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Muttertag ist am 11. Mai – oder doch nicht?

erstellt am 24.01.2008 um 21:52 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 13:19 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Angela Holsten ist eine fürsorgliche Mutter und Großmutter. Deshalb sucht die Ingolstädterin für die Konfirmationsfeier ihrer Enkeltochter am 4. Mai auch ein angemessenes Lokal, und findet es auch. Das Cafe "M" soll es sein. Also reserviert Angela Holsten in der Gaststätte einen Tisch. Aber aus der Reservierung wird nichts. Café-Inhaber Markus Sebald könne für die Konfirmationsfeier keinen Tisch bereit stellen, weil an diesem Tag der alljährliche Muttertagsbrunch stattfindet.
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Aufatmen: In fast allen Bundesländern können am Muttertag Blumen gekauft werden. - Foto: dpa
Angela Holsten ist verwundert. Glaubt sie ihrem Kalender, ist Muttertag erst am 11. Mai. Oder sollte etwa doch Sebald Recht haben? In seinem Kalender steht der Muttertag am 4. Mai? In ganz Deutschland herrscht Unklarheit über den genauen Termin für den Ehrentag der Mütter. Dabei ist er eigentlich beschlossene Sache: Der Muttertag wird jedes Jahr am zweiten Sonntag im Mai gefeiert. So hat es der deutsche Einzelhandel vor vielen Jahren festgelegt. In diesem Jahr ist das also der 11. Mai, da ist auch Pfingstsonntag. Eine Situation, die es in der Vergangenheit so schon zwei Mal gab – 1978 und 1989.

Im Jahr 1949 wurde deshalb beschlossen, dass in einem Fall wie diesem ein Ausweichtermin gesucht werden kann. Die logische Folge: Im vergangenen Jahr ist eine ausgiebige Diskussion entbrannt. Eine Initiative des deutschen Einzelhandels, den Muttertag 2008 eine Woche nach vorne zu verlegen, scheiterte aber am Einspruch der Kalenderverlage: Die hatten nach eigenen Angaben die Kalender für 2008 bereits gedruckt.

Aber es kam noch dicker: Weil die Ländergesetze in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Berlin, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern die Ladenöffnung am Pfingstsonntag untersagen, und damit in diesem Jahr an Muttertag, rechneten die Geschäftsinhaber mit enormen Einbußen bei den Einnahmen. Vor allem Floristen und Süßwarenhersteller befürchteten ein riesiges Desaster.

Schließlich ist der Muttertag in dieser Branche der wichtigste und umsatzstärkste Tag im ganzen Jahr. Nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle verkauften Blumenhändler in der Muttertagswoche im Jahr 2006 Schnittblumen für rund 130 Millionen Euro. "Muttertag ist damit für den Einzelhandel wichtiger als Halloween und Valentinstag zusammen", propagierte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), damals die Verlegung des Termins.

Blumen für Bayern

Während in den fünf Bundesländern noch immer gezittert wird, können die bayerischen Floristen dem Muttertag gelassen entgegensehen: "Auch in diesem Jahr werden in Bayern am Muttertag Blumen verkauft werden dürfen", sagt die stellvertretende Pressesprecherin des Bayerischen Arbeits- und Familienministeriums, Hanna Piche. "Wie in den vergangenen Jahren, werden wir die Öffnung von Blumenverkaufsstellen für diesen Tag, den Pfingstsonntag, genehmigen." Wer sich jetzt denkt, "da kauf’ ich am Vormittag schnell noch ein paar Blumen", kann sich also beruhigt am 11. Mai noch auf den Weg machen.

Auch in den betroffenen Bundesländern gibt es jetzt erste Entwarnung: Zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen wird es für den Muttertag eine Ausnahmegenehmigung geben, welche die Ladenöffnung am Pfingstsonntag erlaubt. "Für Floristen und Bäcker wird es eine Sonderregelung geben”, gab Joachim Neuser vom Nordrhein-Westfälischen Wirtschaftsministerium bekannt. "Die Mütter sollen ihre Blumen und ihren Kuchen bekommen. An uns soll’s nicht liegen", so Neuser.

Inzwischen haben sich alle Gemüter wieder beruhigt. Der Muttertag bleibt da, wo er hingehört. Am zweiten Sonntag im Jahr. Nur Markus Sebald vom Ingolstädter Cafe "M" fühlt sich ein bisschen hintergangen: "Bei mir steht’s schwarz auf weiß im Kalender, dass am 4. Mai Muttertag ist", sagt Sebald. In anderen Kalendern dagegen steht der Muttertag an der richtigen Stelle – am 11. Mai. "Ich finde es sehr schwach, dass es keine Richtigstellung von Seiten der Kalenderverlage gibt", so Sebald. "Wenn man schon für vier oder sechs Euro einen Kalender kauft, dann darf man eine Berichtigung durchaus erwarten."

Wenn ihn Angela Holsten nicht auf den Irrtum in seinem Kalender hingewiesen hätte, würde Sebald am 4. Mai vielleicht vergeblich auf Kundschaft warten. Zudem hat die Geschichte für beide Seiten etwas Gutes: Markus Sebald veranstaltet seinen Brunch am richtigen Tag, und Angela Holsten bekommt an der Konfirmation ihrer Enkelin doch noch einen Tisch.

Von Roland Münch
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