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19.11.2002 01:33 Uhr | x gelesen
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Walter Asam: Eine vornehme, integrative und aufrechte Persönlichkeit
Zum Tode des ersten Landrats des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen / Stets das Allgemeinwohl im Sinn


Schrobenhausen (mpy) Walter Asam ist tot. Er starb am Montag 75-jährig nach langer, schwerer Krankheit. Mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte er auf politischem Parkett.


1961 wurde er 34-jährig der jüngste Landrat Oberbayerns, 1984 trat er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an. Seine Verdienste für das Allgemeinwohl sind groß. Er war eine Integrationsfigur, und die war nach der Landkreisgebietsreform besonders gefragt.

Aufgewachsen ist der gebürtige Augsburger in Aichach. Ab 1936 besuchte er das Internat in Wasserburg. Mit 16 Jahren wurde er eingezogen und als Luftwaffenhelfer ausgebildet. 1944 erlebte er die Invasion der Alliierten in Frankreich an der Front. Im August desselben Jahres geriet er in Gefangenschaft. Zunächst wurde er nach Algerien, später nach Texas deportiert, wo er seinen 18. Geburtstag als Pflücker auf einer Baumwollplantage verbrachte.

Im Mai 1946 war für ihn der Krieg vorbei. Zu Hause wartete sein Kriegsabitur auf ihn, mit dem er sich zum Jurastudium in München einschrieb. Nach bestandenem Staatsexamen und erfolgreicher Promotion ging er als Jurist in den Staatsdienst. Die Regierung von Oberbayern sowie die Landratsämter Landau an der Isar und Pfaffenhofen an der Ilm waren Stationen seiner beruflichen Laufbahn. Dort war es Hans Eisenmann, der ihm anriet, sich 1961 um die Nachfolge von Franz Gunderlach als Schrobenhausener Landrat zu bewerben. Asam war skeptisch. Ein Aichacher in Schrobenhausen? Würde das funktionieren? Es funktionierte. Asam bekam 98,6 Prozent der Stimmen, mit fast dem gleichen Ergebnis wurde er 1967 wieder gewählt. 1972 wurde Asam Chef des neu gegründeten Landkreises Neuburg-Schrobenhausen. Dieses Amt gab er 1984 aus gesundheitlichen Gründen ab, blieb aber als Kreisrat noch bis 1996 aktiv. Gearbeitet hat Asam bis kurz vor seinem Tod. Nach der politischen Laufbahn widmete er sich wieder der Juristerei.

In seinen Jahren als Landrat zog Asam eine Vielzahl von Großprojekten durch, stets darauf bedacht, den ihm zugewiesenen Lebensraum nach vorne zu bringen. Seine Kollegen und Mitarbeiter stuften ihn als ungemein fleißig, als korrekt und als sehr offen ein. Wenn es sein musste, zeigte er aber auch, wer der Herr im Hause ist.

Walter Asam war - das bewiesen nicht nur seine Wahlergebnisse - ein sehr beliebter Mensch, er war gesellig und bescheiden, vornehm und liebenswürdig.

Neben seiner Arbeit und der Familie galt seine große Leidenschaft Büchern. Er las gerne und ging bisweilen selbst unter die Büchermacher. 1963 erschien auf seine Initiative hin zum damals 100-jährigen Bestehen des Landkreises Schrobenhausen ein erheblich beachtetes Heimatbuch, das bis heute als zeitgeschichtliches Standardwerk für Heimatforscher der Region gilt. Für seine Verdienste wurde Asam mit dem Verdienstkreuz erster Klasse und am Bande ausgezeichnet, er ist Träger verschiedener Verdienstmedaillen, darunter der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Schrobenhausen.
Mathias Petry

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