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"Premium-Roadster" Z4 von BMW Antwort auf den Boxster von Porsche

erstellt am 21.10.2002 um 13:15 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 08:43 Uhr | x gelesen
Porto (DK) Er ist erwachsen geworden, reifer und markanter. Aber auch teurer. Der neue Z4, legetimer Nachfolger des BMW-Roadsters Z3, baut ab Mitte März 2003 · dann steht er für Preise ab rund 35 000 € bei den Händlern · auf eine neue Formensprache des Designs, auf zahlreiche technische Highlights und auf das, was einen BMW auszeichnen muss: auf höchsten Fahrspaß. Angeboten wird der "Premium-Roadster" (BMW) mit zwei Sechszylindermotoren. Als 2.5i und als 3.0i (rund 40 000 Euro).
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Er wird polarisieren. Mit seinem Heck, seinen ungewöhnlichen Linien, der völligen Abkehr von den lieblichen Rundungen des Z3. Der Z4 setzt bewusst neue Akzente, will nach BMW-Aussage die konsequente Umsetzung der Bedürfnisse des Marktes darstellen. Im amerikanischen BMW-Werk in Spartanburg gebaut, verzichtet aber auch der Z4 nicht auf die klassischen Roadster-Proportionen: Lange Motorhaube, hinten und tief sitzende Passagiere und knappes Heck sind Pflicht.

Er wird Kunden verlieren. Weil BMW keinen Vierzylinder mehr anbietet. Grund dafür: Zuletzt orderten weltweit nur noch 14 Prozent der Z3-Kunden einen solchen Motor. So bauen die Münchener auf Eroberungsraten am oberen Ende des Angebotes. Denkbar ist ein Abschluss nach unten durch einen 2,2-Liter-Sechszylinder. Einen Achtzylinder wird es nicht geben. "Der würde durch sein Gewicht all das kaputt machen, was uns mit den Sechszylindern gelungen ist", erkärte bei der Präsentation in Portugal Projektleiter Wolfgang Kleemann.Die Gewichtsverteilung gelang mit 50,3 Prozent auf der Vorder- und 49,7 Prozent auf der Hinterachse praktisch ideal.

Und das ist vor allem eines: perfektes Handling und sagenhafte Agilität · Fahreigenschaften eben, die einen Premium-Roadster erst zu einem solchen werden lassen. Zur exzellenten Fahrdynamik passt hervorragend die direkte, völlig stoßfreie Lenkung (erstmals elektrisch servounterstützt). Der "von Grund auf als Roadster konstruierte Z4" (Kleemann) glänzt mit einer Karosseriesteifigkeit, die seinesgleichen sucht und die außergewöhnlich gute Fahrdynamik erst ermöglicht. Angeboten wird die Fahrdynamik-Kontrolle FDC, die im "Sport"-Programm die Motorleistung früher abruft, wobei die Motorsteuerung einer noch sportlicheren Gaspedalkennlinie folgt. Aber auch ohne FDC hängt der Z4 perfekt am Gas.

BMW offeriert wieder ein Sportfahrwerk, das aber gar nicht notwendig erscheint. Denn die serienmäßige Abstimmung ist ein gelungener Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Gegen Aufpreis ordern werden Puristen und solche Menschen, die es mehr für ihr Ego denn für den Fahrspaß benötigen. Stichwort "Aufpreis": Wer will, erreicht mit einem individuell ausgestatteten Z4 3.0i (Navigation, Bi-Xenon, SMG-Getriebe oder extra für den Z4 konzipierte Audio-Anlage) schnell die 45 000-Euro-Grenze. Und damit bald Regionen des Porsche Boxster, für den die Luft an der Spitze des Segments mit dem Verkaufsstart des Z4 sicher dünner wird. Übrigens: Der Z3 mit Dreiliter-Motor kostet(e) 34 300 €.

