Mittwoch, 18. Juli 2018
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Kiechle zeichnet an der THI innovative Lehrkonzepte aus - Digitale Akzente im Hörsaal

Auslaufmodell Frontalunterricht

Ingolstadt
erstellt am 16.04.2018 um 21:18 Uhr
aktualisiert am 02.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Mehr Anerkennung für die Lehre forderte die neue Wissenschaftsministerin Marion Kiechle gestern in Ingolstadt. Kiechle zeichnete an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) bayerische Wissenschaftler für innovative Konzepte mit dem "Preis für herausragende Lehre" aus.
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Darunter Andreas Riener, Professor für Human Machine Interface and Virtual Reality an der THI, und Birgit Rösel von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg.

In ihrer Rede bemängelte Kiechle, die Lehre genieße viel zu wenig Dankbarkeit. "Das muss sich ändern", forderte sie. Weiter erklärte die neue Ministerin, die selbst 18 Jahre als Professorin tätig war, die Hochschullandschaft sichere die Zukunftsfähigkeit des Landes. Digitale Akzente setzen - so lautete das Thema des gestrigen "Forums der Lehre " an der THI. Wie das konkret aussehen kann, demonstrierte Jürgen Handke von der Uni Marburg (Foto). Zur Seite stand ihm dabei Miki, ein elektronischer Helfer. Tatsächlich setzt Handke humanoide Roboter ein - etwa, um seinen Studenten Aufgaben oder Fragen zu stellen. Bald sollen sie auch Fragen beantworten. Der Professor nutzt die gewonnene Zeit, um sich mit seinen Studenten auszutauschen. "Ich sehe mich als Coach oder Lernbegleiter."

Glaubt man Handke, so ist der herkömmliche Frontalunterricht ein "Auslaufmodell". Der Professor erwartet von seinen Studenten, dass sie sich die Inhalte selbst aneignen, natürlich digital wie in kleinen Lehrvideos. Das Erlernte wird dann einmal wöchentlich in einer Präsenzphase im Hörsaal vertieft. "Dabei muss man auf Augenhöhe mit den Studierenden sein", erklärte Handke das Konzept des "Inverted Classroom" - also des umgedrehten Unterrichts. "In elektronischen Klausuren, bei denen wir Internetnutzung erlauben, überprüfen wir hauptsächlich Kompetenzen." Handke berichtete, die meisten Studenten seien bestens vorbereitet.

Der Wandel hin zur Digitalisierung gelinge jedoch nur durch eine höhere Wertschätzung der Lehre, betonte er. Machbar sei er auf alle Fälle: "Die Infrastrukturen stehen, die Studierenden nutzen die sozialen Medien und die digitalen Elemente sind meist vorhanden - wo doch jede Minute 400 Stunden Material auf YouTube geladen werden", erklärte der Professor für Anglistik. Größtes Problem sei die Mentalität der Deutschen: "Sie stehen sich gerne selbst im Weg und haben extreme Angst vorm Scheitern."

Ausgerechnet Einzelpreisträger Andreas Riener von der THI warf bei der anschließenden Diskussion ein, man könne Professoren nicht zwingen, ihre Lehre zu digitalisieren. "Wir sind, trotz allem, noch frei, unsere Konzepte zu wählen." Einig waren sich jedoch fast alle Lehrenden, dass Digitalisierung im Kopf beginnen müsse und nicht mehr aufzuhalten sei.

Weitere Preise für innovative Lehrprojekte erhielten die Hochschulen Augsburg und Kempten (Studiengang Systems Engineering im Projekt "Digital und Regional"), die Hochschule Coburg (Masterstudiengang Zukunftsdesign) sowie die Technische Hochschule Nürnberg (Schreibzentrum). Hauser
Suzanne Schattenhofer
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