Montag, 16. Juli 2018
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Die Elektromobilität und ihre Folgen: Ein Ausblick

erstellt am 13.07.2018 um 16:40 Uhr
aktualisiert am 13.07.2018 um 16:45 Uhr | x gelesen
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FÜR DIE HERSTELLER

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte es bei der diesjährigen Hauptversammlung des Autobauers auf den Punkt gebracht: „Mehr Elektroautos sind gut für die CO2-Bilanz. Aber nicht so gut für unsere Konzernbilanz − jedenfalls vorübergehend.“ Der Einstieg in die Elektromobilität ist aber nicht nur finanziell ein Kraftakt. Auch organisatorisch sind große Herausforderungen zu meistern: Denn während man einerseits Batteriefahrzeuge entwickelt, muss man noch viele Jahre gleichzeitig den Verbrennungsmotor auf dem neuesten Stand halten – ein schwieriger Spagat. Jahrzehntelang galten deutsche Premiumfahrzeuge als Krone des Automobilbaus, Schritt für Schritt hatte man die Verbrenner-Technik perfektioniert. Doch mit Aufkommen der E-Autos werden die Karten neu gemischt. Den Ruf der „Auto-Nation“ zu verteidigen wird eine Mammutaufgabe.

FÜR DIE ZULIEFERER

Ähnlichwie dieHersteller selbst, befinden sich auch viele Zulieferer im Umbruch. Die großen der Branche – etwa Bosch, ZF und Continental – mischen längst auch bei E-Antrieben und der Plug-in-Hybrid-Technologie mit. Dennoch ist auch für sie derWandel hin zur E-Mobilität ein kräftezehrendes Abenteuer. Enorme Probleme drohen laut der Studie ELAB 2.0 vor allem kleineren und mittelständischen Zulieferern, besonders wenn sie sich ausschließlich auf Teile für Verbrennungsmotoren spezialisiert haben. Denn: Ein Elektroauto ist deutlich weniger komplex als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Deshalb werden künftig wesentlich weniger Komponenten benötigt, wie unsere Grafik in der Mitte der Seite zeigt. Nicht nur Motorenbauteile wie Turbolader, Kolben, Zahnriemen oder Zündkerzen werden nicht mehr gebraucht. Auch beispielsweise Tank, Kraftstoffleitungen, Getriebe und Auspuffanlage werden überflüssig. Auf die „zweite Lieferkette“ wird sich die E-Mobilität ebenfalls auswirken – also etwa Hersteller vonRobotern und Maschinen für den Fahrzeugbau oder beispielsweise Schmiermittelproduzenten.

FÜR DIE MITARBEITER

Flexibilität wird künftig wohl in vielen Branchen stärker gefordert sein – der Digitalisierung sei Dank.Doch für Mitarbeiter in der Autobranche gilt dies verstärkt. Für viele Beschäftigte werden im Zuge des Wandels hin zur E-Mobilität nicht nurWeiterbildungen anstehen, sondern Umschulungen. In manchen Abteilungen wird das für den ein- oder anderen einen kompletten Neuanfang bedeuten. Denn teilweise ist völlig anderes Wissen gefragt. Gerade langjährigen Mitbarbeitern ist so etwas nicht einfach zu vermitteln. Der Weg zu diesem „mentalen Wandel“ wird für Mitarbeiter und die Unternehmen ein Schlüssel für die Zukunft sein. 

FÜR DIE WERKSTÄTTEN

Wenn die Inspektion ansteht, treibt das vielenAutofahrern den Schweiß auf die Stirn. Ein Ölwechselhier, ein Filterwechsel da.Und, ach ja: Die Bremsen sind auch runter. Das kann mitunter teuer werden. Für die Werkstätten bedeutet der Tausch von Verschleißteilen aber einen Großteil des Umsatzes. Natürlich müssen auch E-Fahrzeuge gewartet werden – aber Experten rechnen mit signifikant niedrigeren Kosten. Denn ein Ölwechsel beispielsweise steht beim E-Auto nicht an. Es müssen auch keine Zahnriemen getauscht und Zündkerzen erneuert werden. Gleichzeitigmüssen die Werkstätten aber im Zuge der E-Mobilität investieren: Zum einen in entsprechendes Werkzeug, zumanderen in die Qualifizierung der Mitarbeiter.

FÜR DIE KUNDEN

Für sie bedeutet E-Mobilität vor allem eines: umdenken. Viele können aktuell mit Angaben wie Ladeleistung oder Batteriekapazität wenig anfangen. Deswegen sollte man sich vor dem Kauf eines E-Autos gründlich informieren. Besonders das Laden ist ein heikles Thema – denn die meisten werden ihren Stromer zu Hause betanken wollen. Dafür braucht es aber entsprechende Anschlüsse. Wer sich nicht auskennt sollte sich deshalb unbedingt einen Experten ins Haus holen, der feststellen kann welche Ladeleistung daheim zur Verfügung steht – und was es kostet, entsprechende Anschlüsse nachzurüsten.

FÜR DIE TANKSTELLEN

Sollten sich E-Fahrzeuge zunehmend durchsetzen, dürfte die Zahl der Tankstellen nach und nach zurückgehen – selbst, wenn dort neben Benzin, Diesel und Gas künftig Strom angeboten wird. Denn vermutlich werden die meisten E-Auto- Besitzer ihr Fahrzeug die meiste Zeit zuHause laden – oder auf der Arbeit. Gibt es also signifikant mehr Elektroautos, dürfte sich das Tankstellennetz ausdünnen – was E-Autos dann möglicherweise wiederumnoch attraktiver macht.

FÜR DIE TUNER

Es gab Zeiten, da war der erste Weg nach dem Gebrauchtwagenkauf zum Elektronikhändler: Eine neue Soundanlage musste her. Inzwischen macht das kaum noch jemand – denn die standardmäßig verbauten Anlagen sind meist bereits auf hohem Niveau. Auch wird ein Eingriff wegen der Integration von Navi, Telefon und anderen Funktionen immer schwieriger. Professionellen Fahrzeugtunern könnte es im Zuge der E-Mobilität ähnlich ergehen. Nicht nur weil der Zugang schwierig sein dürfte, sondern auch, weil es schlichtweg überflüssig sein dürfte: Ein E-Auto beschleunigt in der Regel ohnehin extrem rasant.
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