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Wanderausstellung über Friedrich Ebert gastiert noch bis 9. Dezember in Wolnzach

Vom Arbeiterführer zum Reichspräsidenten

Wolnzach
erstellt am 26.11.2018 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 01.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Wolnzach (wok) Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung Kaiser Wilhelms III. sowie der Könige in Bayern, Sachsen, Württemberg und der deutschen Großherzöge nach der Novemberrevolution 1918 etablierte sich die erste deutsche Republik mit dem später vom Parlament gewählten Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Ihm zu Ehren wurde eine Wanderausstellung entwickelt, die jetzt auch im Hopfenmuseum in Wolnzach gastiert und am Sonntag unter großer Beteiligung eröffnet wurde.
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Die Ausstellung "Friedrich Ebert - vom Arbeiterführer zum Reichspräsidenten" umfasst 46 großformatige und übersichtliche Tafeln mit Texten und historischen Fotos und bettet das Leben Friedrich Eberts in die dramatische Zeit des deutschen Umbruchs ein. Die Ausstellung in Wolnzach ist Teil einer Veranstaltungsreihe zum 100-jährigen Jubiläum von SPD-Ortsvereinen im Landkreis - am 1. Dezember kommt zum Beispiel die Flensburger Oberbürgermeisterin, ehemals Gegenkandidatin der Parteivorsitzenden Andrea Nahles, nach Pfaffenhofen.

Wolnzachs SPD-Vorsitzende Marianne Strobl konnte bei der Eröffnung nicht nur viele SPD-Mitglieder begrüßen, unter anderem Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker und den SPD-Kreisvorsitzenden Markus Käser, sondern auch Landrat Martin Wolf (CSU) sowie den Pfaffenhofener Historiker und Stadtarchivar Andreas Sauer sowie den Eichstätter Politikwissenschaftler Professor Stefan Schieren.

Auch die Wolnzacher SPD wird 100 Jahre alt: Wie Referent Andreas Sauer erläuterte, wurde sie am 29. Dezember 1918, kurz nach der der Pfaffenhofener SPD, im Wolnzacher Saal des Gasthauses Stiegler (heute NKD) gegründet.

SPD-Kreisvorsitzender Markus Käser begrüßte Landrat Wolf mit dem Hinweis, dass ein Landrat vor 100 Jahren diesen Termin in seinem "Königlichen Amtsblatt" sicherlich als Veranstaltung von "Wühlern" gegeißelt hätte. Nicht so Landrat Wolf, der im Gegenteil dieses "besondere Ereignis" würdigte. Die Veranstaltungen zu 100 Jahre SPD passten "wie die Faust aufs Auge" zu "200 Jahre bayerische Verfassung" und "100 Jahre Freistaat Bayern". Drei Begriffe zeichneten die SPD aus, so Wolf: soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit - Begriffe, zu denen sich inzwischen alle Parteien bekennen würden, zum Wohlergehen der Menschen. "Was könnte es Besseres für unser Land geben? "

Andreas Sauer schaute in seinem Vortrag auf die Zeit nach 1870/80 zurück, auf die beginnende Industrialisierung und die Verarmung der Arbeiterschaft und die daraus folgenden Gewerkschafts- und Parteiengründungen, die durch die Bismarckschen Sozialistengesetze (1878-1890) unterdrückt werden sollten. Doch die Gesetze konnten die Bewegung nicht aufhalten. Ausgehend von den Großstädten zogen immer wieder Agitatoren durchs Land und sorgten für die Gründung von Gewerkschaften und sozialdemokratischen Parteien. 1891 rief das Königliche Amtsblatt Pfaffenhofens alle Wirte auf, ihre Räume diesen Agitatoren nicht zur Verfügung zu stellen, woran sie sich, bis auf den Pfaffelbräu, auch alle hielten. Bei einer Faschingsfeier der gehobenen Pfaffenhofener Gesellschaft wurde sogar die Musik unterbrochen und von jungen Gesellen Flugzettel verteilt.

Nach der Novemberrevolution 1918 etablierten sich immer mehr SPD-Ortsgruppen und konnten bei Wahlen immer mehr Stimmen und Sitze in Gremien gewinnen. 1929 lag die SPD in Wolnzach bei gut 25 Prozent. Während der Nazi-Zeit wurden viele SPD-Mitglieder in KZs eingesperrt und erst 1948 konnte die Arbeit wieder aufgenommen werden.

Professor Schieren ging auf die Zeit der SPD vor und während der Nazi-Zeit ein und zitierte den Reichstagsabgeordneten der SPD, Otto Wels gegenüber Hitler: "Ihr könnt uns das Leben und die Freiheit nehmen, aber nie unsere Ehre". Nach Schierens Worten hat die SPD sicherlich nicht alles richtig gemacht, "aber sie stand immer auf der richtigen Seite". Dies sei heute, auch europaweit, nicht mehr so leicht zu erkennen, die sozialdemokratischen Parteien seien immer noch auf der Suche nach Antworten. Die Bevölkerung sei scheinbar nicht stark an Programmen von Parteien interessiert, sondern eher an der sozialen Identität. Hier sieht er europaweit die Aufgabe dieser Parteien, mehr die Solidarität zu stärken, statt die Individualität. Nicht die Identität von Minderheiten sei vorrangig, sondern mehr die Gestaltung der Gemeinschaft, einheitliche soziale Rechte, Steuern, Sozialversicherungen und Renten in Europa, die auch die Wanderungsbewegungen bremsen könnten.

Die Ausstellung ist noch bis 9. Dezember im Deutschen Hopfenmuseum zu sehen.
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