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Christian Springer füllt zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres einen Wolnzacher Saal

"Trotzdem" kriegt er sie wieder

Wolnzach
erstellt am 19.11.2017 um 15:10 Uhr
aktualisiert am 25.11.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Wolnzach (WZ) Zweimal "Trotzdem"-Soloprogramm innerhalb eines Jahres - und trotzdem hat es der Kabarettist Christian Springer am Samstag wieder in Wolnzach geschafft: Der Saal im Hopfenmuseum war voll - und die Leute am Ende begeistert.
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Christian Springer
Schmid, Birgit, Wolnzach
Wolnzach

Vor einem Jahr hatte die SPD schon den als "Fonse" und aus dem Schlachthof bekannten Kabarettisten Christian Springer nach Wolnzach geholt. Auch Springer scheint es in Wolnzach gefallen zu haben, denn am Samstag kam er wieder, diesmal ins Hopfenmuseum und wieder strömten in Wolnzacher herbei. "Trotzdem" heißt sein Soloprogramm, mit dem er alles vermeintlich Deutsche Stück für Stück zerpflückt und dabei zwischendrin kaum zu atmen scheint angesichts des Redeschwalls, den er auf sein Publikum niederprasseln lässt. Ob es am Ambiente lag oder an den Veränderungen, mit denen Springer sein Programm auf die jüngsten politischen Geschehnisse anpasste, selbst Zuschauer, die letztes Jahr bereits dabei waren, hingen wieder gebannt an seinen Lippen.

Wie sich unsere Gesellschaft in den letzten 30 Jahren verändert habe, lasse sich schon allein an den Witzen erkennen: "Früher war der Preuß' unser größter Feind, irgendwie fehlt mir das", sagt er und erzählt einen Preußenwitz aus dem klar hervorgeht, dass der Bayer einem Schwarzen dem Preußen damals eindeutig den Vorzug gab und kommt so zum Thema "Flüchtlinge und Leitkultur", das sich als roter Faden durch das gesamte Programm zieht. Dabei beleuchtet er über die Flüchtlinge aus Jugoslawien im Jahr 1985 die deutsche Nationalhymne und zerpflückt sie ebenso wie das Bayreuther Festspielhaus in ihre eigentlich gar nicht deutschen Einzelteile.

"Die Melodie des jugoslawischen Liebesliedes hat eine ehrenwerte Botschaft. "Es hätte auch schlimmer kommen können!", meint er und erzählt, wie bei Konrad Adenauers Besuch in Chicago wegen des Fehlens einer deutschen Nationalhymne das Karnevalslied "Heidewitzka, Herr Kapitän" gespielt wurde. So mancher fragt in der Pause anschließend, ob es denn wirklich stimmt.

Schnell wird Springer ernst, wenn er vom Flüchtlingslager in Beirut nahe der syrischen Grenze und seinem Verein "Orienthelfer" erzählt. "Wer weiß denn schon, dass der Libanon ein wunderschönes kleines Land mit 4,5 Millionen Einwohnern ist. Dort sind 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge." Zweimal im Monat ist Springer dort, um Hilfsmittel hinzubringen. "Glauben Sie mir, die wollen nicht alle nach Deutschland! Das Einzige, was die wollen, ist nach Hause und ihr Land in Frieden wieder aufbauen!"

Grandios meistert Springer die Gratwanderung zwischen Ernst und Witz, sei es bei seiner Betrachtung des Halloweenfests im Vergleich zum Ramadan und den schwäbischen "Herrgottspeißerle" der Fastenzeit. Genüsslich entlarvt er den Sonntagsspaziergang als einzig wahre deutsche Eigenheit, die man sogar als "Promenadologie" studieren kann. In die Geschichte Bayerns weit zurückgehend, zeigt er, dass die Ursprünge des bajuwarischen Volkes auf dem Zusammentreffen sehr vieler Völker basieren und so mancher Bayer mehr türkisches Blut in sich habe, als ihm bewusst sei. Welchen Einfluss Politiker selbst mit Lug und Betrug auch hierzulande auf die Zivilbevölkerung haben, hat Springer am eigenen Leib erfahren müssen. Ausführlich und bayrisch-spitzbübisch erzählt er, wie er versuchte, als Student zwei rohe Eier auf Franz Josef Strauß zu werfen, aber meilenweit daneben zielte. Und trotzdem habe Strauß hinterher behauptet, getroffen und verletzt worden zu sein und sogar über den Staatsschutz erreicht, dass Springer dadurch seinen Universitätsabschluss nie machen konnte. "Lass es gut sein, Junge, hat meine Mutter damals gesagt, wer weiß, wozu die sonst noch fähig sind."

Eine wahre Begebenheit, deren witzige Seite Springer zwar durch seine Erzählweise betont, die aber nichtsdestotrotz nachdenklich und betroffen stimmt. "Trotzdem oder gerade deshalb bin ich Kabarettist geworden! Ich kann und will meine Klappe einfach nicht halten!" Und das ist gut so, findet sein Publikum einhellig.

Mit der Geschichte über die Begegnung zwischen Schiller, Beethoven und dem Kaiserpaar gibt er dem Publikum abschließend den Rat: "Machen Sie es wie Beethoven! Bleiben Sie auf dem Weg und haben Sie nur eine Haltung." Und in der Zugabe zitiert er schließlich noch Karl Valentin, der als urbayerischer Komiker gilt, dessen Eltern jedoch gar nicht aus Bayern kamen: "Fremd ist der Fremde nur unter Fremden."

Erneut schafft es Springer wieder spielend die Herzen des Wolnzacher Publikums zu gewinnen und auch das Spendenkörbchen für die Orienthelfer füllt sich im Anschluss beträchtlich.

Birgit Schmid
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