Montag, 17. Dezember 2018
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Die 3/5-Stachelbären und Trapp & Appel begeistern zusammen in Wolnzach

Von Veganern, Integration und Bob Dylan

Wolnzach
erstellt am 11.11.2018 um 11:53 Uhr
aktualisiert am 16.11.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Wolnzach (era) Peter Trapp und Georg Appel, zwei Vollblutmusiker und echte Wolnzacher, haben am Samstagabend mit den 3/5-Stachelbären - Claus Drexler, Roland Andre und Michael Eberle - im Wolnzacher Hopfenmuseum ein tolles Programm auf der Bühne gezeigt.
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Trapp & Appel begeisterten unter anderem mit Bob-Dylan-Songs.
Trapp & Appel begeisterten unter anderem mit Bob-Dylan-Songs.
Ermert
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Folkmusik nach Bob Dylan und selbst komponierte bayerische Lieder trafen auf Witz, Wortgewandtheit und Pointen, frei aus dem Leben gegriffen.

Mit der Liebeserklärung zu Beginn für "Woaza und mir san liabe Leit" spielten sich Trapp & Appel sofort in die Herzen des Publikums, begeisterten mit ihrer Virtuosität an Gitarre und Mundharmonika. Die 3/5-Stachelbären kümmerten sich um Themen, die aktuell die Menschen bewegen: Flüchtlingsbewegung und Integration, Energiewende, Verlustängste, Gesundheit und vegane Ernährung - und dies alles mit einer Riesenportion Humor, aber auch sehr hintersinnig. Sie wollen die Besucher zum Nachdenken bringen: "Man soll nicht nur an sich denken. Alle sind für soziale Gerechtigkeit, doch keiner möchte selber etwas dazu beitragen. "

Musik, Gesang und Kabarett harmonierten großartig an diesem Abend, das Publikum hatte seine Freude an diesem gekonnten Mix, ging begeistert mit. Kleine Texthänger wurden locker übergangen, das macht sie souverän, die Stachelbären.
Die drei Stachelbären heizten gleich die Ängste an: "Wenn jetzt eine Bombendrohung käme, das wär unser Durchbruch nach 39 Jahren", freute sich Claus Drexler. Doch es kam gleich die Entwarnung fürs Publikum: "Auf der Anschlagsvorsorge-App ist nichts zu sehen, dann fangen wir halt an. "
Die 3/5-Stachelbären Michael Eberle, Roland Andre, Claus Drexler leisteten Integrationsarbeit.
Die 3/5-Stachelbären Michael Eberle, Roland Andre, Claus Drexler leisteten Integrationsarbeit.
Ermert
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Viele Ängste musste Michael Eberle ausstehen, unter anderem um seine Gesundheit, Zeckenbisse malte ihm Drexler als Horrorszenario aus, sehr zur Freude des Publikums. Keime gebe es überall: "Du könntest eher auf der Klobrille deinen Aufschnitt essen, da wär's wesentlich hygienischer als in deinem Kühlschrank. " Und passend dazu spielten Trapp & Appel einen Song über Lebensängste. Mit Liedern von Bob Dylan begeisterten sie nicht weniger.

Drexler erzählte, dass er wegen der frischen Luft und Ruhe nach "Grossaschaun", übersetzt Grossarreshausen, gezogen ist: "Wir geniessen da die Ruhe, bei Ostwind das Zwitschern der Vogerl und das Rauschen der A9 in unserem Bauerndorf", wo alles passt, er sich aber über 15 stimmgewaltige Gockerl ärgert, die um zwei Uhr in der Früh zu krähen anfangen: "Drum seid's froh, dass bei Euch in der Stadt a bisserl a Ruah is. "
Auch die Veganer bekamen ihr Fett weg: Claus Drexler genoss seine Semmel mit Schweinebraten, Michael Eberle lief das Wasser im Mund zusammen, aber: "Wir essen keine Tierprodukte, meine Frau sagt: Tiere sollen nicht leiden müssen wegen uns. " Doch man sah ihm seine Höllenqualen an, Eberle kann herrliche Grimassen schneiden. "Und das alles, weil sei Oide zu faul ist, dass sie was kocht", stellt Drexler klar.

Und natürlich ging es auch um Flüchtlinge und deren Integration: Drexler mimt den Syrier, der wissen will: "Was muss ich machen, dass ich Deutschbürger werde? " Eberle und Andre sind die Bayern, die über Leitkultur ("Kultur von unsere Leit") schwadronieren, mit Händen und Füßen deuten, doch die Verständigung haut nicht so recht hin. Viele lustige Missverständnisse gibt es bis letztlich festgestellt wird: "Du musst so werden wie wir sein sollten. "
So sind sie die 3/5-Stachelbären. Sie halten dem Publikum den Spiegel vor, sagen ihre Meinung meist hintersinnig, aber auch geradeheraus und meinen am Schluss: "Kabarett muss nicht immer lustig sein, Hauptsache uns hat's Spaß gemacht. " Trapp & Appel beenden den Abend mit einem bewegenden Lied: "Freunde, lasst es mich einmal sagen, gut wieder hier zu sein, gut euch zu sehen. "
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