Samstag, 19. Januar 2019
Lade Login-Box.

Die Münchner Lachtrainerin Cornelia Leisch über Lebenskrisen, gute Laune und Bauchmuskeln

"Ein Lachen wird weltweit verstanden"

München
erstellt am 04.05.2018 um 20:53 Uhr
aktualisiert am 22.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
München (DK) An diesem Sonntag ist Weltlachtag. Lachen gehört zum täglichen Leben dazu – für manche Menschen sogar aus beruflichen Gründen. Cornelia Leisch (kl. Foto) aus München ist Lachtrainerin und Humor-Coach. Die 57-Jährige suchte in einer schwierigen Lebensphase eine Möglichkeit, ihre Laune zu verbessern – und landete beim bewussten Lachen. Im Interview erzählt sie, was ein herzhaftes Lachen für unseren Körper bedeutet und warum auch sie nicht jeden zum Schmunzeln bringen kann.
Textgröße
Drucken


Frau Leisch, welche Bedeutung hat für Sie der Weltlachtag?

Cornelia Leisch: Es ist nicht weniger als eine große Vision, die der indische Arzt Madan Kataria hatte. Er will mit Lachen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten. Wer gemeinsam lacht, der kann nicht miteinander streiten. Und da hat er in meinen Augen Recht, denn Lachen funktioniert über alle Sprachen und Religionen hinweg - und allen geht es gut dabei. Lachen verbindet und wird weltweit verstanden. Diese Botschaft wird durch den Weltlachtag hoffentlich verbreitet.

Mit was kann man Sie zum Lachen bringen?

Leisch: (lacht) Das kann ich gar nicht so einfach beantworten, da ich als Lachtrainerin einfach lachen kann, weil ich es möchte.

Sie brauchen also kein lustiges Buch oder eine Kinokomödie? Wenn Sie lachen möchten, sprudelt es aus Ihnen heraus?

Leisch: Lachen ist eine Entscheidung. Und es beginnt schon mit kleinen Dingen: Wenn ich mal schlechte Laune habe, stelle ich mich einfach vor den Spiegel und lächle. Schon das hebt die eigene Laune spürbar an. Aber natürlich lache ich lauthals los, wenn ich ein lustiges Buch lese oder einen guten Witz erzählt bekomme. Das ist doch vollkommen klar. Aber wann und über was ich lache hat sich verändert, seit ich mich professionell mit Lachen beschäftige.

Muss man lachen erst lernen, um es richtig zu können?

Leisch: Nein. Lachen ist jedem angeboren. Es gibt Menschen, die mehr lachen als andere. Aber herzhaft lachen kann im Grunde jeder Mensch. Um absichtsvoll, also aus eigenem Antrieb lachen zu können, muss man ein wenig seine eigenen Grenzen überschreiten. Wir denken einfach zu oft, wir müssten über etwas lachen. Aber diesen äußeren Anlass brauchen wir nicht. Denken Sie beispielsweise an Kinder - auch die lachen oftmals einfach um des Lachens Willen.

Haben Sie in Ihrer Laufbahn jemanden kennengelernt, der einfach nicht frei lachen konnte?

Leisch: Sehen Sie, zu mir kommen meistens Menschen, die lachen wollen. Natürlich muss eine gewisse innere Bereitschaft da sein. Für manche Menschen ist lachen schwer, da sie sich in einer Lebenskrise befinden oder einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen. Doch wenn die innere Bereitschaft zur Fröhlichkeit da ist, wird das Lachen zurückkommen. Auf der anderen Seite kann man niemanden zum Lachen bringen, der partout nicht will. Das ist aber auch nicht mein Ansatz. Ich gehe nicht durch die Straßen und schaue, wer etwas grimmig dreinschaut und den lach' ich dann an, bis er auch lachen muss (lacht). Das ist auch nicht in Ordnung. Jeder hat ein Recht auf schlechte Laune.

Sie sprachen davon, dass Menschen in Lebenskrisen zu Ihnen kommen: Kann Lachen aus Ihrer Sicht als eine Art Therapie angesehen werden?

Leisch: Therapie ist vielleicht nicht der ganz richtige Begriff. Aber lachen wirkt tatsächlich körpertherapeutisch, da sich neue Energien aufbauen. Es löst freundliche Gefühle in uns aus. Lächeln, den Kopf hochnehmen, einfach laut lachen - das alles macht etwas mit uns.

Was genau? Warum ist lachen für uns so gesund und wichtig?

Leisch: Da gibt es inzwischen eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Studien. Es wirkt sich unter anderem positiv auf das Immunsystem aus, weil Stresshormone abgebaut werden. Zudem wurde ein Vergleich im Fitness-Studio gemacht: Wer heftig und herzhaft lacht, beansprucht seine Bauchmuskeln mindestens ebenso stark wie beim Gerätetraining. Allein das ist doch schon ein Grund, wieder öfter zu lachen.

Die Welt ist schneller und anstrengender geworden - das wird kaum jemand bestreiten. Wird vor diesem Hintergrund zu wenig bewusst gelacht?

Leisch: Auf jeden Fall. Laut Untersuchungen wurde vor 40 Jahren noch rund 20 Minuten am Tag gelacht und heute sind es gerade noch 5 Minuten - wenn überhaupt. Es gibt Menschen, die lachen noch weniger.

Macht Sie das traurig?

Leisch: Ich finde es wichtig, Dinge zu finden, die mich erfreuen. Wir werden mit so vielen schlechten Nachrichten überschüttet. Umso wichtiger sind Momente, in denen ich einfach lache und bewusst fröhlich bin. Denn wir sind es gewohnt, uns von schlechter Laune anstecken zu lassen. Warum sich nicht mal von einer Gruppe lachender Menschen mitreißen lassen?

Und bei welchen Gelegenheiten vergeht Ihnen das Lachen?

Leisch: Wenn ich Berichte über Krieg oder Kindesmissbrauch sehe. Es ist leider so leicht geworden, dass einem das Lachen vergeht. Und die Aufgabe ist, zu schauen, wo finde ich noch etwas, was nicht grausam ist...

Und was könnte friedlicher sein als ein fröhliches Lachen...

Leisch: (lacht) Vielleicht noch Kuscheln.

Das Gespräch führte

Christian Tamm.
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!