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WZ TRIFFT die Wahl-Wolnzacherin und Kunsttherapeutin Petra Dockendorf

"Alles zu seiner Zeit erleben"

Wolnzach
erstellt am 27.09.2016 um 18:43 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 08:32 Uhr | x gelesen
Wolnzach (WZ) Sie kommt aus Hessen, ist hier aber längst daheim: Petra Dockendorf hat durch eine Grenzerfahrung zu ihrer Berufung als Kunsttherapeutin gefunden - und widerlegt gerne das Klischee vom sturen Wolnzacher, der Fremde nicht in seine Kreise lässt.
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Wolnzach: "Alles zu seiner Zeit erleben"
Angekommen ist Petra Dockendorf nicht nur in ihrem neuen Atelier an der Preysingstraße, auch hat sie in ihrer Arbeit als Kunsttherapeutin ihre Berufung gefunden. - Foto: Trouboukis
Wolnzach

"Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen; man weiß nie, was man kriegt." Dieses Zitat aus dem Film Forrest Gump passt irgendwie zu Petra Dockendorf, die sich selbst längst als Wolnzacherin bezeichnet. Dabei hört man ihr schon noch an, dass ihre eigentlichen Wurzeln nicht in Bayern, sondern in Hessen liegen. Aber mit dem Zuhause ist das auch so eine Sache; da gab es sozusagen die erste Pralinenüberraschung, als ihr Mann aus beruflichen Gründen plötzlich nach Bayern ziehen musste. "1990 sind wir hierher, nach Wolnzach gekommen - und haben hier Wurzeln geschlagen."

Gerne denkt die heute 53-Jährige zurück an ihre erste Zeit im gemieteten Haus an der Josef-Reindl-Straße, an ihre netten Nachbarn - und vor allem einen fatalen Fehler: "Ich habe nach einer Woche Weißwürste in der Pfanne gebraten, weil ich nicht wusste, wie man die isst." Das brachte den Dockendorfs dann zahlreiche Einladungen zum Weißwurstessen ein, Kennenlernen der jeweiligen Gastgeber inklusive. "Hessen und Bayern, das geht gut zusammen", ist sie heute mehr denn je überzeugt. Kontaktschwierigkeiten: Fehlanzeige. "Das liegt schon immer auch an einem selbst", ist sie überzeugt. Durch Gespräche mit anderen Eltern in Kindergarten und Schule wuchs der Bekanntenkreis der Dockendorfs schnell. "Und das war auch gut so", sagt sie heute. Denn gerade mit der Geburt von Sohn Tim begann für Petra Dockendorf eine Zeit, in der sie Freunde brauchte. Eine Zeit, die sie einerseits nicht noch einmal erleben, andererseits aber auch nicht missen möchte. Denn Tim war eine extreme Frühgeburt, kam in der 28. Schwangerschaftswoche auf die Welt. "Er wog nur 700 Gramm", wenn die Mutter an die kleine Handvoll Mensch denkt, die sich Gramm für Gramm hart ins Leben kämpfen musste, dann kommen sie gleich wieder hoch: die Gerüche, Geräusche, die Bilder von Intensivstationen, das Piepsen der Geräte, die unbeschreibliche, monatelange Angst einer Mutter um das eigene Kind. "Ich habe meine Geschichte aufgeschrieben. Ich musste das alles aufarbeiten", erzählt sie. Schreiben, das war immer schon ihr Ventil, ihre Art, dem Leben die Stirn zu bieten. Aber die Erfahrung mit Tims Geburt - mittlerweile ist der 700-Gramm-Junge übrigens 19 Jahre alt und schon von zu Hause ausgezogen - brauchte mehr Aufarbeiten. "Ich habe dann einen Workshop bei einer Kunsttherapeutin belegt und wusste auf einmal: Das will ich auch. Ich habe noch nie etwas so sehr gewollt, wie dieses Studium." Und genau das hat sie dann auch absolviert, hat psychoanalytische Kunsttherapie in München studiert - und dabei den Spagat geschafft zwischen Familie und ihrem eigentlichen Beruf als medizinisch-technische Angestellte im Krankenhauslabor.

"Wenn man etwas wirklich möchte, dann schafft man das auch", ist sie heute überzeugt, dass alles einfach so kommen musste. Denn in ihrer Arbeit als Kunsttherapeutin geht sie auf, liebt den Kontakt mit Leuten, zehrt selbst von der Erfahrung, wie Menschen und Bilder (oder Bilder und Menschen) sich entwickeln. Sie selbst geht mit dieser Entwicklung - auch im wörtlichen Sinne. Denn Petra Dockendorf hat mit ihrem Atelier in Wolnzach schon einige Stationen durchlaufen: Begonnen hat sie im Jugend- und Bildungsdorf (JuBi) und dort neben ihrem offenen Atelier, in dem jeder malen durfte, auch etliche Projekte mit Kindern und Jugendlichen sowie einige Ausstellungen veranstaltet. Entstanden ist daraus auch ihr Engagement im Ferienprogramm, in dem sie heuer sechs Aktionen anbot - und sich an der Kreativität ihrer Teilnehmer sehr erfreute. "Jeder kann malen", sagt sie. "Und die, die am meisten an sich zweifeln, schaffen die schönsten Objekte."

Aus dem JuBi zog Petra Dockendorf mit ihrem Atelier dann in das Strohhofer-Haus an der Elsenheimerstraße und von dort gerade erst in die ehemalige Bäckerei Niedermeier direkt an der Preysingstraße. Hier richtet sie sich gerade heimelig ein - und ist glücklich, wertet die am Ende glückliche Herbergssuche auch wieder als Beleg für ihre unerschütterliche Grundüberzeugung: "Alles zu seiner Zeit erleben, bewusst und ohne Widerstreben." Oder anders ausgedrückt: Auch bittere Schokolade hat einen süßen Nachgeschmack. Petra Dockendorf jedenfalls ist angekommen: in ihrer neuen Heimat Wolnzach, in ihrem Beruf, in ihrem Leben.

Von Karin Trouboukis
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