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Daimler muss europaweit 774.000 Diesel-Fahrzeuge zurückrufen

erstellt am 11.06.2018 um 16:58 Uhr
aktualisiert am 02.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Der Autobauer Daimler muss wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen deutschlandweit 238.000 Fahrzeuge zurückrufen. Die Bundesregierung ordnete am Montag einen amtlichen Rückruf mehrerer Diesel-Modelle an.
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Der Autobauer Daimler muss wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen deutschlandweit 238.000 Fahrzeuge zurückrufen. Die Bundesregierung ordnete am Montag einen amtlichen Rückruf mehrerer Diesel-Modelle an, von denen europaweit sogar 774.000 Autos betroffen sind, wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach einem Treffen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche in Berlin mitteilte. Demnach kooperiert Daimler mit den Behörden.

Vertreter des Ministeriums und von Daimler hätten "intensiv und stundenlang verhandelt", sagte Scheuer im Anschluss an das Treffen. Er sei "froh", erklären zu können, dass der Rückruf angeordnet werde. Neben dem Mercedes-Van Vito sind demnach auch Modelle des Geländewagens GLC und der C-Klasse von Mercedes betroffen.

Daimler bestätigte den Rückruf. Offene Rechtsfragen würden im Widerspruchsverfahren geklärt, erklärte der Autobauer weiter, ohne sich zu Details zu äußern.

Zetsche war am Montag ins Ministerium einbestellt worden. Scheuer hatte dem Konzernchef bei einem ersten Treffen eine Frist von zwei Wochen eingeräumt, um den Vorwurf von Abgasmanipulationen zu klären. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte am 23. Mai den Rückruf von weltweit zunächst rund 5000 Vito-Fahrzeugen wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen angeordnet, es gab aber bereits mehrere Medienberichte, wonach außer dem Vito weitere Modelle und außerdem mehrere hunderttausend Fahrzeuge betroffen sein könnten.

Scheuer sagte am Montag nach dem Treffen weiter, Daimler habe erklärt, dass mit "maximalem Abarbeitungstempo und in kooperativer Transparenz mit den Behörden die vom Bund beanstandeten Applikationen in der Motorsteuerung beseitigt werden".

Die Linke kritisierte, dass es "keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Autoindustrie aus dem fortwährenden Dieselskandal" gebe. Die Bundesregierung lasse der Industrie "jeden Massenbetrug ungestraft durchgehen", erklärte die Linken-Verkehrsexpertin Ingrid Remmers. Dabei habe sie die "gesetzlichen Grundlagen, um die Industrie zur Hardware-Nachrüstung zu verpflichten und Strafzahlungen zu erlassen".

Zuvor hatte bereits die Vertretung der Daimler-Belegschaft die Konzernspitze kritisiert. "Wir erleben in allen Werken derzeit deutlich, dass mit jeder neuen Nachricht das Vertrauen abnimmt", sagte der Betriebsratsvorsitzende des Motorenwerks in Untertürkheim in Stuttgart, Wolfgang Nieke, den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung". Die größte Sorge der Belegschaft sei, "dass rund um das Thema Abgas noch viel mehr auf den Tisch kommen könnte als bisher bekannt".

Zetsche habe am Anfang des Dieselskandals gesagt, "dass bei uns nicht betrogen wird", sagte Nieke weiter. "Darauf haben sich die Beschäftigten verlassen." Seitdem hätten die Behörden aber immer mehr Motoren von Daimler ins Visier genommen.

Ins Rollen gekommen war der Diesel-Skandal durch das Eingeständnis von Volkswagen, weltweit in rund elf Millionen Dieselautos unterschiedlicher Marken eine illegale Software zur Manipulation der Abgaswerte eingebaut zu haben. Seitdem gerieten mehr und mehr Autobauer ins Visier.

Berlin (AFP)
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