Dienstag, 13. November 2018
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THI-Professor Marc Knoppe über die Gründe für Sicherheitspannen an Flughäfen

"Mehr Sensibilität für Krisenfälle schaffen"

Ingolstadt
erstellt am 16.08.2018 um 19:10 Uhr
aktualisiert am 01.09.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Marc Knoppe, Professor an der Technischen Hochschule Ingolstadt für Internationales Handelsmanagement, Strategische Marketing und Innovationsmanagement, spricht im Interview mit dem Donaukurier über Krisenfälle an Flughäfen und wie präventives Handeln funktionieren sollte.
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Marc Knoppe, Professor an der TH Ingolstadt.
Marc Knoppe, Professor an der TH Ingolstadt.
Foto: THI
Ingolstadt
Herr Knoppe, dreimal innerhalb kurzer Zeit gab es Chaos an deutschen Flughäfen wegen Pannen bei Sicherheitskontrollen. Kommt es zu dieser Häufung?

Marc Knoppe: Ich denke, es liegt daran, dass man sich viel zu sehr auf das Thema IT konzentriert und zu wenig auf den Menschen selber. Die Systeme können noch so sicher sein - am Schluss vergisst einer, die Tür zuzumachen oder lässt sein Passwort auf dem Schreibtisch liegen. Der größte Risikofaktor ist also immer noch der Mensch. Ich denke auch, dass es an vielen Stellen aus Kostengründen zu wenig Personal gibt. Vergleicht man deutsche Flughäfen mit anderen in Europa, so sind die deutlich besser aufgestellt: Da sind vor allem die Kontrollprozesse und Kundenströme besser organisiert.


Im internationalen Vergleich gelten die Sicherheitskontrollen auf deutschen Flughäfen tatsächlich als langsam und ineffizient. Was sind die Gründe?

Knoppe: Wenn ich Frankfurt und Amsterdam-Schiphol vergleiche, so sind die Prozesse völlig anders organisiert. Wenn Sie in Schiphol international unterwegs sind, dann treten Sie gleich nach der Ankunft, bevor Sie in den normalen Bereich kommen, über eigene Scanner und Kontrollstationen. Dadurch wird das Ganze schon einmal entzerrt. Die haben eigene Bereiche dafür, wogegen man in Frankfurt alles zusammenlaufen lässt. Wenn Sie dort am Flughafen ankommen, dann müssen Sie ganz raus und wieder komplett durch die Sicherheitskontrollen. Und je größer der Stau wird und die Mitarbeiter belastet sind, desto größer ist das Risiko, dass mal etwas durchflutscht. An diesem schönen Beispiel sieht man gut, dass es stark an den Prozessabläufen hängt. Dadurch sind die Kontrollen in Schiphol viel schneller und effizienter.


An vielen deutschen Großflughäfen werden die Kontrollen von privaten Sicherheitsdiensten durchgeführt - im Auftrag der Bundespolizei. Die Vergabe erfolgt nach Ausschreibungen. Besteht da nicht die Gefahr, dass nicht das zuverlässigste, sondern das günstigste Unternehmen den Zuschlag erhält? Anders gefragt: Darf man bei der Terrorabwehr auf den Preis schauen?

Knoppe: Man sollte auf keinen Fall auf den Preis schauen. Folgt man den Ausschreibungsrichtlinien des öffentlichen Rechts, sollte das wirtschaftlichste Angebot gewählt werden. Aber häufig wird das günstigste Angebot gewählt, was sich letztlich in fehlenden Schulungsmaßnahmen oder Sonstigem niederschlägt.


In München und Nürnberg sind staatliche Sicherheitsgesellschaften tätig, die nicht profitorientiert arbeiten. Ist das eine Lösung?

Knoppe: Vom Grundsatz her ja, aber auch die brauchen mehr Security-Awareness. Man muss mehr Aufmerksamkeit, mehr Sensibilität bei den Mitarbeitern für Krisenfälle schaffen. Meines Wissens fehlen auch Übungen in diese Richtung.


Die Polizeigewerkschaft hält die Situation an Flughäfen jedenfalls für untragbar. Wie können Passagiere sich da sicher fühlen?

Knoppe: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es nie eine hundertprozentige Sicherheit geben wird. Aber dass solche Fälle wie zuletzt gar nicht vorkommen dürften, da gebe ich der Bundespolizei recht.
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will den Flughafenbetreibern die Organisation von Sicherheitskontrollen überlassen. Ist das der richtige Weg?
Knoppe: Ich denke, das kann nur in einem Miteinander von Flughafenbetreiber und der Bundespolizei funktionieren. Ich glaube nicht, dass man es getrennt betrachten kann.


Was kann man denn Ihrer Ansicht nach besser machen?

Knoppe: Es gibt in der Industrie zu wenig akademische Ausbildung, was das Organisatorische und Strategische anbelangt. Es müsste deutlich mehr in die Ausbildung und Qualität der Mitarbeiter investiert werden. Es müssten viel mehr Krisenübungen stattfinden. Es müssten viel häufiger Tests durchgeführt werden, ob die Leute richtig reagieren.


Was lernen denn Ihre Studenten über Security and Safety-Management?

Knoppe: Es gab bisher keine akademische Ausbildung mit einem ganzheitlichen Security-Ansatz - darum wurde der berufsbegleitende Masterstudiengang an der THI ja auch ins Leben gerufen. Zu den Sicherheitsunternehmen gehen viele ehemalige Mitarbeiter von der Polizei, von der Bundeswehr oder anderen behördlichen Diensten. Aber dass man auch Quereinsteiger ausbildet, weiterbildet und akademisiert, damit haben wir Neuland betreten. Auch das Thema mehr Frauen in den Security-Abteilungen spielt eine wichtige Rolle. Wir bilden Security-Manager aus, die in der Lage sind, die Prozesse ganzheitlich und strategisch im Netzwerk zu steuern. Nicht der IT-Spezialisten ist hier gefordert, sondern der vorausschauende Security-Manager, der alle Aspekte im Überblick hat und verschiedene Krisenszenarien stets durchspielt.


Müssen wir uns in Zukunft wegen der Sicherheitskontrollen auf steigende Preise für Flugtickets einstellen?

Knoppe: Das sehe ich nicht, denn die Qualitätssteigerung führt letztendlich zu effizienteren und sicheren Prozessen. Da sind andere Kosten die größeren Treiber.


Das Interview führte Suzanne Schattenhofer.
 

ZUR PERSON

Marc Knoppe (52) ist Professor für Internationales Handelsmanagement, Strategische Marketing und Innovationsmanagement an der Technischen Hochschule Ingolstadt sowie Initiator und Programmdirektor des Studiengangs Security & Safety Management, ein berufsbegleitender Master in der Weiterbildung.
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