Samstag, 21. Juli 2018
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150000 statt 40000 Euro: Finanzausschuss muss Budget für Baumpflege um das fast Vierfache aufstocken

Ordentlich verkalkuliert

Schrobenhausen
erstellt am 11.07.2018 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 15.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Da staunten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses nicht schlecht, als Stadtbauhofchef Andreas Wagner in der jüngsten Sitzung am Dienstagabend seinen Antrag auf eine Budgetaufstockung stellte. Er hatte sich, vorsichtig formuliert, etwas verkalkuliert und gute 110000 Euro zu wenig für Baumpflegemaßnahmen für das laufende Haushaltsjahr beantragt gehabt.
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Aber der Reihe nach. Zunächst einmal kam der Antrag ja recht harmlos daher - ohne Zahlen, dafür mit einer recht einleuchtenden Erklärung. Schließlich ist das ja keine Seltenheit, dass das Budget einer Kostenstelle hier und da erhöht werden muss. Denn wenn der Etat für das kommende Haushaltsjahr vom Stadtrat vergeben wird, dann beruht dessen Höhe stets auf Schätzungen: Wo wird was gebraucht werden, was wird man voraussichtlich ausgeben müssen? Das ist gerade dann schwierig, wenn man es mit Variablen wie der Natur zu tun hat.

Schön ist er ja, der Schrobenhausener Stadtwall. Aber auch teuer, Gutachten für die teilweise sehr alten Bäume gehen ins Geld, dazu kommen unter anderem Fällarbeiten, wie sie etwa gestern dort stattgefunden haben.
Schön ist er ja, der Schrobenhausener Stadtwall. Aber auch teuer, Gutachten für die teilweise sehr alten Bäume gehen ins Geld, dazu kommen unter anderem Fällarbeiten, wie sie etwa gestern dort stattgefunden haben.
Burgstaller
Schrobenhausen
Als also Andreas Wagner am Dienstagabend ans Mikrofon trat, um mehr Geld für Baumpflegemaßnahmen zu beantragen, da schien keiner auch nur im Ansatz zu ahnen, welche Summe der Stadtbauhofchef gleich fordern würde. "Die Abschätzung der Kosten im Bereich Baumpflege ist seit Jahren schwierig", begann Wagner sein Referat etwas zaghaft. Da gebe es Gutachter, die bezahlt werden wollen, Friedhöfe, die in Schuss gehalten werden wollen und den Stadtwall, dessen alte Bäume besondere Aufmerksamkeit brauchen. "Und wenn dann noch solche unvorhersehbaren Sachen wie das mit dem Eichenprozessionsspinner passieren, steigen die Kosten schnell", so Wagner. Und so habe man das ursprüngliche Budget von 40000 Euro im Bereich Baumpflegemaßnahmen bereits um fast das Doppelte überschritten.

"Wir liegen jetzt mit den Ausgaben schon bei um die 72000 Euro", gab Wagner zu und erklärte: Früher, da habe man die Kosten für anstehende Maßnahmen über verschiedene Kostenstellen abrechnen können, nun aber gebe es nur mehr eine Kostenstelle für alles. Ein Argument das Rudi Koppold (FW) nicht einleuchtete: "Wenn das früher ausgereicht hat mit den ganzen Kosten, dann muss das ja auf dieses eine Budget umgelegt worden sein. Wo ist denn das ganze Geld dann?"

Sichtlich unangenehm war das nun Andreas Wagner, kannte er die Antwort auf diese Frage doch ganz genau: Das fehlende Geld gibt es nicht, im laufenden Haushalt sind tatsächlich nur 40000 Euro für den Bereich Baumpflege vorgesehen. "Die Summe war eine Fehleinschätzung von mir", gab Wagner zu. "Ich dachte, wir brauchen nicht mehr in diesem Jahr." Stattdessen brauche man - Stichwort Eichenprozessionsspinner - an manchen Stellen sogar mehr als im vergangenen Jahr. Doch das sei alles andere als absehbar gewesen, versicherte Wagner. Und nun kam er, der Satz, der so manchem Ausschussmitglied vermutlich zumindest innerlich die Kinnlade runterklappen ließ: "Ich beantrage deshalb", so Andreas Wagner weiter, "die Mittel der Haushaltsstelle um 110000 Euro zu erhöhen."

Erneut war es Rudi Koppold, der seine Stimme als Erster wiederfand. "Das ist ja ein ganz schöner Brocken", staunte er - und mit ihm der Rest des Ausschusses. Auch Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU) schien diese Summe zu hoch. "Mein Vorschlag wäre, dass wir erstmal beschließen, die offenen Rechnungen zu begleichen und dann schauen wir weiter", wiegelte er ab. Einwände gab es dafür nicht von Andreas Wagner, jedoch aber von Hauptamtsleiter Christoph Gläßel: "Der Kämmerer meint schon, dass wir die Mittel zur Verfügung stellen sollten", gab er zu bedenken.

Das nun überzeugte zumindest schon einmal Gerhard Winter (CSU), der dem Stadtbauhofchef helfend zur Seite sprang: "Ich finde, wir sollten das machen. Der Mann soll ja auch weiter arbeiten können und nicht ständig hier Anträge stellen müssen. Ich bin überzeugt, dass er das in Zukunft auch alles ordentlich macht", sagte er aufmunternd in Wagners Richtung. Ob es seine Worte waren, die seine Kollegen überzeugten? Der Beschluss jedenfalls fiel dann einstimmig aus: Der Bauhofchef bekommt das Budget zugesichert, das er braucht, um alle Maßnahmen im Bereich Baumpflege bezahlen zu können.
Alexandra Burgstaller
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