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"An der Diskussion um das Zölibat führt kein Weg vorbei"

erstellt am 21.02.2008 um 21:12 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 13:19 Uhr | x gelesen
Eichstätt (DK) Angesichts des dramatischen Priestermangels in der Katholischen Kirche darf das Zölibat kein Tabuthema sein, befindet der Dekan der theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Professor Christoph Böttigheimer. Mit dem Theologen und Priester sprach Christian Fahn.
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Wie ist das Zölibat aus theologischer Sicht zu bewerten? Das Eheverbot für Priester ist ja erst im 12. Jahrhundert eingeführt worden.

Christoph Böttigheimer: Das ist eine sehr differenzierte Geschichte. Es ist so, dass die Ehelosigkeit in der katholischen Kirche schon immer ein sehr hoher Wert war. Ein Grund für die nicht einfache Einführung des Zölibats im Mittelalter war unter anderem die gregorianische Reform: Das Mönchtum sollte prägend sein für das Leben der Kleriker. Dennoch wird man schwerlich behaupten können, dass es sich bei der Ehelosigkeit um ein "jus divinum", also eine von Gott festgelegte Rechtsnorm handelt. Von daher besteht die Möglichkeit zu Veränderungen. Zumal ja auch die orthodoxe Kirche entsprechende Regelungen kennt und auch andere nicht-katholische Kirchen verheiratete Männer zum Priesteramt zulassen.

Auch in der katholischen Kirche gab es ja entsprechende Ansätze.

Böttigheimer: Ja. Schon in den 70er Jahren hat die Würzburger Synode die Frage aufgeworfen, ob "viri probati", also erfahrene und bewährte Männer, die verheiratet sind, zum Priesteramt zugelassen werden sollen. Diese Frage wurde aber von Rom bis heute nicht beantwortet.

 

Also lässt sich keineswegs sagen, dass die Diskussion um das Zölibat der Kirche von außen aufgezwungen wird, wie es der Augsburger Bischof Walter Mixa sagt.

Böttigheimer: Nein. Im Übrigen hat die Diskussion nicht erst in den 70er Jahren begonnen. Schon zur Zeit der Aufklärung entstanden im Württembergischen regelrechte Antizölibatsvereine, die sich ausschließlich aus Klerikern zusammensetzten. Diese Diskussion hat die Kirche begleitet und auch das zweite vatikanische Konzil geprägt. Sie ist also keineswegs von außen auferlegt.

 

Allerdings gewinnt die Debatte angesichts des dramatischen Priestermangels an Brisanz.

Böttigheimer: Bisher haben die Diözesen rein verwaltungstechnisch auf die Situation reagiert. So wurden immer mehr Pfarreien zusammengelegt, zuerst zu Pfarrverbänden, später zu Seelsorgeeinheiten. Die theologische Auseinandersetzung fehlt noch. Daran aber führt kein Weg vorbei.

 

Gehen Sie davon aus, dass man den Priestermangel durch eine Aufhebung des Zölibats oder dadurch, dass die Kirche das Zölibat auf eine freiwillige Basis stellt, bekämpfen könnte

Böttigheimer: Ich glaube, dass das Zölibat nur ein Baustein in diesem komplexen Problem ist.

 

Dennoch können sich die Bischöfe nicht mehr um die Frage herummogeln.

Böttigheimer: Im Grunde nicht. Vor allem dann nicht, wenn man die so genannte Hierarchie der Wahrheit in Betracht zieht. Derzeit ist es so, dass viele Gemeinden aufgrund des Priestermangels auf die Eucharistiefeier verzichten müssen. Wenn wir jetzt also so tun, als würde das Zölibatsgesetz über dem Sakrament der Eucharistie stehen, wäre das eine Verdrehung der Hierarchie der Wahrheit. Von daher wäre ist es notwendig, die Frage des Zölibats anzugehen.

 

Donaukurier
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