Montag, 19. November 2018
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Anwohner verunsichert: Ungewöhnlicher Starkregen bringt immer wieder Überflutungen mit sich

Wenn die Straße zum Bach wird

Wolnzach
erstellt am 12.07.2018 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 19.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Wolnzach (WZ) Immer, wenn es regnet, dann beschleicht einige Marktbewohner ein mulmiges Gefühl. Grund: Schwerer Starkregen hat in jüngster Zeit gleich mehrfach ihre Straßen überflutet, Schlamm, Steine und Gras in ihre Grundstücke gespült. "Das Wasser kommt in Minutenschnelle", erzählen Anlieger der Wolnzacher Glandergasse.
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Mittlerweile gewohntes Bild: die Glandergasse nach schwerem Starkregen.
Mittlerweile gewohntes Bild: die Glandergasse nach schwerem Starkregen.
Foto: Maiterth
Wolnzach
Erst vergangenen Freitag, da war es wieder so weit. Während es in vielen Dörfern des Marktbereiches total trocken blieb, prasselte in Wolnzach selbst in kürzester Zeit so viel Regen herunter, dass es erneut passierte, schon das dritte Mal in diesem Jahr: Sturzflutartig brach das Wasser aus Richtung Oberlauterbach herein in das topographisch tiefer liegende Wolnzach, die Glandergasse - sie sei hier nur als Beispiel genannt - wurde zum Fluss. Alarm für die Anwohner, Alarm auch für die Feuerwehren, die in diesem Jahr schon zahlreiche, arbeitsintensive Einsätze wegen Hochwassers hinter sich haben.

"Das geht wirklich rasend schnell", erzählt eine Familie, die vor sechs Jahren hierher gezogen ist - und seither schon einige unliebsame Wassererlebnisse hatte, Termine nicht wahrnehmen konnte, weil die braune Brühe plötzlich vor der Einfahrt stand. Sandsäcke haben sie gemeinsam jetzt aufgeschichtet; sie stehen immer griffbereit, weil man ja praktisch ständig mit einer neuen Überschwemmung rechnen müsse. Die Sandsäcke sollen verhindern, dass das Wasser in die Einfahrt läuft, wo die Autos stehen, erzählt die Familie, Schlamm und mitgespülten Dreck sollen sie möglichst fernhalten.

Was die Sandsäcke aber nicht abschrecken können, das sind uneinsichtige Verkehrsteilnehmer, die trotz des stehenden Wassers nicht nur auf der Straße fahren, sondern auch noch ordentlich Gas geben: "Rücksichtslos, während wir versuchen, verstopfte Gullys aufzumachen", erzählen die Hausbesitzer. "Wenn man hier nicht schnell zur Seite springt, bekommt man auch noch eine unfreiwillige Dusche." Als ob Wasser, Schmutz und schlaflose Nächte nicht schon reichen würden.

Was ist der Grund für die heuer besonders häufigen Überflutungen, das fragen sich die Betroffenen. Kursierende Gerüchte, dass an Rückhaltebecken "etwas verändert" wurde und dies ein Grund für die Probleme sei, kann Georg Wiegartner, Bautechniker des Marktes Wolnzach, auf Anfrage nicht bestätigen: "Verändert wurde da gar nichts", sagt er. Der Markt würde nach solchen Regenereignissen extra kontrollieren, "ob es irgendwo Schäden gegeben hat".

Im Gegenteil zeigten die in den vergangenen Jahren durchgeführten Hochwasserschutzmaßnahmen schon deutliche Auswirkungen in Wolnzach und in den Ortsteilen, erklärt Bürgermeister Jens Machold (CSU). Man denke nur an die Auenstraße in Wolnzach, die früher regelmäßig überschwemmt wurde. Dennoch räumt er ein: "Es ist aber leider so, dass es gegen solche besonderen Starkregen-ereignisse, wie wir sie jetzt verstärkt hatten, kaum wirksame Maßnahmen gibt."

Die Sorge, dass sich durch das geplante, neue Baugebiet an der Glandergasse in Wolnzach durch die Neuversiegelung von Flächen die Situation noch weiter verschärft, könne er jedoch nehmen: "Das Gegenteil wird nämlich der Fall sein." Auch die gerade gemachten Überflutungserfahrungen an der Glandergasse würden in das Konzept einfließen, das diesem Baugebiet zugrunde liegen soll, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Straßenbauamt, in dessen Zuständigkeit die Glandergasse sowie die Ingolstädter Straße und die Elsenheimerstraße als Staatsstraßen fallen.

"Solche Starkregenereignisse in so kurzer Zeit hatten wir noch nie", sagt auch Arne Schönbrodt vom Staatlichen Bauamt. Die Behörde habe bereits reagiert und entlang der Straße nach Oberlauterbach die Begleitgräben großzügig ausgebaggert und alle Durchlässe gereinigt.

Auch das helfe allerdings nur bedingt, wenn es so heftig in so kurzer Zeit regne - und viel Wasser gerade auf diese Straße treffe. Warum, das erklärt er so: Die Straße nach Oberlauterbach, die in Wolnzach in der Glandergasse und in der Ingolstädter Straße/Elsenheimerstraße endet, liege in einer Senke. Problematisch seien vor allem höher liegende Hopfengärten, deren Bifänge nicht parallel, sondern senkrecht auf die Straße ausgerichtet seien. Von dort schieße das Wasser bei Starkregen regelrecht hinunter, nehme allerlei Gras, Schlamm und Gestein mit - mit bekannten Auswirkungen. Nur: "Es ist nun mal so, dass diese Hopfengärten hier schon lange bestehen und auch die Landschaft prägen", so Schönbrodt. Eine parallele Ausrichtung der Hopfengärten wäre zwar wünschenswert, sei aber bei bestehenden Hopfenanlagen eben nicht machbar.

Diese Starkregenereignisse seien heuer "eine besondere Situation" - mit leider eben auch besonderen Problemen. "Wir werden uns deshalb aber noch einmal mit dem Markt Wolnzach zusammensetzen", verspricht Schönbrodt. Den Betroffenen bleibt da nur die Hoffnung, dass sie von weiterem Starkregen verschont bleiben - und die Sandsäcke doch wieder in den Keller können.
Karin Trouboukis
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