Donnerstag, 20. September 2018
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Von der verschlammten Brille bis zur Kartenpresse

erstellt am 13.07.2018 um 19:53 Uhr
aktualisiert am 29.07.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Welche Schätze schlummern in Bayerns nichtstaatlichen Museen? Die 100 spannendsten „Heimatschätze“ wurden am Freitag in München ausgezeichnet. Sieben Fundstücke kommen aus der Region. Wir stellen sie auf dieser Seite vor.
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Das Heimatministerium und das Kunstministerium hatten mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen und dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege die Suche nach den „100 Heimatschätzen“ gestartet. Rund 300 der 1250 nichtstaatlichen Museen nahmen an dem Wettbewerb teil. Gefunden werden sollten Gegenstände, die regionale Tradition und Heimatkultur bewahren. „Wir haben uns gezielt auf die Suche nach Objekten gemacht, von denen oft nicht sofort erkennbar ist, welcher Wert für unsere Heimat dahinter steckt“, sagte Heimatminister Albert Füracker (CSU) gestern bei der Verleihung.  Bei der Auswahl der  „100 Heimatschätze“  sollte es  um die kleinen Geschichten gehen, die die Museumsstücke erzählen. „Bayern ist die Summe all dieser Geschichten“, sagte Füracker. „Sie prägen das Heimatgefühl.“ 
 
Die Gewinner-Museen bekamen neben einer Urkunde jeweils 1000 Euro Preisgeld.  Wolfgang Stäbler von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen Bayern und Jurymitglied sagte: „Wir haben versucht, die ganze Bandbreite der bayerischen Museumslandschaft abzubilden.“ Von Mineraliensammlungen  bis zu zeitgeschichtlichen Dingen wie eine Fernsehbrille, die eine Frau aus Niederbayern nach dem Jahrhunderthochwasser 2013 aus dem Schlamm fischte, sei alles dabei. Die Botschaft lautet: Heimat ist eben nicht nur Tradition, nicht nur alt und urig und Blasmusik.
 

1 Spielkartenpresse

Mirgeler/dpa
Unter den „100 Heimatschätzen“ ist auch die Spielkartenpresse vom Wagnerei-Museum aus Dietfurt.  Das Gerät ist ein Gestell mit fünf aufeinanderliegenden Holzbrettern. Mithilfe einer Kurbel werden sie zusammengepresst. Das kuriose Artefakt erzählt die Geschichte bayerischer Wirtshauskultur: Als Spielkarten noch teuer und in Wirtshäusern von feuchter Luft sowie klebrigem Bier oft verbogen und aufgeweicht waren, klemmte der Wirt die Spielkarten  über Nacht zwischen die Bretter. Flach und trocken nahm er sie morgens wieder heraus. Die Presse aus den 1930er Jahren hat Zacherl aus der Wirtschaft seiner Eltern in Dietfurt an der Altmühl.  Am Freitag nahm Zacherl (zweiter von links) die Auszeichnung  vom bayerischen Heimatminister Albert Füracker (von links) und der bayerischen Kunstministerin Marion Kiechle (beide CSU) entgegen.  Die Spielkartenpresse  kann im Wagnerei-Museum Zacherl, Zum Goggerturm 24, begutachtet werden. Der Besuch des Museums ist nur mit einer Führung möglich. Mirgeler/dpa
 

2 Kutschenuhr

Karel K. CC BY-SA 3.0
Das Museum im Wittelsbacher Schloss in Friedberg beherbergt neben einer  archäologischen Abteilung  Schätze des 17. und 18. Jahrhunderts. Darunter auch die Kunstwerke von geschickten Friedbergern, die Uhren für den Adel in ganz Europa anfertigten. Darunter auch die Kutschenuhr – das ist eine federgetriebene Reiseuhr in Form einer überdimensionierten Taschenuhr. Die in den vergangenen 20 Jahren erweiterte Spezialsammlung an Friedberger Uhren bildet heute mit der Schatzkammer einen kunsthandwerklichen Höhepunkt des Rundgangs.  Das Museum im Wittelsbacher Schloss ist wegen Schlosssanierung geschlossen. Karel K., Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
 

