Sonntag, 20. Januar 2019
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Gebirgspionierbataillon 8 aus Ingolstadt im Voralpenland im Einsatz

Kampf an der Schneefront

Bayern
erstellt am 12.01.2019 um 13:29 Uhr
aktualisiert am 14.01.2019 um 14:09 Uhr | x gelesen
Miesbach/BadReichenhall (hri) Mit 114 Soldaten ist das Gebirgspionierbataillon 8 aus Ingolstadt seit Donnerstag in Mittenwald, Miesbach und Bad Reichenhall im Einsatz, um den Menschen nach den starken Schneefällen im Voralpenland beizustehen. Im Vordergrund steht die Räumung von Dächern, die unter der Last des nassen Schnees einzustürzen drohen. Am Samstagnachmittag steht die Sprengung von Schneefeldern an, um der Lawinengefahr vorzubeugen.
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Schaufeln, was das Zeug hält: Soldaten der Ingolstädter Gebirgspioniere helfen in Miesbach aus, um das Krankenhausdach vom Schnee zu befreien.
Horst Richter
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„Unsere Offiziere sind alle ausgebildete Bauingenieure und Bautechniker, also echte Fachleute“, sagt Oberstleutnant Sebastian Klink. Er ist Kommandeur der Ingolstädter Einheit und am Samstag im Krisengebiet unterwegs, um seine Truppe zu besuchen. „Man könnte uns auch als bewaffnete Bauarbeiter bezeichnen.“ Seine Leute haben schweres Gerät mit in den Einsatz genommen: einen Pionierpanzer Dachs, Lade- und Planierraupen, Kipper, eine große Schneefräse und einen Fahrzeugkran. In Kooperation mit den zivilen Hilfskräften arbeiten sie daran, die Folgen des starken Schneefalls zu beseitigen.
Ganzer Einsatz: Soldaten des Gebirgspionierbataillons 8 aus Ingolstadt räumen das Dach des Miesbacher Krankenhauses frei.
Richter
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Bekleidet mit weißen Tarnanzügen, die guten Schutz vor dem Wetter bieten, schieben 66 Männer und Frauen der Einheit am Krankenhaus Agatharied in Miesbach seit Tagesanbruch den meterhohen Schnee vom Dach – mit Seilen gesichert, um nicht abzurutschen. Nach einer halben Stunde schweren Schuftens ist jeweils eine Pause angesagt. Zwei Soldaten bedienen eine Schneefräse, im hohen Bogen wirbelt die weiße Pracht durch die Luft und hinab auf den Boden. „Ich bin froh, dass wir diese Unterstützung haben“, sagt Michael Guggemoos, kaufmännischer Direktor der Klinik. „Noch sind wir nicht an der Grenze der statischen Belastbarkeit angelangt.“ Trotzdem sei es ein gutes Gefühl, wieder Spielraum zu haben. Zuletzt habe es vor zehn Jahren so stark geschneit.
 

Oberstleutnant Sebastian Klink (links) lässt sich im Miesbacher Krankenhaus von Oberleutnant Tempelmeier die Lage erklären.
Richter
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Die Fäden der Einsätze laufen im Krisenreaktionszentrum bei der Gebirgsjägerbrigade 23 in der Bad Reichenhaller Hochstaufen-Kaserne zusammen. Hier arbeitet Hauptmann Christian Clade als Verbindungsoffizier des Ingolstädter Bataillons. „Er ist der Mann mit der Pionierbrille auf, der die Dinge aus unserer Sicht auf den Punkt bringt“, sagt Kommandeur Klink.

Die Aufgabe der Helfer in Uniform ist klar: „Erste Priorität hat die Räumung von Dächern, bevor der Regen kommt und die Schneelast mehr als verdoppelt“, sagt Hauptmann Clade. „Das ist besonders bei Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen wichtig. Wenn da etwas einstürzen würde, käme noch eine Evakuation hinzu.“ Eine solche Zuspitzung der Lage will sich keiner antun, es reicht auch so schon. „Die nächste Priorität gilt dem Schutz oder der Wiederherstellung der Infrastruktur, zum Beispiel dem Freiräumen von Straßen und Versorgungswegen“, sagt Clade. Dabei könnte am Samstagnachmittag erstmals der Pionierpanzer „Dachs“ zum Einsatz kommen, sagt Kommandeur Klink. Konkret geht es um die abgeschnittene Ortschaft Buchenhöhe, wo umgestürzte Bäume die Zufahrt komplett blockieren.
Szene aus Berchtesgaden: Viele Häuser sind stark eingeschneit.
Szene aus Berchtesgaden: Viele Häuser sind stark eingeschneit.
Horst Richter
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An anderer Front, nämlich aus der Luft, kämpft zurzeit Hauptfeldwebel Thomas Graßl, ein Sprengmeister und von der Ingolstädter Einheit eigens wegen des Katastrophenfalls aus dem Reservistendasein aktiviert. Er war am Vormittag in einem Helikopter des Hubschraubergeschwaders 64 unterwegs, um mit dem Luftwirbel der Rotorblätter Stromleitungen und Bäume, die auf Verkehrswege zu stürzen drohten, vom Schnee zu befreien. „Am Nachmittag werden wir von oben Schneefelder bei Reit im Winkl sprengen, um der Lawinengefahr vorzubeugen.“
Erkundungsflug bei Bad Reichenhall Oberstleutnant Sebastian Klink nutzt die Gelegenheit, um die Lage aus der Luft zu inspizieren.
Richter
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Kommandeur Klink nutzt zur Mittagszeit die Gelegenheit, um zusammen mit dem Brigadekommandeur die Lage vom Hubschrauber aus zu inspizieren. Seine Botschaft, als er zurückkehrt: „Es gibt noch viel zu tun.“
Horst Richter
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