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"An Autos arbeiten, die in unsere Zeit passen"

erstellt am 05.04.2009 um 18:33 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:49 Uhr | x gelesen
Er ist Visionär und einer der angesehensten Designer in der Automobilbranche: Peter Schreyer, Vater vieler Audi- und VW-Modelle. Nach über zweieinhalb Jahrzehnten im VW-Konzern ist der 55-Jährige inzwischen Kreativchef bei Kia. Schreyer, der nach wie vor in Ingolstadt wohnt, blickt im Gespräch mit unserem Redakteur Oliver Konze in die automobile Zukunft, kennt schöne Öko-Autos und schwärmt vom coolen Kia Soul.
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Peter Schreyer will der Marke Kia ein unverwechselbares Gesicht geben. - Foto: oh
Finanz- und Wirtschaftskrise. Wie sehr beeinflusst diese weltweite Schieflage die Arbeit eines Automobildesigners?
 
Peter Schreyer: Negativ und positiv. Negativ wegen der Einsparungen, der Entlassungen und auch wegen der Modelle, an denen nicht weitergearbeitet wird. Ich muss aber sagen, dass die Situation bei Kia im Gegensatz zu einem großen Teil der Automobilbranche noch nicht so extrem ist.

Was finden Sie positiv?

Schreyer: Die Herausforderung, an Autos arbeiten zu dürfen und zu müssen, die nicht nur schön sind, sondern auch in unsere Zeit passen. Wir befinden uns ja nicht nur in einer Finanzkrise, sondern beschäftigen uns auch besonders mit den Themen Verbrauch, Nachhaltigkeit und Umwelt sowie Ressourcen-Verknappung.

Das könnte bedeuten, dass große Autos aussterben und wir in ein paar Jahren nur noch kompakte oder kleine Autos kaufen können?

Schreyer: Natürlich entwickeln wir momentan vermehrt kleine Modelle. Und ich kann sagen, wir haben wahnsinnig viel Arbeit.

Große Fahrzeuge ade?

Schreyer: Das Downsizing ist natürlich okay. Allein die Fahrzeuggröße kann jedoch nicht die Lösung für unsere Herausforderungen sein. Ich glaube nicht, dass es irgendwann keine großen Autos mehr geben wird. Vielmehr erwarte ich im Bereich Antriebstechnik wichtige Impulse, große Fahrzeuge in Zukunft entscheidend verbrauchsärmer zu gestalten. Die Menschen werden sich die Freiheit der Mobilität bewahren, den Spaß und die Freude daran, auch weiterhin selber bestimmen zu können, wer mit wie viel Passagieren und Gepäck wohin fährt.

Wirklich?

Schreyer: Ich glaube es. Und ich hoffe, dass der Markt weiterhin ein breit gefächertes Angebot bereithält und die Vielfalt erhalten bleibt.

Wenn wir schon in die Zukunft blicken, lassen Sie uns über Öko-Autos sprechen. Warum gibt es keine schönen?

Schreyer: Das stimmt nicht, der Audi A2 ist ein wunderschönes.

Aber der wird ja nicht mehr gebaut. Kein aktuelles Öko-Auto ist schön.

Schreyer: Mit dem Thema werden wir alle uns immer intensiver beschäftigen. Die Öko-Autos der Zukunft werden attraktiver. Aber der Tesla-Roadster, ein hoch emotionales Auto, das reinen Fahrspaß liefert, zeigt ja schon auf, in welche Richtung sich das Thema Ökologie auch entwickeln kann.

Also werden Öko-Autos der Zukunft ansehnlicher?

Schreyer: Es wird so sein wie schon so oft in der Vergangenheit bei neuen Entwicklungen: Irgendwann gab es mal die Frage ,Kaufe ich mir noch einmal einen Schwarzweiß- oder doch schon einen Farbfernseher’, dann ,Kaufe ich mir noch einen Röhrenfernseher oder schon einen Flachbildschirm’. Noch kann man entscheiden zwischen einem ,normalen’ Auto und einem Öko-Auto. Die Entwicklung geht aber rasend schnell weiter. Bald wird es nur noch effektive, sparsame Autos geben. Dann fährt jeder ganz automatisch ein Öko-Auto, ein sehr attraktives.

Es heißt immer, Designer lebten eine oder zwei Auto-Generationen weiter in der Zukunft. Wie weit sind Sie?

Schreyer: Wir beschäftigen uns natürlich immer geistig mit der Zukunft, arbeiten aber in der Realität. Wir sind sogar mit sehr viel Arbeit an aktuellen Projekten eingedeckt.

Wie sehen die Autos in 20 Jahren aus, sind sie noch vergleichbar mit den heutigen?

Schreyer: Ich wäre ein Hexer, könnte ich das heute schon beantworten. Aber ich kann sagen, dass sich viel tun wird. Vergleichen wir die Autos von heute mit denen von vor 20 Jahren. Das ist ja ein Wahnsinnsunterschied. Vielleicht werden wir in 20 Jahren rückblickend sagen ,Was hat sich seit 2009 alles getan’. Denn die kleinen Fortschritte, die jedes neue Fahrzeug mit sich bringt, nimmt man nicht so wahr wie beim Blick zehn, 15 oder 20 Jahre zurück.

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