Samstag, 15. Dezember 2018
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Hopfenpflanzerverband macht Politik für massive Probleme im Pflanzenschutz verantwortlich

"Grünes Blech" und Populismus

Wolnzach
erstellt am 06.12.2018 um 09:00 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Wolnzach (WZ) Mit der Hopfenernte 2018 können die Pflanzer rückblickend einigermaßen zufrieden sein, nachdem es dafür zwischenzeitlich gar nicht gut aussah. Der Blick nach vorne treibt ihnen dagegen Sorgenfalten auf die Stirn, wie bei den Mitgliederversammlungen des Hopfenpflanzerverbands Hallertau deutlich wurde. Grund: Für mehrere Pflanzenschutzmittel ist die Zulassung am Auslaufen - oder sie ist sogar schon abgelaufen.
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Über aktuelle Entwicklungen berichteten (von links) Karl Pichlmeyer, stellvertretender Vorsitzender des Hopfenpflanzerverbands Hallertau, Vorsitzender Adolf Schapfl, Magdalena Wurmdobler von der Verbandsgeschäftsstelle, stellvertretender Geschäftsführer Werner Brunner und Verbandsgeschäftsführer Otmar Weingarten.
Über aktuelle Entwicklungen berichteten (von links) Karl Pichlmeyer, stellvertretender Vorsitzender des Hopfenpflanzerverbands Hallertau, Vorsitzender Adolf Schapfl, Magdalena Wurmdobler von der Verbandsgeschäftsstelle, stellvertretender Geschäftsführer Werner Brunner und Verbandsgeschäftsführer Otmar Weingarten.
Schmidl
Wolnzach
Sechs Mitgliederversammlungen hat der Hopfenpflanzerverband Hallertau angesetzt, in Biburg finden sie am Nikolaustag ihren Abschluss. Das, was die Fachleute bei den bereits stattgefundenen Terminen zu sagen hatten, war mehr als deutlich: Der Pflanzenschutz bereitet große Sorgen.

Der Geschäftsführer des Hopfenpflanzerverbands, Otmar Weingarten, schilderte die für die Hopfenpflanzer negative Entwicklung in drastischen Worten. Beim Thema Pflanzenschutz ziehe sich die Politik aus der konventionellen Landwirtschaft zurück, so Weingarten. Alle würden nur noch "auf's grüne Blech hauen". Er beklagte eine "fehlende politische Unterstützung zugunsten von grünem Populismus".

Auch Magdalena Wurmdobler, mit Pflanzenschutz befasste Mitarbeiterin der Verbandsgeschäftsstelle, sah beim Pflanzenschutz für die Hopfenpflanzer eine "eher schwierige Zulassungssituation". Zur Bekämpfung bestimmter Schädlinge gebe es teilweise nur noch jeweils ein Mittel, und zwar eines, "das nicht unsere erste Wahl ist", bei anderen sei die Mittelpalette zumindest "sehr, sehr schmal".

Weingarten zufolge haben der Verband Deutscher Hopfenpflanzer und der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband deshalb im Juli "für schnelle Information und Reaktion" eine internationale Pflanzenschutzkooperation mit US-Pflanzern gegründet mit dem Ziel, die "Zulassungssituation zu optimieren".

Mehrere Probleme sollen damit gelöst oder zumindest verringert werden. So würden die Hopfenplanzer durch die sogenannten Cut-Off-Kriterien der EU "radikal Wirkstoffe verlieren". Doch dabei, so Weingarten, sei "vieles zu kurz gesprungen". Wenn etwa auch Kupfer als Wirkstoff verboten werden würde, treffe dies auch die ökologische Landwirtschaft. Des Weiteren "funktioniert die zonelle Zulassung in Deutschland nicht", so der Geschäftsführer, und zwar zu Lasten der deutschen Landwirte. So sei das Mittel "Movento" etwa in Österreich oder Tschechien längst zugelassen, aber das Umweltbundesamt blockiere es hierzulande. Aber, so Weingartens Überzeugung: "Integrierter Pflanzenschutz funktioniert nicht ohne Wirkstoffe."

Schließlich sei die fehlende politische Rückendeckung für integrierten Pflanzenschutz und konventionelle Produktion ein großes Problem. Denn es sei eine "Wettbewerbsverzerrung hoch drei", wenn in anderen Ländern schon Notzulassungen ausgesprochen worden seien, hier aber nicht. Weingarten stellte deshalb die eher rhetorische Frage: "In welcher EU leben wir eigentlich?"

Es müsse jetzt das Ziel der internationalen Kooperation sein, eine "Kurskorrektur bei den Cut-Offs", also den Wirkstoffen, die ausgeschlossen werden oder wurden, zu erreichen und als Erstes "mindestens die Einräumung angemessener Übergangsfristen" anzustreben.

Auch der Vorsitzende des Hopfenpflanzerverbands Hallertau, Adolf Schapfl, gab angesichts der Pflanzenschutzproblematik zu, ihm sei "in den vergangenen Jahren der Optimismus etwas abhanden gekommen". Zumindest über die Hopfenernte 2018 konnte er aber überwiegend Positives berichten. Die Ausweitung der Hopfenanbaufläche in der Hallertau um 470 auf 16780 Hektar (Deutschland: plus 600 auf 20144 Hektar) nannte Schapfl "moderat und gut", weil auch die ganze übrige Hopfenwelt aufgerüstet habe. In der Hallertau gebe es noch 903 Pflanzer, neun weniger als im Vorjahr. Bei einer Hopfenernte, die in Deutschland mit 41794 Tonnen minimal um 238 Tonnen über der des Jahres 2017 gelegen habe, sei allerdings die Alphasäure, der für die Brauer wichtigste Hopfen-inhaltsstoff, der den Brauwert ausmacht, deutlich um 345 auf 3920 Tonnen gesunken. Als äußerst positiv bewertete Schapfl, dass sich der Strukturwandel in der Hallertauer Hopfenwirtschaft deutlich verlangsamt habe, denn "es ist wichtig, dass wir viele bleiben".

Der stellvertretende Verbandsvorsitzende Karl Pichlmeyer berichtete für das Geschäftsjahr 2017/18 (zum 30. Juni) von einem Umsatz in Höhe von 623185 Euro und einem Jahresüberschuss von 18583 Euro und stellte fest, dass damit beim Verband seit 2008/09 immer ein Gewinn angefallen sei.

Werner Brunner, stellvertretender Verbandsgeschäftsführer, sprach schließlich unter anderem über den Umbau des Haus des Hopfens in Wolnzach und nannte als Termin für die Fertigstellung des "sehr funktionsfähigen und anschaulichen Gebäudes" das kommende Frühjahr.
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