 90 weniger als im Vorjahr. Die Zahlen blieben damit dennoch auf „bedenklich hohem Niveau“, sagte Herrmann.

„Besonders erschreckend ist, dass 2017 14 versuchte Tötungsdelikte erfasst wurden“, sagte Herrmann. Ihm bereite die Entwicklung große Sorgen. „Ein solches Ausmaß an Hass und Gewalt gegen unsere Einsatzkräfte ist absolut inakzeptabel.“ Der Angriff auf eine 26 Jahre alte Beamtin im Juni 2017 am S-Bahnhof in Unterföhring bei München zeige, welch „erschreckende Dimension“ die Gewalt gegen Polizisten erreicht habe. Ein psychisch kranker 38-Jähriger hatte damals einem Polizisten die Dienstwaffe entrissen und dessen Kollegin damit in den Kopf geschossen.

Mitte Januar 2018 seien in Regensburg, Amberg und Schwandorf an nur einem Wochenende „etliche Polizeibeamte brutal angegriffen und verletzt worden“, sagte Herrmann. Zwei von ihnen mussten ins Krankenhaus. Der Regensburger Polizist Ferdinand Prösl berichtete von einem Angriff im August 2017: Ein Dieb habe sich damals heftig gegen seine Festnahme gewehrt, auf Prösl und dessen Kollegen eingeschlagen. „Dann hat er mit den Füßen auf uns eingetreten. Mich traf er im Gesicht“, erzählte der 32-Jährige. Er habe Prellungen im Gesicht und am Handgelenk davon getragen sowie Rückenprobleme.

Der mittelfränkische Polizeipräsident Roman Fertinger ergänzte, die Situation eskaliere oft „aus dem Stand“. Die Kollegen, die gerufen würden, um einen Konflikt zu klären, hätten es mit „Gewalttätern zu tun, die sich eruptionsartig an den Einsatzkräften ausleben“.

Mehr als drei Viertel der etwa 6100 registrierten Verdächtigen waren schon zuvor polizeibekannt. Mehr als zwei Drittel hatten vor der Tat Alkohol oder Drogen konsumiert. Knapp 4400 der Verdächtigen waren Deutsche. Der Anteil der ausländischen Beschuldigten stieg leicht auf rund 28 Prozent. Hier spiele ein steigender Anteil von Zuwanderern eine Rolle, sagte Herrmann - also Asylbewerber, Geduldete, Flüchtlinge.

90 Prozent der Fälle waren einfache Körperverletzungen, Widerstandshandlungen und Beleidigungen. In 24 Fällen nutzten die Angreifer eine Schusswaffe. Mehr als 2300 Beamte wurden verletzt, was bayernweit zu mehr als 3100 Ausfalltagen führte. Polizisten des Wach- und Streifendienstes wurden am häufigsten angegriffen - meist in der Nacht und an Wochenenden sowie in den größeren Städten.

Die Ausrüstung der Beamten müsse weiter verbessert werden, betonte Herrmann. Bis Ende des Jahres sollen die Einsatzeinheiten neue Schlagschutzhelme bekommen. Demnächst beginne zudem ein einjähriger Pilotversuch mit Elektroschockpistolen bei den 13 Unterstützungskommandos bei der Bereitschaftspolizei und bei den Polizeipräsidien in München und Mittelfranken. Seit 2006 werden die sogenannten Taser bereits bei den Spezialeinsatzkommandos eingesetzt.

Und vom nächsten Jahr an würden stufenweise und flächendeckend „Bodycams“ im uniformierten Streifendienst eingeführt. Allein in diesem Jahr würden mehr als 500 Millionen Euro in den Sach- und Bauhaushalt der bayerischen Polizei investiert, sagte Herrmann.

dpa
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