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"Ein solches Zeichen war überfällig"

erstellt am 04.11.2007 um 21:50 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 13:19 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) In Internetforen, am Telefon, via Email und nicht zuletzt im persönlichen Gespräch – die geschwärzte Titelseite des DONAUKURIER vom Wochenende brachte viele Menschen dazu, ebenfalls ihren Unmut über die geplante Einschränkung des Grundrechte und der Pressefreiheit zu äußern. Im Folgenden dokumentieren wir einen Auszug der Äußerungen und Kommentare, die uns zu diesem Thema erreicht haben. Der weit überwiegende Teil war im Übrigen positiv. Auch wenn wir hier nur einen kleinen Teil der Aussagen veröffentlichen können, danken wir allen, die dem Aufruf gefolgt sind und sich mit der Aktion von Verlag und Redaktion solidarisch erklärt haben.
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Donaukurier erscheint mit schwarzer Titelseite
Ausdruck des Protestes: Die Wochenendausgabe des DONAUKURIER und seiner Heimatzeitungen erschien mit einer geschwärzten Titelseite. Verlag und Redaktion wollten damit ihrem Protest gegen die geplante Vorratsspeicherung von Kommunikationsdaten und die Einschränkung der Pressefreiheit Ausdruck verleihen. Die Reaktionen auf diese bundesweit einmalige Aktion waren überwiegend positiv. - Foto: dpa
A3483 Matthias Schrader (dpa)
Ihre Aktion mit der geschwärzten Titelseite finde ich SEHR SEHR gut! Schön, dass sich manche heutzutage doch noch etwas trauen und nicht nur noch Mitläufer oder DPA 1:1-Sklaven sind! Vielen Dank!!!

Thomas Kocher

Mein Urgroßvater hat im Dritten Reich für diese Rechte gekämpft und damit sein Leben riskiert. Ich dachte niemals, dass wir in dieser Republik noch einmal Widerstand gegen den Staat leisten müssten. Danke!

Sylva Böse (Wolfsburg)

Dass Journalisten nur noch "Berufsgeheimnisträger" zweiter Klasse sein sollen, dient unserem Rechtsstaat nicht – im Gegenteil, wichtige Informationen für die Öffentlichkeit werden in Zukunft eher zurückgehalten. Hier wäre spätestens mein Mann als Journalist und langjähriger Geschäftsführer der Deutschen Journalistenunion tätig geworden, der sein Leben lang für die Grund- und Freiheitsrechte eingetreten ist. Als Bundestagsabgeordneter hat er von 1990 bis 2004 für diese Prinzipien gekämpft.

Gerda Büttner (Ingolstadt)

 
  Endlich, endlich, Herr Schmatloch, finden Sie die richtigen Worte zu diesem Überwachungsstaat. Wie lange lassen sich die deutschen noch mündigen Bürger diese Bevormundung gefallen? Die Überwachungs-und Reglementierungswut unserer Bürokraten und Politiker stellt allmählich alles in der DDR gewesene in den Schatten. Ich kann nur an die Bürger appellieren, nicht mehr alles hinzunehmen. Machen Sie weiter so !!

Bernhard Holzner, (Schweitenkirchen)

Ich traute meinen Augen kaum – ein Protest – und das in Deutschland – ist da jemand wach geworden? Glückwunsch an das Donaukurier-Team zu dieser Aktion.

Robert Mushack (Ingolstadt)

Ich unterstütze Ihren Protest nachdrücklich. Die so genannten "Politiker" verlieren seit langem den Bezug zur Realität.

Michael Spreng, (Nassenfels)

Spät, aber vielleicht nicht zu spät, reagiert auch die Presse auf die Vorhaben eines durch sein eigenes Attentat traumatisierten Innenministers. Nicht einen Terroristen wird so ein Gesetz von seinem Tun abhalten! Die Paragrafen 5, 10 und 13 unseres Grundgesetzes dürfen nicht zur Disposition gestellt werden – das hat Deutschland schon einmal erleben müssen.

Reinhard Kren (Ingolstadt)

Ich wünsche Ihnen viel Glück bei Ihrem Protest und unterstütze Ihren Protest sehr nachdrücklich! Das Schlimmste scheint, dass alle Vertreter der Politik – auch die auf der kommunalen Ebene – mittlerweile keinen Bezug mehr zu denen halten, die sie wählen. Ich war einmal politisch in einem der Ortsvereine einer der beiden derzeitigen Regierungspartei aktiv und würde mich ja gerne wieder engagieren – wenn ich wüsste wofür!

