Montag, 18. Juni 2018
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Trachtenexpertin Anna Felbermeir über die neue Lust an einem Kleidungsstück, das früher nur Arbeitsgewand war

"Im Dirndl bin ich immer sauber angezogen"

Pfaffenhofen
erstellt am 12.06.2018 um 19:45 Uhr
aktualisiert am 12.06.2018 um 22:10 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Trachtenexpertin Anna Felbermeir spricht im Interview mit unserer Zeitung über den neuen Trachten-Boom und die Geschichte des Dirndls.
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Trachtenexpertin Anna Felbermeir.
privat
Pfaffenhofen
Frau Felbermeir, wo liegt der Ursprung des Dirndls?

Anna Felbermeir: Das Deandlgwand, wie wir in der Holledau sagen, ist das Arbeitskleid, das die Frauen früher - um das Jahr 1900 herum - getragen haben, bei der Heuarbeit zum Beispiel oder auch im Haushalt. Das war meist hochgeschlossen und mit Schürze, denn die war leichter zu waschen als das komplette Gewand. Das Jahr 1900 war auch die Zeit der Trachten: Diese hat man zu den hohen kirchlichen Feiertagen getragen.


Wie unterschieden sich denn Dirndl und Trachtengewand?

Felbermeir: Das Dirndl war aus einem leichteren Stoff, meist aus Baumwolle und gut waschbar. Das war eine Tracht nicht. Früher wurden die seidenen Stoffe überhaupt nicht gewaschen, sondern nur gelüftet. Aber die hat man ja auch nicht so oft angezogen, sondern nur zu besonderen Anlässen. Auch heute hat die Festtracht einen schwereren Stoff und ist viel aufwendiger verziert, etwa mit Bordüren oder Stoffrosen. Auch ist sie meist langärmelig statt mit Bluse so wie die Dirndl.


Inwieweit verraten denn die Festtracht oder das Dirndl die Herkunft der Trägerin?

Felbermeir: Bei den Festtrachten gibt es regional große Unterschiede, während die Dirndl im ganzen bayerischen Raum vom Ansatz her grundsätzlich gleich gehalten sind - also dass man eine Bluse trägt, ein Gewand und eine Schürze drauf. Das Festgwand besteht in der Regel aus einem langärmeligen Oberteil, über das ein Mieder gezogen wird, einem Rock und/oder einer Schürze drauf. Und es gehört noch eine Kopfbedeckung dazu, entweder ein Hut oder, wie bei uns, die Holledauer Regelhaube.


Abgesehen von den Volksfesten, wie die Wiesn in München oder der Barthelmarkt: Zu welchen Anlässen trägt man denn heute ein Dirndl?

Felbermeir: Ein Dearndlgwand oder Boarisches Gwand kann man heute zu fast allen Anlässen tragen. Ich fühle mich darin immer sauber und passend angezogen.


Wie sehen Sie den neuen Dirndl-Boom? Hat das für Sie noch was mit Tradition zu tun?

Felbermeir: Ich finde, das hat sehr viel mit Tradition zu tun, weil ich festgestellt habe, dass sich sogar ganz junge Mädchen dadurch wieder fürs Schneidern interessieren. Und das ist richtig traditionell, denn früher hat man das ja auch selbst gemacht. In Geschäften gab es sowas ja nicht. Da hat man einfach den Stoff genommen, den man gerade zu Hause hatte. Und heute: Wer sich einmal selbst ein Dirndl geschneidert hat, trägt das mit einem ganz anderen Stolz.


Die Fragen stellte Silvia Obster.


Zur Person

Anna Felbermeir ist Inventarverwalterin (Trachtenwartin) beim Trachtenverein Ilmtaler Pfaffenhofen und Mitglied beim Bayerischen Trachtenverband. Sie hat auch am Bildband "Trachtenlandschaft Bayern" mitgearbeitet. Foto: privat