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"Die Mutti ist heute Nacht entschlafen"

Günzlhofen
erstellt am 16.01.2015 um 21:04 Uhr
aktualisiert am 16.01.2015 um 21:18 Uhr | x gelesen
Günzlhofen (DK) Im Alter von 95 Jahren ist Gertraud Well, die Mutter von 15 Musiker-Kindern, gestorben. „Die Mutti ist heute Nacht entschlafen“, sagte ihr Sohn Christoph Well am Freitag in München.
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Günzlhofen (DK: "Die Mutti ist heute Nacht entschlafen"
Die Zither war ihr Instrument. Nun ist Gertrud Well im Alter von 95 Jahren gestorben - Foto: Boos
Günzlhofen

Die am 19. November 1919 geborene Gertraud Well trat bis zuletzt regelmäßig mit ihren Kindern auf. Ruhig, klein und bescheiden saß sie oft bei den Wellküren, der Biermösl Blosn oder den anderen Musikformationen aus der Großfamilie auf der Bühne, hinten an der Zither, der in sich ruhende Pol dieser manchmal auch ziemlich verrückten Auftritte: Gertraud Well, von den Kindern nur „Mutti“ genannt. Nun ist sie in ihrem Wohnort Günzlhofen bei Fürstenfeldbruck gestorben.

Die Besucher der Konzerte beeindruckte sie mit ihrer Frische, ihrer Lebenskraft, ihrer Agilität. Auch mit über 90 Jahren spielte sie noch auf der Bühne, der letzte gemeinsame Auftritt mit der Familie beim Adventssingen in Herrgottsruh bei Friedberg liegt erst wenige Wochen zurück.

Sie gab Volkshochschulkurse, erzählte in Schulen von früher und hielt die Familie zusammen. Alleine das eine Mammutaufgabe: 15 Kindern schenkte die zierliche Frau das Leben, dazu kommt eine mittlerweile unüberschaubare Menge an Enkeln und Urenkeln – eine unvergleichliche Musikerdynastie, in ganz Deutschland bekannt als Repräsentanten eines volkstümlichen, aber auch ganz anderen Bayern.

Das Talent hätten die Kinder vom Vater, dem schon vor längerer Zeit gestorbenen Hermann Well, sagte Gertraud Well stets bescheiden. Wer sie mit den Kindern auf den großen Bühnen musizieren gehört hat, weiß, dass das schwer untertrieben war.

Gertraud Well wurde am 19. November 1919 in Schiltberg (heute Landkreis Aichach-Friedberg) geboren, als Tochter von Lorenz Effinger, dem örtlichen Bader. Sielenbach, Ebenried und Willprechtszell gehörten zu den Orten im Aichacher Land, in denen sie lebte. Später zog sie mit ihrem Mann Hermann, einem Lehrer, nach Günzlhofen, wo er Schulrektor wurde.

Bei ihrem 90. Geburtstag sagte Gertrud Well, sie blicke zurück auf ein „Leben voller Arbeit“, aber auch auf ein zufriedenes, erfülltes Leben. Im Jahr 2006 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihren Einsatz bei der Pflege der Volksmusik und Volkskultur. Geprägt hat das Leben Gertraud Wells aber auch das Gottvertrauen: „Gott hat alles recht gemacht“, zitierte sie gerne das bekannte Kirchenlied. „Die Mutti ist heute Nacht entschlafen“, sagte ihr Sohn Christoph Well am Freitag in München, und man darf wohl aus jenem Kirchenlied die Zeile anfügen: „Alles muss werden, wenn kommet die Zeit . . .“

Von Berndt Herrmann
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