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Freilichttheater: ein Mordsaufwand

Wolnzach
erstellt am 17.05.2018 um 11:37 Uhr
aktualisiert am 24.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Wolnzach (WZ) Alles ist größer, aufwendiger. In genau drei Wochen verwandelt sich die Hofstelle um das Starzhausener Wasserschloss bei der Premiere des Freilichttheaters "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" in dunkle Straßenschluchten mit finsteren Gestalten. Der Verein s'Theaterbrettl zieht bei dieser Inszenierung alle Register.
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Da ist was los: Regisseur Vitus Rebl (rechts) ist gerne mittendrin, wenn die Szenen geprobt werden.
Da ist was los: Regisseur Vitus Rebl (rechts) ist gerne mittendrin, wenn die Szenen geprobt werden.
Rebl
Wolnzach
Ob er sich das so genauso vorgestellt hat, als er sich nach langem Suchen und Prüfen und gescheiterter Erstauswahl - "Les Misérables" durfte es aus rechtlichen Gründen ja nicht sein - schließlich für die unheimliche Geschichte des Dr. Jekyll und dessen Exktraktion des Bösen auf ein zweites Ich entschieden hat? "Mittlerweile stelle ich mir so einiges vor", muss Theaterbrettl-Regisseur Vitus Rebl auf diese Frage doch schmunzeln. Und gleichzeitig gerät er ins Schwitzen. Denn es sind nur noch drei Wochen bis zur Premiere, da komme sie langsam schon, die Aufregung. Aber dennoch steht über allem eine Erkenntnis: "Gerade bei so einem Aufwand zeigt sich, was für eine super Truppe wir sind."

Stichwort Aufwand. Der ist bei einem Freilichttheater ohnehin schon ungleich größer als bei einem Dreiakter mit fester Bühne. Und "Jekyll & Hyde" habe auch noch größere Ansprüche an den Bühnenbau gestellt als "Don Camillo und Peppone", mit dem der Verein s'Theaterbrettl vor vier Jahren erstmals Freilichttheater-Maßstäbe in Wolnzach gesetzt hat. Zwar zieht Rebl diesen Vergleich nicht so gerne, zu unterschiedlich sind der amüsante "Camillo" und der düstere "Jekyll", aber aus organisatorischer Sicht habe man damals schon wertvolle Erfahrungen gemacht, die heute Gold wert seien. Zum Beispiel auch, was den Bühnenbau betrifft: Da hat sich laut Rebl im Theaterbrettl eine Truppe zusammengefunden, die ihresgleichen sucht und selbst die tiefen Straßenschluchten als "Jekyll & Hyde"-Kulisse bauen konnte.

"Dabei müssen natürlich alle Sicherheitsvorgaben beachtet werden, auch die hohen Aufbauten müssen windsicher sein, dem Regen standhalten - und in unserem Fall sogar dem Schnee." Denn sogar bei Schneetreiben haben schon Proben auf dem Wasserschlossgelände stattgefunden, selbst das ist gut gelaufen. Auch was die Ausleuchtung und den Ton betrifft, sei das alles nicht mit einem normalen Bühnenstück vergleichbar, erklärt der Regisseur: "So eine Riesenbühne kann man mit herkömmlichem Bühnenlicht nicht ausleuchten, für den Ton gilt das Gleiche." Das alles kostet, bezahlt wird nach Zeit - dementsprechend wird die Generalprobe vor der Premiere die allererste Aufführung sein, bei der die Schauspieler wirklich unter Originalbedingungen spielen können. Auch die Einsätze der Schauspieler verlangen in diesem Fall besondere Maßnahmen, Rebl erklärt, warum: "Die Schauspieler können von ihrem Standpunkt aus nicht immer den ganzen Schauplatz überblicken und ohne Sichtkontakt wüssten sie nicht, wann ihr Einsatz kommt." Deshalb gibt es für dieses Stück eine eigene Einsatzleitung, die die das Geschehen via Kamera überblickt und die einzelnen Schauspieler entsprechend instruiert.

Die Folge: alles größer, alles aufwendiger, alles teurer. Rund 60000 Euro steckt der Verein in die Aufführung, "so lässt sich auch der Ticketpreis erklären." 3000 Eintrittskarten mus s'Theaterbrettl verkaufen, um nicht draufzuzahlen, bisher sei man auf einem recht guten Weg: Rund Dreiviertel sind schon verkauft, "das freut uns schon sehr". Ein Hinweis ist ihm wichtig, weil das immer wieder nachgefragt wird: "Das ist definitiv kein Kinderstück!" Grund zur Freude biete für den Regisseur auch das, was sich jetzt schon geformt hat: "Was die insgesamt 60 Schauspieler hier abliefern, davon bin ich wirklich sehr, sehr angetan." Und wer Vitus Rebl schon einmal als Regisseur erlebt hat, der weiß, dass seine Ansprüche durchaus hoch sind - und er sehr genaue Vorstellungen über die Interpretation der Szenen hat.

Einzelne Plätze gibt es noch für alle Aufführungen, vor allem die Sonntagstermine bieten noch ausreichend Spielraum bei der Platzwahl.
 
Karin Trouboukis
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