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Fliegender Star

erstellt am 19.01.2009 um 21:12 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 13:17 Uhr | x gelesen
Manching (DK) Zumindest das historische Umfeld sollte möglichst perfekt und real sein: Wenn der Tom-Cruise-Streifen "Operation Walküre" um das Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler im Jahre 1944 ab Donnerstag auch in die deutschen Kinos kommt, sind auch zwei Me-109-Jagdflugzeuge aus dem Manchinger Messerschmitt-Museum zu sehen. Die Flugaufnahmen sind nämlich entgegen neueren Hollywood-Gewohnheiten nicht am Computer entstanden, sondern wurden mit historischem Fluggerät abgedreht. Im Cockpit eines der "Veteranen": Ausnahmepilot Walter Eichhorn aus Hessen, der gerade auch von vielen Flugtagen in Manching her etlichen Luftfahrtfreunden bekannt ist.
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Tom Cruise als Graf von Stauffenberg vor einer Ju 52. - Foto: UA
Cruise, der den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielt, und Eichhorn verstanden sich auf Anhieb – der Weltstar aus den USA und die Pilotenlegende aus Deutschland. Am Rande des Sets steckten die beiden häufiger die Köpfe zusammen. Cruise gilt selber als erfahrener Pilot mit einem Faible für Klassiker. Er besitzt eine P-51 Mustang, so etwas wie das US-amerikanische Gegenstück zur Me 109 aus Weltkriegstagen.

Schwierige Beschaffung

Ein wesentlicher Teil der Außenaufnahmen für "Walküre" wurde im Sommer 2007 im Umfeld von Klein-Köris, 55 Kilometer südlich von Berlin gelegen, abgedreht.

Das Leinwand-Epos schildert die dramatischen Ereignisse um das gescheiterte Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944. Kuriosum am Rande: Der 20. Juli ist Walter Eichhorns Geburtstag – er kam allerdings bereits 1936 (in Jever) zur Welt und kann sich noch gut an den Tag des Attentats erinnern.

Der Dreh hatte 2006 eine knappe Woche vor dem denkwürdigen Jahrestag begonnen. Schon zum Auftakt konnte man historische, in den Originalfarben der damaligen deutschen Luftwaffe lackierte Weltkriegsflugzeuge mit dem charakteristischen Balkenkreuz vom nahegelegenen Feldflugplatz Löpten starten und am Himmel kreisen sehen: zwei Ju-52-Transporter und zwei Messerschmitt-109-Jäger.

Die historischen Transportflugzeuge zu organisieren, war das kleinere Problem. Die beiden gecharterten "Tante Ju" drehen seit Jahren von der Schweiz aus ihre Runden über Europa. Schwieriger wurde es da schon bei den Jagdflugzeugen. Von der Me 109 gibt es weltweit nämlich nur noch eine Handvoll flugfähiger Originalexemplare. Und die in Manching beheimatete und zum EADS-Konzern gehörende Messerschmitt-Stiftung weiß sich glücklich, inzwischen drei dieser Maschinen ihr eigen zu nennen.

Eine Maschine davon, und zwar die Me 109 G-6 ("Gustav"), der Filmcrew zu überlassen, waren die Manchinger schließlich bereit gewesen. Und es gibt derzeit in Europa nur einen Mann, dem sie dieses auf mehrere Millionen Euro versicherte Kleinod für diesen Auftrag anvertrauen mochten: eben Walter Eichhorn. Kein anderer aktiver Pilot weltweit hat so viel Flugerfahrung auf und mit diesem Muster. "Per Du" mit der Me 109 ist der frühere Lufthansa-Pilot, der sich seine ersten aeronautischen Meriten in den 50er Jahren als Buschpilot in Kanada erworben hatte, seit 1986.

Routine zählt

Der Flugauftrag im Rahmen der Dreharbeiten war für Eichhorn Routine. Auf den ersten Blick fliegerisch nichts Anspruchsvolles. So etwas erledigen er und sein Rottenflieger, ein aus England kommender Kollege, mit links. Ihre Mission: Zwei Ju 52 zu eskortieren, was sich angesichts deren Langsamkeit aber dennoch als nicht ganz einfach erwies.

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Filmemacher die Dienste des heute 72-jährigen Piloten in Anspruch nahmen. Bereits 1988 stand, besser flog Walter Eichhorn mit einer Me 109 vor der Kamera – in dem aufwändig inszenierten Kriegsfilm "Memphis Belle", in dem es um die Besatzung eines amerikanischen B-17-Bombers geht. Zuvor hatte er mit der selben Maschine in einer britischen Fernsehserie um eine Spitfire-Staffel während des Zweiten Weltkriegs (Titel: "Peace of Cake") den "bösen Deutschen" markiert.

Von Jürgen Heimann
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