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Raketenpionier Wernher von Braun nach langer Diskussion nicht mehr Namenspate – wegen seiner Nähe zum NS-Regime

Friedberger Gymnasium legt umstrittenen Namen ab

Friedberg
erstellt am 17.12.2013 um 19:13 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 13:23 Uhr | x gelesen
Friedberg (DK) Nach einem Beitrag im ARD-Magazin „Kontraste“ hat sich die Leitung des Wernher-von-Braun-Gymnasiums in Friedberg entschlossen, den umstrittenen Namen aufzugeben. Lange hatte sich die Schule gegen diesen Schritt gesträubt.
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Im Laufe dieses Jahres hat sie sich dann den Willensbekundungen des Kreistags und der bayerischen Landesregierung gebeugt und einen „Leitbildprozess“ eingeläutet, in dessen Verlauf der Name noch einmal auf den Prüfstand sollte. „Diesem Leitbildprozess wurde in der bundesweiten Berichterstattung durch das ARD-Magazin ,Kontraste’ trotz entsprechender Kenntnis des Redaktionsteams keine Bedeutung beigemessen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Vielmehr sei der Eindruck entstanden, dass sich die Einrichtung mit dem problematischen Schulnamen gar nicht befassen würde. „Dabei wurde insbesondere unsere Schülerschaft bundesweit in ein dermaßen schiefes Licht gerückt, dass wir uns nun zu sofortigem Handeln gezwungen sehen.“

In der Tat weckt der Beitrag den Eindruck, dass das Problembewusstsein hinsichtlich Wernher von Brauns als Raketenforscher, dessen V 2-Rakete im Konzentrationslager Mittelbau-Dora produziert wurde, bei den Schülern wenig ausgeprägt ist. Zwar seien dabei Menschen gestorben, sagt einer der Jugendlichen, aber schließlich „sterben für viele Sachen Leute“. Ein Lehrer erklärt, die Rücksichtslosigkeit, mit der von Braun seine wissenschaftlichen Interessen durchgesetzt habe, sei nötig gewesen. „Denn die andere Seite ist, er war Jahrzehnte an einem Thema dran, bis es geklappt hat. Wenn das heute kein Vorbild für unsere Schüler sein könnte – ich finde schon.“

Umgekehrt hat die Schule recht: Von der internen Diskussion um den Namenspatron und dem vor zwei Jahren durchgeführten Symposium zum 100. Todestag des Wissenschaftlers war im Fernsehbeitrag nicht die Rede. Die Linie des Gymnasiums war bislang, dass es seinen Namen behalten will, weil das dazu diene, die kritische Auseinandersetzung weiterzubetreiben. Mehrheiten dafür hat es in Eltern- und Schülerbefragungen gegeben.

Unter dem zunehmenden öffentlichen Druck hat der Kreistag im März jedoch einen Beschluss gefasst, wonach der Name für eine Schule nicht mehr tragbar sei. Allerdings liegt die Entscheidung über einen Schulnamen beim Kultusministerium. Das bot der Schule an, sie bei der Diskussion zu „begleiten“, um ihr keine ungeliebte Entscheidung von oben zu verordnen.

Für viele Beobachter und vor allem für Betroffene ist die Haltung der Friedberger Schule nach wie vor unverständlich. Jetzt hat sich der KZ-Überlebende Max Mannheimer an Kultusminister Ludwig Spaenle gewandt und bekräftigt, wie unerträglich es sei, dass eine Schule diesen Namen trage.

Nun geht es schnell: Noch in dieser Woche oder spätestens in der Woche nach den Weihnachtsferien soll die Entscheidung in Friedberg offiziell fallen.

Von Carina Lautenbacher
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