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Welpen-Schmuggel wohl kein Einzelfall – Tiere können für neue Besitzer zum Problem werden

Schmutziges Geschäft mit billigen Hunden

Bayreuth
erstellt am 23.01.2012 um 21:37 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 10:34 Uhr | x gelesen
Bayreuth (DK) Erst kürzlich hat die Bayreuther Polizei einen Mann aus dem Raum Ingolstadt geschnappt, der Kampfhunde-Babys aus Polen nach Bayern schmuggeln wollte. Ein Einzelfall? Wohl kaum: Der Handel mit osteuropäischen Hundewelpen boomt.
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Bayreuth: Schmutziges Geschäft mit billigen Hunden
Erholen sich im Bayreuther Tierheim: Die Cane-Corso-Welpen, die die Polizei im Auto eines Mannes aus dem Raum Ingolstadt entdeckt hatte - Foto: Heindl
Bayreuth
Unseriöse Händler besorgen sich die Tiere zum Beispiel im polnischen Lodz oder auf dem Wochenmarkt von Slubice gleich nach der Grenze bei Frankfurt an der Oder. Viele Welpen werden ohne Papiere und ohne Impfung illegal nach Deutschland geschmuggelt. Ihre neuen Besitzer klagen oft über Krankheiten und Parasitenbefall. Der vermeintliche Billighund kann sich leicht als kostenintensiver Problemhund entpuppen.

Zum Jahreswechsel hatte die Bayreuther Polizei bei einem 22-jährigen Autofahrer aus dem Raum Ingolstadt eine Klappkiste mit zehn etwa vier Wochen alten Cane-Corso-Welpen entdeckt und beschlagnahmt. Er hatte die Tiere illegal aus Polen mitgebracht. Wie die Bayreuther Polizei inzwischen bestätigte, prüft sie auch, ob es sich um einen Einzelfall handelt. Informationen unserer Zeitung zufolge war der deutsche Welpen-Schmuggler mit einem polnischen Leihwagen unterwegs. Seine Begleiterin hat zwar einen deutschen Pass, stammt aber wohl aus Polen.

Die Welpen wurden im Bayreuther Tierheim untergebracht und entwurmt und ärztlich versorgt. Das war auch höchste Zeit, bestätigt Kai Braunmiller, Veterinärdirektor aus Bayreuth. „Die Welpen waren mit Würmern befallen und hatten dicke Wurmbäuche.“ Inzwischen geht es ihnen gut. Wenn der Welpen-Schmuggler auf seine Besitzansprüche verzichtet, könnten sie Anfang Februar vermittelt werden. Wenn nicht, müsste er neben seinem Strafverfahren und einem Bußgeld auch die Kosten von mehreren tausend Euro für Tierarzt, Verpflegung und Quarantäne-Unterbringung zahlen.

Wenn Welpen unter acht Wochen von der Mutter getrennt werden, stelle dies einen nicht zu rechtfertigenden Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, so Braunmiller. „Die Hundemutter erfüllt eine sehr wichtige Funktion in der richtigen Ernährung, Erziehung und Prägung der Welpen. Sie ist rund um die Uhr für sie da, und das kann kein Mensch ersetzen!“ Gerade bei den sogenannten Kampfhunden könnte eine frühe Trennung zu Verhaltensauffälligkeiten führen.

Laut Braunmiller hat der Welpen-Schmuggler gleich mehrere Verstöße begangen. „Grundsätzlich dürfen Welpen unter acht Wochen nach der Tierschutztransport-Verordnung nur in Begleitung der Hundemutter verreisen.“ Da Welpen erst mit drei Monaten gegen Tollwut geimpft werden können, sei nach der Tollwut-Verordnung eine Einfuhr nur mit einem gegen Tollwut geimpften Muttertier oder einer Bescheinigung darüber, dass die Welpen nur am Ort der Geburt gehalten wurden und keinen Kontakt zu wild lebenden Tieren hatten, möglich. Bei der Einfuhr von mehr als fünf Hunden aus Polen gehe man von gewerbsmäßigem Handel aus und dann werde nach dem Einfuhr- und Tierseuchengesetz ein in Polen ausgestellter Heimtierausweis mit Mikrochip-Nummer benötigt. Darüber hinaus hätte der Welpen-Transport nach der Binnenmarkt-Tierseuchenverordnung den zuständigen Veterinärbehörden in Polen und Deutschland angezeigt werden müssen. Außerdem schreibe das Tierschutzgesetz für Hundehändler einen Sachkundenachweis vor.

Bei den in Bayreuth beschlagnahmten Cane-Corso- Welpen handelt es sich um Tiere, die in Bayern auf der Liste der „Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit“ stehen – anders gesagt: auf der Kampfhundeliste. Braunmiller erklärt, was das bedeutet: „Der Besitz eines solchen Tieres muss dem zuständigen Ordnungsamt gemeldet werden. Wenn der Hund erwachsen ist, muss ein sogenanntes Negativgutachten durch einen Hundesachverständigen erstellt und vorgelegt werden.“ Der Besitzer darf den Hund also nur behalten, wenn er die Bestätigung vorweisen kann, dass das Tier nicht gefährlich ist.

Ob Kampfhund oder nicht – oft gibt es noch ein ganz anderes Problem, weiß Veterinär Braunmiller aus seiner langjährigen Erfahrung: „Billige Hunde aus Osteuropa stammten meist aus schlechten Verhältnissen, wurden nicht optimal gefüttert und sind meist nicht geimpft und entwurmt.“ Die neuen Besitzer könnten sich mit Viren oder Bakterien anstecken und sich Pilze, Würmer, Flöhe oder Milben einfangen.

Von Karin Heindl
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