Manch elektronische Erfindungen steigert den Fahrspaß im Z4 oder macht diesen gar narrensicher. Natürlich fehlt das DSC (das ESP von BMW) nicht. Erstmals an Bord ist die dynamische Traktionskontrolle DTC, die an den Hinterrädern etwas mehr Schlupf zulässt, ohne die DSC-Funktion im Grenzbereich zu gefährden. Der Z4 bekam eine breitere Spur als der Z3, der 3.0i liegt mit einem Basisgewicht von 1290 Kilogramm (2.5i: 1260 Kilogramm) sogar 25 Kilogramm unter dem Z3 3.0i! Der 2,5-Liter-Motor leistet 192 PS, ermöglicht Tempo 235 und den Standardsprint auf 100 km/h in 7,0 Sekunden. Der Verbrauch liegt bei 8,9 Liter pro 100 Kilometer. Die Werte des 3.0i-Treibsatzes: 231 PS, 250 km/h, 6,6 Sekunden, 9,1 Liter. Beide Motoren erfüllen die EU4-Norm. Der "kleine" Z4 verfügt serienmäßig über ein Fünfgang-, der 3.0i über ein Sechsgang-Getriebe, das perfekt abgestuft und toll zu schalten ist. Auf Wunsch gibt es das sequentielle SMG-Getriebe, das die Fahrstufen in 0,15 Sekunden wechselt, ohne dass der Fuß vom Pedal genommen werden muss.

Die Zuladung beträgt bis zu 300 Kilogramm, der Kofferraum fasst 260 Liter. Die Staumöglichkeiten im Innenraum sind roadster-typisch begrenzt. Dennoch bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, nicht zu große Utensilien sicher zu verstauen · nun auch Getränkedosen. Im Innenraum herrscht nach wie vor die vertraute Enge eines zweisitzigen Roadsters, die Umgebung von Fahrer und Beifahrer ist attraktiv und mit verschiedenen Materialien ausstaffiert. Puristen wünschen sich vielleicht etwas weniger Schlichtheit, dafür ein paar Hebel oder Schalter mehr.

Auf jeden Fall wird sich mancher Betrachter bei geöffnetem Verdeck (mit beheizbarer Glasscheibe) eine Abdeckung des gut sichtbaren Gestänges herbei sehnen. Persenning oder Verdeckkasten gibt es nicht, das manuelle Stoffverdeck (elektrisch gegen Aufpreis) verschwindet durch die Platz sparende Z-Faltung · aber eben nicht vollständig · unter dem vorderen Teil des Daches. Im Herbst 2003 wird ein Hardtop mit durchströmtem Spoiler angeboten, das gut zum Z4 passt, wegen der großen Fugen aber aufgesetzt wirkt. Bei geschlossenem Verdeck herrscht eine angenehme Ruhe im Innenraum. Ein Windschott (zwischen den Überrollbügeln zu installieren) wird angeboten, muss aber nicht sein: Bis auf den Bereich der Köpfe herrscht relative Zugfreiheit.

Eine reizvolle und Gewicht sparende Neuerung sind die Runflat-Reifen. Bei einem oder auch mehreren Plattfüßen kann man verhalten weiterfahren · gut und gerne 150 Kilometer weit. Einen Ersatzreifen gibt es nicht, die vier Runflat-Konstruktionen kosten übrigens in etwa so viel wie fünf herkömmliche Reifen. Ein serienmäßiges Luftdruck-Warnsystem überwacht die Pneus.

Design ist bei BMW seit dem Heck des 7er ein Reizwort. Doch der Z4 gefällt · trotz des ebenfalls kantigen Hecks. Er hat zwei Gürtellinien, eine Taille, geschwungene Schweller, ansteigende Türlinien sowie · im Wechsel · in sich gedrehte Flächen, Kanten, Rundungen und Einbuchtungen. Der BMW Z4 ist unverwechselbar, der Z3 wird sehr bald "alt" aussehen. Oliver Konze

Donaukurier
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