Dienstag, 18. Dezember 2018
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Ein Münchner Start-up hat aus der Datenschutzgrundverordnung ein Geschäftsmodell gemacht

Hilfe für Firmen in "Schockstarre"

München
erstellt am 23.05.2018 um 09:16 Uhr
aktualisiert am 09.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
München (DK) DSGVO - diese fünf Buchstaben bereiten derzeit vielen Unternehmen Kopfzerbrechen. Ab Freitag ist die Datenschutzgrundverordnung verpflichtend umzusetzen. Ein Münchner Start-up namens Usercentrics hat ein Geschäftsmodell daraus entwickelt - indem es Firmen bei der Umsetzung hilft.
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DIe 22-jährige Lisa Gradow ist einer der drei Gründer des Münchner Start-up Usercentrics.
DIe 22-jährige Lisa Gradow ist einer der drei Gründer des Münchner Start-up Usercentrics.
Oppenheimer
München
Über viele Menschen ist in den vergangenen Wochen eine wahre E-Mail-Flut hereingebrochen. Der Inhalt? Meist derselbe: Unternehmen bitten darum, neuen Datenschutzrichtlinien zuzustimmen, sonst müsse man den Adressaten beispielsweise aus dem Newsletter-Verteiler nehmen. Hintergrund ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die ist zwar eigentlich schon seit 2016 in Kraft - verpflichtend umzusetzen ist sie aber erst ab Freitag. Im Grunde regelt die Verordnung die Speicherung und Verarbeitung personenenbezogener Daten. Weil das bislang eher eine Art Grauzone war, stehen viele Firmen nun vor großen Problemen. Das Münchner Start-up Usercentrics hat genau darin eine Marktlücke für sich entdeckt.

Neben Vinzent Ellissen und Mischa Rürup (beide 37) ist die 22-jährige Jura-Studentin Lisa Gradow einer der Gründer. Aufgrund ihres Fachwissen kümmert sie sich bei Usercentrics um die rechtliche Seite. Zurzeit ist die Münchnerin viel auf Reisen, um Unternehmen ihr Produkt vorzustellen. Derzeit sei ihre Software stark gefragt, sagt Gradow. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Software, die Firmen auf ihrer Website einbauen können. Das Programm stellt dann sicher, dass die Nutzer in die Datenschutzerklärung korrekt einwilligen. Die Software erkennt zudem von selbst, welche Daten der Nutzer gesammelt werden und weist den Webseitenbetreiber mit einem Alarm darauf hin, dass eine Einwilligung erforderlich wäre - denn nicht jede Firma wisse das zu 100 Prozent, erklärt Gradow. Wert haben sie bei der Entwicklung vor allem auf die einfache Benutzbarkeit gelegt.

"Viele Unternehmen verfallen derzeit entweder in Panik oder in eine Art Schockstarre", sagt Gradow. Der Grund: "Es drohen dramatische Strafen." Bislang sei der Datenschutz eher ein "zahnloser Tiger" gewesen, erklärt die 22-Jährige. Nun sei ein neuer Druck dahinter. Die Datenschutzbehörden seien quasi die neuen Finanzämter, meint Gradow.

Ein wesentliches Thema, um das es geht, sind sogenannte Cookies. Das sind im Prinzip kleine Dateien, die eine Website im Browser hinterlässt. Die Cookies sind unter anderem dafür verantwortlich, dass ein Nutzer auf verschiedenen Websiten von Werbung für Produkte verfolgt wird, für die er sich zuvor interessiert hat. Gradow vergleicht Cookies mit einer Person, die in einem Laden zuschaut, was man macht und einen fortan in alle weitere Läden verfolgt. Natürlich kann die Technik in manchen Situationen nützlich sein - aber sie ist auch etwas unheimlich und teilweise schlichtweg nervig. Für Unternehmen ist sie dagegen bares Geld Wert, denn sie ermöglicht extrem zielgenaue Werbung und minimiert die Streuverluste.

Zwar muss man auf Websiten schon seit geraumer Zeit den Cookies zustimmen. Bislang, sagt Gradow, sei es aber praktisch so gewesen, dass das Tracking (also das "Verfolgen" des Nutzers) mehr oder weniger bereits stattgefunden habe, wenn man den Cookies zustimme. Nun wird aber strenger geregelt: Ab Freitag müssen Unternehmen beweisen, dass der Nutzer sein Einverständnis gegeben habe, indem er einen Haken setze. Und auch darum kümmert sich die Software des Münchner Start-ups. "Das Tool dokumentiert und speichert alle Einwilligungen transparent für alle Beteiligten.", erklärt Gradow. Das Programm des Start-ups ist deshalb so interessant, weil sich Behörden oder Unternehmen sonst um eigene Lösungen bemühen müssen.

Für Gradow ist es nicht das erste Start-up, das sie (mit-)gegründet hat: Bereits mit 17 leiht sie sich von ihrem Vater 2000 Euro und bedruckt T-Shirts mit Sprüchen. Mit 20 importiert sie Kokosnüsse, kurz darauf geht sie mit einer Buchungsplattform für vegan-freundliche Hotels an den Start. Ein weiteres Projekt ist eine App für Clubs und Bars in der näheren Umgebung. "Man braucht zum Gründen eigentlich nur gesunden Menschenverstand", sagt Gradow. Im Moment, sagt die Studentin, arbeite sie hart an der Belastungsgrenze - dennoch sei sie so erfüllt wie nie. Egal wie erfolgreich Usercentrics wird - ihr Staatsexamen will Gradow auf jeden Fall noch machen. Irgendwann.
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