3 Rinderanhänger

Lehnert
Eine Reise zurück in die regionale Vergangenheit bietet das Archäologische Museum in Thalmässing. Ein  Raum ist eine uralte Siedlungslandschaft,  in der schon zur Steinzeit die ersten Menschen im Schutz der Jura sesshaft wurden. Das Fundreich Thalmässing besteht aus dem archäologischen Museum am Marktplatz und dem lebendigen Geschichtsdorf in Landersdorf. Unter den Schätzen ist auch ein Rinderanhänger zu finden. Es gibt aber auch noch andere Funde aus der regionalen Siedlungsgeschichte. Das archäologische Museum, Marktplatz 1, ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Lehnert
 

4 Einquartiernungsbahn

Echter
Die Auswirkungen der Napoleonischen Kriege machten auch den Aichachern stark zu schaffen. Die Einquartierung von Truppen belastete die Brauerei zudem stark. Im Stadtmuseum zeugt noch heute eine meterlange und hohe Papierbahn von den vielen Tausend Soldaten, die zwischen 1796 und 1816 allein bei Bürgermeister Gerhauser einquartiert waren. Die Einquartierungsbahn kann von Dienstag bis Sonntag und feiertags von 14 bis 17 Uhr im Stadtmuseum Aichach, Schulstraße 2, besichtigt werden.  Echter
 

5 Türkisches Gedicht

Martiny
Das Jurahaus-Museum  in Eichstätt birgt ein türkisches Gedicht auf einer Raufasertapete. „Hoffnungsschimmer“ heißt es in der deutschen Übersetzung. Es zeigt das Lebensgefühl eines Menschen, der sich als gestrandet erlebt, in einer Situation, in der er sich weder zu Hause fühlt, noch sich als selbstwirksam wahrnehmen kann – untergebracht in einem ungepflegten Haus. 1992 schrieb der damals 17-Jährige, der mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen war, das Gedicht an eine Wand in Eichstätt. Das Jurahaus, Rot-Kreuz-Gasse 17, hat mittwochs von 9 bis 12 Uhr, freitags von 12 bis 16 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Martiny
 

6 Archaeopteryx

5e Archäopterix
Original-Versteinerung des Archaeopteryx wieder im Juramuseum auf der Eichstätter Willibaldsburg Foto Chloupek et 3.11.2009
Chloupek
Das Jura-Museum  auf der Willibaldsburg  ist eines der schönst gelegenen Naturkundemuseen in Deutschland. Ihm droht die Schließung, da die Kirche die Trägerschaft gekündigt hat. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Fossilien der Solnhofener Plattenkalke. Die Versteinerungen ermöglichen eine Zeitreise in eine rund 150 Millionen Jahre alte tropische Landschaft. Unter den zahlreichen Fossilien befindet sich auch ein Original des bisher nun in wenigen Exemplaren bekannten Urvogels Archaeopteryx. Das Jura-Museum Eichstätt, Burgstraße 19, hat von dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Chloupek
 

7 Graf Babo und seine Gemahlin

Hammerl
Das Tafelgemälde „Graf Babo und seine Gemahlin bei der Verabschiedung ihres ältesten Sohnes“ entstand um das Jahr 1500. Es ist im Stadtmuseum in Abendsberg zu sehen. Es ist über drei Meter breit und zeigt den Stammvater der Herren von Abensberg, Graf Babo, und seine Frau, die ihren ältesten Sohn verabschieden. Mit auf dem Bild sind auch alle 31 weiteren Söhne des Paars.  Babo zeugte legendäre 32 Söhne und acht Töchter. Das Stadtmuseum, Dollingerstraße 18, ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Hammerl
 
Samantha Meier (DK) und Laura Krzikalla (dpa)
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