Dienstag, 18. Dezember 2018
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Königsfeld leidet unter fehlender Versammlungsstätte und Verkehr - Bauvorhaben wirft Grundsatzfragen auf

Hier zu wenig und da zu viel

Wolnzach
erstellt am 30.07.2018 um 18:55 Uhr
aktualisiert am 03.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Wolnzach (WZ) Die einen sehen darin die Möglichkeit, vielleicht endlich wieder eine Versammlungsstätte zu bekommen, die anderen fürchten noch mehr Verkehr: Erste Planungsideen zum Neubau einer Reithalle mit gleichzeitiger Begradigung des Bolzplatzes präsentierten jetzt Bürgermeister Jens Machold (CSU) und Bauamtsleiterin Doris Schneider Königsfelder Bürgern.
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Etwas fehlt in Königsfeld und etwas ist allen definitiv zu viel. Seit das Dorfgasthaus geschlossen ist, muss das Königsfelder Feuerwehrhaus als Versammlungsstätte herhalten, müssen Besucher von Bürgerversammlungen auf Bierbänken zwischen Schläuchen und Helmen in der kleinen Garage sitzen. Der Schützenverein ist schon vor Jahren in das Nachbardorf ausgewichen, auch andere Königsfelder Vereine - beispielsweise der Krieger-, Soldaten- und Kameradenverein - müssen immer wieder "auswandern", wenn es etwas zu besprechen oder zu feiern gibt. Kein schöner Zustand für ein aktives Dorf.

Dafür haben die Königsfelder von einer Sache zu viel - und das durchaus im doppelten Wortsinn: Der schnelle Durchgangsverkehr zehrt an den Nerven, macht vor allem Familien mit Kindern und älteren Menschen Angst - trotz mittlerweile aufgestellter und auch funktionierender Fußgängerampel. "Die kommen viel zu schnell hier an", so eine Mutter aus Königsfeld. Vielleicht könnte ein Ampel-Hinweisschild gleich nach dem Ortseingang aus Geisenfeld kommend ja Abhilfe schaffen.

Vor diesen Voraussetzungen ist die Gestaltung einer neuen Ortsmitte ein Anliegen, das bei sämtlichen Bürgerversammlungen immer wieder Thema war - und in Zusammenhang mit einem Bauvorhaben realisierbar scheint. Denn ein Königsfelder möchte in Nachbarschaft des Feuerwehrhauses hinter seinem Anwesen eine Reithalle bauen, damit sollten laut Bürgermeister Jens Machold auch Anliegen der Allgemeinheit umgesetzt werden.

Als Ergebnis vieler Gespräche sei nun ein Kompromiss gefunden, der jetzt zu "einem sehr frühen Zeitpunkt" den Königsfeldern zur Diskussion präsentiert werden sollte - und die nahmen die Einladung in den Sitzungssaal gerne und auch sehr zahlreich an. "Wir haben lange gesprochen und jetzt eine Möglichkeit gefunden", schilderte Machold die Gespräche mit dem Bauwerber. Der könne sich demnach vorstellen, in der geplanten Reithalle eine Versammlungsstätte einzurichten, die auch der Öffentlichkeit dienen könnte. Zudem könne in Zusammenhang mit dem Bauvorhaben der bisherige Bolzplatz - wegen seiner Trapezform ist er kaum bespielbar - begradigt werden.

Details dazu gab es von Bauamtsleiterin Doris Schneider: Geplant sei eine Reithalle mit Außenmaßen von 70 mal 26 Metern und Stellplätzen, eine Begradigung des Fußballplatzes, eine "Optimierung am Feuerwehrhaus mit etwas mehr Außenfläche", dazu eingegrünte Ausgleichsflächen. Alle Vorgaben beispielsweise zu Eingrünung und Entwässerung würden kontrolliert und seien vom Bauwerber zu befolgen, so Schneider. "Wollen Sie das oder wollen Sie das nicht?", fragte Bürgermeister Machold konkret in die Runde. Denn bei früheren Planungsvorstellungen war gerade die eventuelle Versammlungsstätte, eine Art "Reiterstüberl", im Fokus der Kritik gewesen. Konkrete Anrufe seien dazu von Königsfeldern gekommen, so Machold, mit klarer Ansage: "Früher hieß es, das ist nicht gewünscht." Jedoch sei der Bauwerber für diese Möglichkeit offen, wenn es denn von der Bevölkerung so gewollt sei.

Wollen sie oder wollen sie nicht? Auch im Sitzungssaal offenbarten sich dazu geteilte Meinungen. Denn während Vereinsvertreter - beispielsweise der Feuerwehr, der Schützen oder des Krieger-, Soldaten- und Kameradenvereins - einhellig ihren Wunsch nach einer Versammlungsstätte untermauerten und das auch als Gewinn für die Dorfgemeinschaft werteten, so klang bei anderen Bürgern am Sitzungstisch doch auch eine Sorge durch: dass sie noch mehr als ohnehin schon durch Fahrverkehr belastet werden könnten. "Wie viele Pferde werden das, wie viele Fahrten, wo kommen die an, wo fahren die hin?" Der Fahrverkehr werde ausdrücklich nicht über die Zufahrt zum Feuerwehrhaus abgewickelt, sondern über den Hof des Antragstellers, so Machold. Zudem sei mit starkem An- und Abfahrtsverkehr gar nicht zu rechnen.

So richtig beruhigen konnte der Rathauschef so manchen Königsfelder am Sitzungstisch mit dieser Aussage jedoch nicht. Denn wenn der Fahrverkehr "hintenrum" abgewickelt werde, laufe das ja über den Kirchenweg - "und da geht es ohnehin schon zu wie auf dem Stachus", so eine Bürgerin. Der starke Verkehr sei in Königsfeld extrem belastend, den Wunsch, endlich eine Umgehungsstraße zu realisieren, untermauerte ein Bürger am Tisch. Diese Hoffnung teile der Markt, allerdings könne er den Zeitpunkt nicht bestimmen, so Machold: All das würde strikt nach der Dringlichkeitsliste der Regierung von Oberbayern in Angriff genommen - oder eben vertagt.

In Angriff nehmen könne man aber die Neugestaltung am Feuerwehrhaus, eine Begradigung des Fußballplatzes und eine Versammlungsstätte in dieser Reithalle - sofern die Bevölkerung das auch möchte. Ob sie das will oder nicht, darauf brachte dieser Abend allerdings noch keine Antwort. Das, so der Rathauschef, müssten die Dorfbewohner nun unter sich ausmachen.

Karin Trouboukis
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