Norbert Bednarik, (Hilpoltstein)

Seit Jahren kann man verfolgen, dass die Rechte der Bürger unseres Staates ganz allmählich beschnitten und eingeschränkt werden. Man denke an den "gläsernen" Bürger, an das viel diskutierte und nun durchgesetzte Rauchverbot, an den biometrischen Fingerabdruck und ähnliches. "Big Brother is watching you" dürfte bald keine Fiktion mehr, sondern reale Wirklichkeit sein, zumindest sind wir auf dem besten Weg dahin . . . !

Gabriele Schmid, (Reichertshofen)

Ich kann Ihnen zu dieser couragierten und mutigen Stellungnahme gegen die subtile Zerstörung unsere Demokratie nur meine Hochachtung und vollste Unterstützung aussprechen. Wer nicht weiß, wovon hier die Rede ist, der spreche mit "freien" amerikanischen Staatsbürgern, die dank der umfangreichen Überwachungsmaßnahmen heute schon Angst haben, Ihre Meinung in Telefonaten, Briefen oder Emails zu äußern und dies besser nur noch unter vier Augen tun.

Walter Hiller (Ingolstadt)

Ihr Artikel heute Morgen hat mich beeindruckt. Dass Telefonanrufe etc. sechs Monate lang gespeichert werden sollen, war mir bereits bewusst, nur die Tragweite dieses Gesetzes war mir unklar. Ich bin erst 14 Jahre alt und lese eher selten Zeitung, doch als ich die schwarze Titelseite gesehen habe, wurde ich aufmerksam. Solange wir nicht, auf gut Deutsch "das Maul aufreißen", müssen wir wohl demnächst auf unsere Rechte und auf unsere Freiheit verzichten.

Sebastian Rehm

Liebe Tante Donaukurier, seit langen Jahren habe ich dich nun schon abonniert und mich daran gewöhnt, dass du offenbar ein braves, angepasstes und staatstragendes Wesen bist, bei dem normalerweise keine Überraschungen zu erwarten sind. Und plötzlich fängst du mit dem heutigen Tage an, zickig aufzumucken und deinen Unmut auf bundesweit einzigartige Weise herauszuschreien? Wie schön! :-)

Rainer Nissen

Sie fördern Terrorismus und organisierte Kriminalität. Sie stehen auf der falschen Seite. Warum engagieren Sie sich bloß für die Feinde der Freiheit? Der Fingerabdruck auf dem Pass schadet nur dem Verbrecher. Den wollen Sie schützen.

Günter Meindl

Endlich ein deutlicher und unübersehbarer Protest gegen die schleichende Ent-Demokratisierung in unserem Land. Kaum einer hat es noch wahrgenommen, wie immer mehr Grundrechte beschnitten wurden. Bei Diskussionen hörte man nur noch: "Mich betrifft es nicht, ich bin kein Krimineller. Die werden schon wissen, warum das alles sein muss." Als 1968 die Notstandsgesetze erlassen wurden, ist die Jugend noch aufgestanden, wir sind als nahezu vollständige Abiturklasse während der Unterrichtszeit zur Demonstration gegangen. Heute hat man das Gefühl, es interessiert niemanden, was da passiert.

Ingrid Hetzler

Vielen Dank für Ihre Berichterstattung zu diesem höchst brisanten Thema! Jedoch hätte ich mir gewünscht, dass deutlicher darauf hingewiesen wird, dass diese Bedrohung nicht nur der Presse gilt, sondern JEDEM, der per Telefon, Email oder Handy kommuniziert oder sich im Internet bewegt. Der breiten Öffentlichkeit scheint die Bedrohung durch die Vorratsdatenspeicherung, Biometrie in Ausweisdokumenten, Gesundheitskarte und Videoüberwachung noch nicht vollständig bewusst zu sein. Anders lässt sich der Ansturm auf die boomenden Social Networks des Internets, wie zum Beispiel StudiVZ, MySpace oder Xing kaum erklären. Die Unbekümmertheit, mit der die Nutzer dort persönliche Daten und intime Details ihres Privatlebens verbreiten, kann Datenschützern nur den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

Andreas Schlapfner, (Eichstätt)

Unter dem Deckmantel der Terror- und Kriminalitätsbekämpfung wird eine ganze Nation unter Generalverdacht gestellt. Wie paranoid ist denn unsere Regierung? Für wie blöd werden die Bürger gehalten? Leider hatten wir das alles schon einmal in anderer Form und Intensität.

