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Neuburg: Leiche aus Autowrack soll Mordopfer Rudolf Rupp sein

erstellt am 10.03.2009 um 22:22 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 13:17 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Heute Nachmittag wurde bei der Rechtsmedizin in München die gestern aus der Donau geborgene Leiche obduziert. Nach vorläufigen Ergebnissen dürfte es sich dabei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um den seit 2001 vermissten Landwirt Rudolf Rupp handeln.
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teleschau vom 11. März 2009 - 001
 
Endgültige Aufklärung darüber soll eine DNA-Analyse ergeben, die noch einige Tage in Anspruch nehmen wird.

Als die Neuburger Polizei gestern Vormittag ein Großaufgebot am Stausee Bergheim versammelt, geht es zunächst nur um die Bergung zweier Schrottautos. Der Kraftwerksbetreiber E.ON hatte gemeldet, bei Routinemessungen mit neuen Echoloten zwei Autoumrisse entdeckt zu haben. Das war bereits im September 2008. Im Februar 2009 ging die Nachricht an die Polizei. Die hatte keine Eile, denn an den Rupp-Fall dachte man nicht ernsthaft. 

In einem Sarg wird das aus der Donau geborgene Skelett abtransportiert. - Foto: Rein
Gegen 10.30 Uhr änderte sich die Lage. Die Ermittler gaben Nachrichten ans Polizeipräsidium Ingolstadt durch. Immer mehr Kripobeamte erschienen an der Bergheimer Schleuse. Der Pressesprecher erschien, der Polizeidirektor, der Vize-Polizeipräsident und am Schluss Staatsanwaltschef Helmut Walter und sein Kollege Christian Veh – der Sachbearbeiter.

Skelett mit kariertem Hemd

Für den 25 Jahre alten Opel Rekord, den der Unimog der Bereitschaftspolizei Dachau aus der Donau hob, interessierte sich zu diesem Zeitpunkt keiner mehr. Alles konzentrierte sich auf den Mercedes, der nur sieben, acht Meter von der Stauseetreppe entfernt in der Donau ruhte. Die Ermittler waren wie elektrisiert, nachdem ein Taucher das Nummernschild abgelesen hatte: ND – AE 265, das Kennzeichen von Rupps Wagen.
Fotostrecke: Rudi Rupps Auto in der Donau gefunden
 
 

Bevor der Mercedes mit dem Heck an der Oberfläche auftauchte, erteilte der Neuburger Polizeichef allen Medienvertretern Platzverweis. Am Haken eines privaten Abschleppwagens schwebte das versenkte Auto langsam über die Wasserfläche. Der früher silberfarbene Wagen war braun veralgt, innen fast bis an das Dach mit Schlamm gefüllt. Die Taucher hatten ein Luftkissen ins Wageninnere gepresst. Plötzlich brach die Windschutzscheibe und der Oberkörper des Skeletts fiel mit dem Schlamm in den Stausee. Ein kariertes Hemd war zu erkennen. 

Nach der Bergung die erste Feststellung der Kripobeamten: Der Schädel des mutmaßlichen Opfers weist keine sichtbaren Verletzungen auf. Klarheit erwarten sich Ermittler heute von der DNA-Analyse und gerichtsmedizinischen Erkenntnissen. Ist es Rudolf Rupp? Der Ingolstädter Polizeisprecher Heinz Rindlbacher legt sich noch nicht fest: "Wer haben eine tote Person geborgen. Die Identität steht nicht fest." 

Für die Beobachter freilich gibt es kaum mehr Zweifel, dass das seit Oktober 2001 vermisste Opfer aus dem Neuburger Stadtteil Heinrichsheim gefunden worden ist. Damals hatte die heute 53-jährige Ehefrau Rupp als vermisst gemeldet. Am 13. Januar 2004 griffen Kripo und Staatsanwalt zu und durchsuchten das Wohnhaus der Familie. Die beiden Töchter, heute 20 und 23 Jahre alt, gaben im Verhör zu, dass der Vater daheim zu Tode gekommen sei. Der Verlobte der Älteren legte in der Untersuchungshaft schließlich ein Geständnis ab: Er habe den betrunken heimgekommenen Rudolf Rupp im Streit mit einem Kantholz erschlagen. Später widerrief er das Geständnis. Im Mai 2005 fällte das Landgericht Ingolstadt das Urteil gegen Matthias E. und Hermine Rupp: je achteinhalb Jahre Haft für gemeinschaftlich begangenen Totschlag. Der 24-Jährige sitzt heute in Kaisheim hinter Gittern, die Ehefrau in Aichach. Die beiden Töchter, wegen Beihilfe verurteilt, sind inzwischen wieder frei und haben Neuburg verlassen.

Angelschnüre am Auto
 
Der "Mord ohne Leiche" dürfte vor dem Abschluss stehen. Alle Schauergeschichten über die Beseitigung des Opfers sind seit gestern Fiktion. Der 52-Jährige war weder zerstückelt und seinen fünf Dobermännern vorgeworfen noch an Schweine verfüttert worden. Ebensowenig hatte ihn ein mitbeschuldigter Schrotthändler aus dem Donaumoos mitsamt dem Mercedes in Osteuropa entsorgt. Der Mann hatte sich deswegen wegen Beihilfe vor dem Schöffengericht Neuburg verantworten müssen.
 
Das erste – später widerrufene – Geständnis des 24-jährigen Haupttäters hat sich wohl als richtig erwiesen: Man habe den toten Landwirt in seinen Mercedes auf den Beifahrersitz geladen, nachts weggefahren und in einem Gewässer versenkt. Über 20 Tauchtage absolvierten die Ermittler im Frühjahr 2004 in und an den Gewässern zwischen Neuburg, Bergheim und Irgertsheim. Im April 2004 suchten Polizeitaucher direkt an der Schleusentreppe Bergheim – und fanden nichts, obwohl der Mercedes vermutlich greifbar nahe lag. Kurz darauf legte sich die Sonderkommission fest: "Im Wasser ist er nicht." Erst die modernen Echolote der E.ON- Leute brachten nun die Wahrheit ans Licht.
 

Die Treppe an der Staustufe ist ein beliebter Angelplatz. Die Freizeitfischer hatten keine Ahnung, was sich dort außer den begehrten Hechten jahrelang noch im Wasser befand. Dabei hatten sie indirekt immer wieder Kontakt mit dem Auto Rupps: Davon zeugten gestern etliche abgerissene Blinker und Angelschnüre an der Karosserie des geborgenen Wagens auf dem Donaudamm.
 


Von Winfried Rein
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