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Experte über Batteriezellenfertigung in Deutschland

"Mit den Asiaten zusammenarbeiten"

erstellt am 13.07.2018 um 16:45 Uhr
aktualisiert am 03.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Im Interview spricht Experte Ferdinand Dudenhöffer über die Batteriezellenfertigung in Deutschland.
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Ferdinand Dudenhöffer
Paul Zinken (dpa)
Herr Dudenhöffer, warum gibt es in Deutschland keine Batteriezellenfertigung?

Ferdinand Dudenhöffer: Bald gibt es ja eine: Der chinesische Hersteller CATL baut eine Fabrik in Thüringen. Es gibt also – internationale – Unternehmen, die diesen Schritt machen. Die deutschen Zulieferer haben das dagegen abgelehnt. Dabei wäre es für Deutschland wichtig, an den Batterien zu arbeiten. Batterien machen in Zukunft 20 bis 30 Prozent der Wertschöpfung eines Fahrzeugs aus. Zulieferer, die aktuell noch sehr stark im Verbrennungsmotor drin sind– wie Schaeffler oder Mahle – dürften Probleme bekommen, die Beschäftigung und den Umsatz aufrechtzuerhalten.

Warum haben die Zulieferer die Zellfertigung in Deutschland Ihrer Meinung nach abgehakt?

Dudenhöffer: Weil deutsche Großunternehmen sehr vorsichtig sind. Ihnen ist das Risiko des Scheiterns zu groß. Die bringen das Geld lieber zur Sparkasse und warten bis es Zinsen bringt. Aus meiner Sicht sind sie einfach innovationsmüde – deshalb ist Silicon Valley auch nicht in Deutschland.

Wie könnte eine gangbare Lösung dann aussehen?

Dudenhöffer: Die deutschen Autobauer müssen mit den asiatischen Batterieherstellern zusammenarbeiten. Allerdings wäre es wichtig, in Deutschland ein Zentrum zu haben, in dem man an den Batterien forscht. Die deutschen Zulieferer sagen, sie machen das Packaging und die Leistungselektronik – aber das kann jeder. Für ein Hochtechnologieland wie Deutschland ist das deutlich zu wenig. Das Wesentliche an der Zelle sind ihr Material und ihre Produktion. Aktuellwird an der Feststoffbatterie entwickelt: BASF arbeitet an Kathodenmaterial, bei uns an der Uni wird an Anodenmaterial geforscht. Dieses Material ist der Kern der Batterie, darin wird die Energie gespeichert. Bei der Industrialisierung der Zelle dagegen versagen übrigens nicht nur die Deutschen, sondern ganz Europa. Mit Ausnahme von Schweden: Dort baut das Northvolt-Konsortium eine Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien.

Die Gewerkschaften haben nun Autobauer und Zulieferer dazu aufgerufen, sich zusammenzutun, um eine gemeinsame Zellfertigung in Deutschland aufzubauen. Nach dem Vorbild der Kooperation von Audi, Mercedes und BMW beim Kartendienst Here.

Dudenhöffer: Was soll denn so ein Aufruf? Wenn die Unternehmen müde und ängstlich sind, wird dem niemand folgen. Und Here ist ja etwas ganz anderes: Da haben sich drei Autobauer zusammengetan, um die Kartentechnologie zu beherrschen. Denn die ist für die Zukunft von großer Bedeutung. Bei der Batterie würden die Hersteller das nie sagen, das ist ein Zulieferteil fürs Auto. Bei den Karten geht es auch um Kundendaten, die sind unendlich wichtig für die Autobauer.

Dann ergibt auch ein Einstieg eines solchen Zusammenschlusses bei der nächsten Batteriegeneration keinen Sinn?

Dudenhöffer: Wenn sie die erste Generation nicht produzieren, und dann mit der zweiten oder dritten anfangen – mit einer völlig neuen Technologie – dann fehlt ihnen trotzdem das Know-how, Zellen preisgünstig in Großserie zu produzieren. Das können sie sich nicht über Nacht erarbeiten. Sie werden dann immer hinterherlaufen. Entweder macht man es jetzt oder nie. Und das was die Zulieferer gesagt haben, heißt auf gut Deutsch: nie.

Man bleibt bei der Zelle also abhängig von den Asiaten.

Dudenhöffer: Ja. Nun kann man sich die Frage stellen, ob das schlimm ist. Wie gesagt: Ich bin der Meinung, dass wir mit den Asiaten zusammenarbeiten müssen. Wir müssen ein gutes Batteriematerial entwickeln und vielleicht auch produzieren – und die Zelle machen dann die asiatischen Partner. Im Übrigen sind wir ja nicht von einem Zellhersteller abhängig: In Japan gibt es Panasonic, in Korea LG Chem, Samsung und SK und in China gibt es BYD und CATL.

Weil der E-Motor wesentlich weniger komplex ist, als der Verbrenner sind viele Arbeitsplätze in Gefahr. Wie kann man das abfedern?

Dudenhöffer: Ich glaube, da sind die Unternehmen selbst gefragt. Die Politik kann so etwas nur begleiten. Die Zulieferer müssen sich überlegen, wie sie sich morgen aufstellen. Wir haben dazu eine Studie mit dem Verband der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber gemacht – da kam heraus, dass viele Mittelständler dieses Thema sehr klar sehen und die Weichen schon stellen. Ein paar Große müssen vielleicht noch nacharbeiten.

Bei all dem Aufwand mit dem jetzt die E-Mobilität im Pkw-Bereich angeschoben wird – glauben Sie, dass die Brennstoffzellen noch eine Zukunft im Auto hat?

Dudenhöffer: Meiner Einschätzung nach nicht. Als Hersteller würde ich die Arbeit daran einstellen undmich voll auf das batterieelektrische Fahrzeug konzentrieren. Dann verzettelt man sich nicht.

Die Fragen stellte Sebastian Oppenheimer.

Zur Person
 

Ferdinand Dudenhöffer ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg- Essen.
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