V. Burk (Vohburg)

Nicht nur unsere führenden Politiker vergessen allzu gerne, dass der Staat wir alle sind. Nicht eine abgehobene Schar von Berufspolitikern, sondern jeder einzelne von uns bestimmt Gesetze und die Zukunft unseres Landes: Das Volk ist der Souverän – alle Staatsgewalt geht vom Volke aus! (Artikel 20 (2) GG). Leider stehen als Volksvertreter oft nur abnickende Parteisoldaten zur Wahl; viele von ihnen können oder wollen die Tragweite ihrer Entscheidungen nicht absehen. Aufwachen, meine Damen und Herren Politiker, Sie vertreten uns und werden dafür gut bezahlt!

Karl-Heinz Enzenberger, (Tegernbach)

Besser wie mit Ihrer Titelseite kann man das Vorhaben dieser großen Koalition nicht kommentieren. Frau Zypries wäre besser Sennerin geworden, dann könnte sie den Käse, den sie verzapft, selber schlucken.

Michael Selbmann, (Ingolstadt)

Diese Art der Polemik kannte ich bislang nur von einem großen Hamburger Boulevardblatt! Ihre Schwarzmalerei erinnert an die Weltuntergangs-Mahner, die in schlechten Filmen immer vor dem U-Bahn-Abgang stehen. Das Instrument der TKÜ ist ein scharfes Schwert im Kampf gegen das Verbrechen und gibt eben diesen von Ihnen gescholtenen Gewalten im Staat die Möglichkeit, die Rechte des Einzelnen und der Gemeinschaft zu schützen, und leistet somit einen Beitrag zum Erhalt der Ihrer Meinung nach so bedrohten freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Thomas Grießhammer, (Gaimersheim)

Sie haben völlig recht. Auch in den Niederlanden ist derselbe Angriff gegen unsere Freiheit im Gange.

R.M. Brockhus, (Redaktion der Sozialen Datenbank Niederlande)

Es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis in jeder Redaktion ein Regierungsbeamter sitzt, der alle Artikel abzusegnen hat, bevor diese in Druck gehen können. Aber wie sollte man heutzutage auch "richtig" wählen, wenn das pluralistische System nur noch ein Schatten seiner Selbst ist? Die Parteiprogramme unterscheiden sich inzwischen nur noch in oberflächlichen Kleinigkeiten, wie die Meinung über die Reichensteuer, die, im Hinblick auf den generellen Verfall der Demokratie, wirklich nur noch lachhaft wirkt. Aber es scheint sich weiterhin niemand zu trauen, dem Paroli zu bieten.

Melanie Ertl

In der Schule wurde mir beigebracht, dass Terror ein anderes Wort für Angst ist. Und wie sich Terror auswirkt haben wir in den letzten Jahren sehr gut sehen können… (Anschläge auf das WTC, Bombenattentate in Madrid und London, geplante Attentate in Deutschland, usw.). Doch es gibt meiner Ansicht nach noch eine andere Form von Terror, einen Terrorismus ohne spürbaren Gewalteinfluss. Der Terror bzw. die Angstmache welche die Regierungen auf uns ausüben.

Sebastian Schneider

Durch heise.de bin ich auf Ihre Aktion aufmerksam geworden. Ich finde es einen sehr mutigen Schritt, vor dem man nur den Hut ziehen kann!

Christian Schulz (Lörrach)

Die mangelnde Sensibilität der deutschen Bevölkerung über die sich abzeichnenden Kontrollen aller Phasen unseres öffentlichen und privaten Lebens beunruhigt uns sehr, und so würde es uns nicht wundern, wenn Ihre Aktion auch auf Kritik stößt. Über die Gründe für diese Gleichgültigkeit rätseln wir noch – wo doch noch 1983 massiv gegen die Volkszählung protestiert wurde, die doch im Vergleich zu der heute geplanten Datenerhebung und Datenspeicherung geradezu harmlos war.

Regina und Horst Dauer (Rohrbach)

Wir sollten uns Gedanken machen, wem wir bei der nächsten Wahl unsere Stimme geben. Ich glaube, die Menschen sind heute viel zu satt, kaum mehr jemand weiß, welche Bedeutung die Grundrechte für eine freie Gesellschaft haben.

Hilmar Sparke (Hohenwart)

Wir sind auf dem Weg in den Überwachungsstaat. Super, dass endlich eine Zeitung Flagge zeigt.

Ludwig Frohmader, (Manching)

Im ersten Augenblick war ich wirklich schockiert, aber ich glaube, ein solches Zeichen war überfällig.

Gerhard Bauer (Greding)

Da müssen doch noch ein paar Überbleibsel aus der DDR unterwegs sein.

Winfried Stankowiak, (Ingolstadt)

 

 

 
Donaukurier
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