Sonntag, 18. November 2018
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Wolnzacher Verwaltung schlägt Kindergartenneubau am Bahnhofs-Bolzplatz vor - Breite Zustimmung im Gemeinderat

Die meisten sind begeistert

Wolnzach
erstellt am 09.11.2018 um 14:24 Uhr
aktualisiert am 16.11.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Wolnzach (WZ) Der neue Kindergarten ist eine gute Sache und soll auch gebaut werden. Darin sind sich alle Gemeinderäte einig. Auch ein Grundstück hat man schon im Auge, ein günstiges und verfügbares, das bei den meisten recht gut ankommt. Dennoch gab es dazu nicht nur sachliche Diskussion, sondern auch Vorwürfe, bissigen Sarkasmus - und am Ende doch ein deutliches Votum für den Kindergartenstandort Bolzplatz am Wolnzacher Bahnhof.
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Einen neuen Kindergarten möchte der Markt Wolnzach bauen.
Einen neuen Kindergarten möchte der Markt Wolnzach bauen.
dpa/Fiso Gentsch
Wolnzach
Der Sitzungssaal war voll an diesem Donnerstagabend; voller Menschen - unter ihnen etliche Hopfenpflanzer, die wegen des Tagesordnungspunktes zum Bewässerungskonzept gekommen waren, und Feuerwehrler, die der Feuerwehrbedarfsplan interessierte - aber auch voller Misstrauen und Missstimmung. Das erlebten die Zuhörer noch vor Eintritt in die Tagesordnung: Peter Rech (FDP-UW-BGW) kritisierte wie zu Beginn einer jeden Sitzung die "systematische, fortgesetzte Verschleppung, Unterdrückung und materielle Vorprüfung" und die zu geringe Zeit zur Vorbereitung, Bürgermeister Jens Machold (CSU) sprach von einer "Duplizität der Ereignisse", alles sei mit der Rechtsaufsicht abgesichert und wies Rechs Vorwürfe - ebenfalls wie immer - kategorisch zurück. Auch Rechs Fraktionskollege Matthias Boeck monierte, dass er Unterlagen nie bekommen habe, es gab Rück- und Nachfragen zum Protokoll, so dass die eigentliche Sitzung verzögert begann. Oder, wie Bürgermeister Jens Machold es ausdrückte, "wir uns jetzt endlich um das kümmern sollten, was die Bürger weiterbringt". Auch in Anbetracht der Tagesordnung mit arbeitsintensiven Punkten - beispielsweise der Vorstellung eines Förderprogramms zur Hopfenbewässerung (Bericht folgt) - solle man sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Wegen der umfangreichen Tagesordnung und auch der zum Teil ausufernden Wortmeldungen zu einzelnen kleineren und größeren Punkten dauerte es dann aber doch rund zwei Stunden, bis ein Punkt aufgerufen wurde, der auf die Wolnzacher Zukunft ausgerichtet ist: der Neubau eines weiteren Kindergartens im Markt. Eine Weichenstellung für die Zukunft solle der Neubau sein, dass selbiger notwendig ist, habe man bereits mehrfach kommuniziert, Hintergrund: Das Gebäude des Kindergartens Am Brunnen ist nicht im Eigentum der Gemeinde, sondern nur angepachtet und wegen der zusätzlichen Integrationsgruppe dort greift der Markt seit September auf Container zurück. Keine Dauerlösung dürfe das sein, deshalb habe man sich auf Standortsuche begeben. Mit Erfolg, wie Bürgermeister Ma-chold in der Sitzung erklärte: Der jetzt vorliegende Vorschlag der Verwaltung - ein Neubau am Bolzplatz am alten Bahnhof - sei jedoch kein Schnellschuss, sondern man habe "mehrere Standorte begutachtet", abgewogen und auch von den Isek-Fach- und Verkehrsplanern überprüfen lassen. Ergebnis: "Wir könnten hier auf rund 5800 Quadratmetern alles verwirklichen, was wir brauchen." Das der Pfarr-pfründe gehörende Grundstück sei - dank erfreulicher Gespräche mit der Kirchenverwaltung und auch dem Bistum - zudem verfügbar: "Wir haben über eine Erbpachtregelung ein sehr, sehr faires Angebot erhalten."

