Montag, 15. Oktober 2018
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Mit dem Q8 steigt Audi ins Rennen der SUV-Coupés ein – und setzt auf extremes Design

Radikaler Riese

Ingolstadt
erstellt am 05.06.2018 um 14:36 Uhr
aktualisiert am 26.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Audi präsentierte am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in Szenzhen den Geländewagen Q8, der ab Juli als edler Bruder Q7 auf den Markt kommen wird. Auffallend ist die schnittigerre Karosserie mit einer neuen Front sowie sportlichere Proportionen.
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[Link zum Youtube-Video]
 
Preisfrage: Was ist für einen Autobauer derzeit lukrativer als SUVs? Richtig: große SUVs. Das weiß man natürlich auch in Ingolstadt bei Audi. Dumm nur, dass die Marke mit den vier Ringen mit dem Q7 schon lange ein SUV im Riesenformat im Angebot hat. Und was machen Autobauer, wenn eigentlich kein Platz für ein neues Modell ist? Genau: Kreativ sein. Sie erfinden einfach eine neue Nische. Audi ist allerdings weniger mutig und überlässt die Erkundung neue Welten meist der Konkurrenz. So hat BMW längst den X6 im Angebot, Mercedes das GLE Coupé – beide Modelle sind erfolgreich. Jetzt zieht Audi nach und will die Gegner in München und Stuttgart mit dem neuen Q8 alt aussehen lassen.

Audis neuer Grill-König: Der Q8 lässt mit seiner brachialen Front andere Modelle aus Ingolstadt fast schon zurückhaltend aussehen.
Audi
Ingolstadt
Eines zumindest müssen sie sich in Ingolstadt spätestens mit dem neuen Q8 nicht mehr vorwerfen lassen: langweiliges Design. Seit Marc Lichte das Zepter des Audi-Chefdesigners übernommen hat, zeigt die Formkurve steil nach oben. Der Q8, den die Ingolstädter nun auf dem Audi-Summit im chinesischen Shenzhen vorgestellt haben, ist ziemlich radikal gezeichnet. Besonders von vorne wirkt das breite SUV recht aggressiv: Der riesige Grill (der nun achteckig ist) mit dem dicken Rahmen, dürfte so manchem Vorausfahrenden einen Schrecken einjagen. Dazu die dunklen Flächen unterhalb der Scheinwerfer, die an die „Kriegsbemalung“ von American-Football-Spielern erinnern. Tatsächlich sind die dunklen Flächen allerdings ein Teil des Scheinwerfers – sie beherbergen das Fernlicht.
 

Rückkehr zu vertikalen Streben

Fotostrecke: Audi Q8

Auffällig: Den Grill zieren wieder vertikale Streben. Das war auch schon bei den ersten Q-Modellen sowie teilweise bei Allroad-Varianten von A4 und A6 der Fall. Zuletzt war man davon abgekommen. Nun also handelt es sich fast um eine Art Retro-Element, das vor allem der Unterscheidung zwischen den Baureihen dienen soll. Sportlich und dynamisch soll der Neue wirken. Wie sinnvoll das Konzept ist, ein hochbeiniges Geländefahrzeug quasi platt zu drücken (um es sportlicher aussehen zu lassen) und ihm eine Coupé-Linie zu implementieren (ein Hauch Eleganz) sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Das gilt natürlich auch für die Konkurrenzmodelle.

Fotostrecke: Audi Q8 Präsentation in Szenzhen

Tatsächlich sind die beiden Showcars aus Detroit (Q8 Concept) und Genf (Q8 Sport concept) aus dem Jahr 2017 nahezu unverändert in das Serienfahrzeug übergegangen – das ist ungewöhnlich. Häufig wird im Nachhinein noch deutlich nachgeschliffen. Ein Q7 – man kann es kaum anders sagen – wirkt neben dem Q8 fast schon emotionslos. Mächtig ist auch das Heck des Ingolstädter SUV-Coupés. Die Form der beiden Heckleuchten erinnert an die des A7-Vorgängers. Darüber verläuft ein durchgehendes Lichtband. Ein schwarzes Kunststoffteil zwischen den Heckleuchten soll an den Ur-Quattro erinnern. Ein gewaltiger Heckdiffusor beherbergt die beiden länglichen Auspuffblenden – die echten Endrohre sitzen, von außen unsichtbar, an der Fahrzeugunterseite.

Die Aussenmaße des Q8 ähneln dem Schwestermodell Q7: Knapp fünf Meter lang, zwei Meter breit und 1,7 Meter hoch. Er ist dabei aber 27 Millimeter breiter und 66 Millimeter kürzer und 35 Millimeter flacher. Weil sich so ein Trumm in der Regel eher unhandlich rangieren lässt, empfiehlt sich– auch ohne damit gefahren zu sein – sicherlich die optionale Allradlenkung, die den Wendekreis deutlich verkleinert. Ungewöhnliches offenbart sich beim Öffnen der Türen: Diese haben keinen Rahmen. Standardmäßig sind 19-Zoll-Reifen montiert, maximal sind 22 Zoll möglich. Innen hängt der Q8 seinen Bruder Q7 dann endgültig ab: Denn er hat bereits die Hightech-Welt von A8, A7 und A6 an Bord: Sprich zwei hochauflösende Touchscreens mit Klick-Feedback in der Mittelkonsole, sowie das volldigitale Virtual Cockpit als Ersatz für analoge Instrumente.
 

Rückbank längs verschiebbar

Hartnäckig hielt sich im Internet das Gerücht, der Serien-Q8 hätte statt einer Rückbank zwei Einzelsitze verbaut – so wie in der Studie – und wäre damit ein reiner Viersitzer. Das allerdings wäre dann doch sehr unkonventionell gewesen und damit eher untypisch für Audi. Der Q8 hat eine ganz normale Rückbank an Bord – und weil die Ingolstädter mehr Nutzwert schaffen wollten, ist diese optional sogar längs verschiebbar. Zum Start ist nur eine Motorisierung erhältlich: Der 3,0-Liter-V6-Dieselmotor mit 286 PS auch bekannt aus A6 und A7. In dieser Kombination wiegt der Q8 rund 2150 Kilogramm. Von 0 auf 100 km/h soll der Spurt in 6,3 Sekunden gelingen, bis zu 232 km/h Höchstgeschwindigkeit sind laut Audi drin. Zwei weitere Motoren folgen erst Anfang nächsten Jahres: ein kleinerer 3,0-Liter-Diesel (231 PS) und ein 3,0-Liter-Benziner mit 340 PS. Allradantrieb ist Standard. Genauso wie die achtstufige Wandlerautomatik.

Gebaut wird der Q8 wie auch der Q7 im Volkswagen-Werk in Bratislava – zusammen mit dem Porsche Cayenne und dem VW Touareg. Im Juli soll er bei den Händlern stehen. Preise nennt der Ingolstädter Autobauer noch nicht, doch da die beiden Gegenspieler aus München und Stuttgart preislich bei gut 71.500 Euro beginnen, liegt die Vermutung nahe, dass der Audi in ähnlichen Regionen startet . Mit entsprechender Motorisierung und vielen Extras dürfte man schnell bei über 100.000 Euro landen. Die Erfolgschancen des Q8 dürfte das aber kaum trüben.
 
Sebastian Oppenheimer
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