In Sachen Kindergartenstandort lag der Verwaltung ein Antrag der SPD vor, der zwar nicht explizit auf der Tagesordnung stand, aber dennoch behandelt wurde. SPD-Fraktionssprecher Werner Hammerschmid begründete ihn so: "Wir wollen nur die Vor- und Nachteile hinterfragen und diskutieren, ob es nicht noch einen anderen Standort gibt." Schließlich investiere man hier Millionen in die Zukunft - und das wolle gut überlegt sein. "Nicht mehr und nicht weniger", so Hammerschmid. Vielleicht sei auch ein Standort beispielsweise im geplanten Baugebiet "Glandergassleiten" sinnvoll, nahe an Kinderkrippe und jungen Familien. Ins gleiche Horn, wenn auch mit anderem Unterton, stieß Peter Rech (FDP-UW-BGW). Als selbiger Standort für eine Volksfesthalle im Gespräch war, habe man diesen Vorschlag weggeschoben, weil das Grundstück nicht dem Markt gehöre. "Wie sich die Zeiten so ändern", stichelte Rech - und handelte sich dafür einen Rüffel des Bürgermeisters ein. Die Gespräche mit Kirche und Bistum seien aufwendig, aber auch deshalb so gut gelaufen, weil es eben um einen Kindergarten geht, so Machold. Rech solle sachlich bleiben, was sich dieser auch zu Herzen nahm und dann sogar die bereits recht aufgeheizte Stimmung entspannte - wenn auch etwas unfreiwillig: Ein Kindergarten solle doch besser dort gebaut werden, "wo die Kinder entstehen." Also in Siedlungen mit jungen Familien, konkretisierte er, nachdem die Lacher wieder verstummt waren. Der Standortvorschlag der Verwaltung sei "äußerst problematisch", vor allem auch wegen der Erschließung.

Dies sei tatsächlich ein Punkt, den auch der Verkehrsplaner angesprochen habe, so Machold. Aber: "Das ist ein Thema, für das es Lösungen gibt." Ansonsten hätte dieser Standort nur Vorteile. Das sieht auch Kindergartenreferentin Katharina Gmelch (CSU) so: "Ich bin froh, dass wir so einen Standort haben." Ein Kindergarten solle in Siedlungen mit jungen Familien - dem könne sich gar nicht folgen. "Die Familien haben Wahlfreiheit und suchen sich den Kindergarten aus, der ihnen am besten zusagt." Die Gründe dafür seien ganz unterschiedlich, die Nähe zur Wohnung sei da in der Regel nicht ausschlaggebend.

Dass die Frage nach Standortalternativen jetzt erst ins Spiel komme, sei nicht die Schuld der SPD, beharrte Marianne Strobl. Sie als Referentin für Ortsentwicklung und Ortsverschönerung werde "zu keinem einzigen Gespräch" eingeladen, das spreche für sich; auch in Sachen Kindergartenstandort sei ihre Meinung nicht gefragt gewesen. Wie so oft, so habe sie auch von der jetzigen Standortsuche "über Umwege" erfahren. Auch andere Standortmöglichkeiten solle man über die Isek-Fachplaner beleuchten, nur so könne man ein ausgeglichenes Bild bekommen. Für den Standortvorschlag der Verwaltung sprachen sich dagegen auch Florian Werther (Freie Wähler) und Willi Kling aus. Letzterer wollte die "Luftdiskussion" beendet sehen: Alle angesprochenen Alternativen seien keine, weil "da gehört uns nix". Und auch hätte ein anderer Standort, so es ihn gäbe, bestimmt auch nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile, so Josef Schäch (FDP-UW-BGW). Fazit nach langer und ausufernder Diskussion: Der Standortvorschlag Bolzplatz am alten Bahnhof bekam die deutliche Mehrheit. Somit können weitere planungsrechtliche Schritte unternommen werden, damit der Kindergarten in absehbarer Zeit gebaut werden kann.

 
Karin Trouboukis
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