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Schrobenhausener Traditionsunternehmen hat am Standort Schwedt massiv erweitert

Leipa mausert sich zum Marktführer

Schrobenhausen
erstellt am 14.05.2018 um 18:13 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) In der Branche sorgt Leipa zurzeit für Schlagzeilen. Das Unternehmen, das inzwischen von Schrobenhausen aus zu einer international aufgestellten Gruppe gewachsen ist, hat einen weiteren Schritt nach vorn gewagt, hat enorm investiert und entwickelt sich jetzt zum internationalen Marktführer.
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Die Dimensionen der PM 5 lassen sich nur erahnen: Die neue Leipa-Maschine am Standort Schwedt ist 151 Meter lang; zwei A380 könnten sich dahinter verstecken. Unten links: der Schrobenhausener Leipa-Werksleiter Martin Kaltenegger (l.), der gemeinsam mit den ehemaligen Mitarbeitern von UPM und damit neuen Leipa-Kollegen aus Schwedt den Umbau der Papiermaschine für das neue Produktportfolio entwickelt hat, mit einem Mitarbeiter der Firma Voith.
Die Dimensionen der PM 5 lassen sich nur erahnen: Die neue Leipa-Maschine am Standort Schwedt ist 151 Meter lang; zwei A380 könnten sich dahinter verstecken.
Voith/Leipa
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Allerdings ist das nicht in Schrobenhausen passiert, sondern am Standort Schwedt in Brandenburg. Dort wurde jetzt die weltweit leistungsstärkste Papiermaschine auf ihrem Gebiet in Betrieb genommen. Eine Maschine der Superlative. Die PM5, so ihr Name, ist so groß, dass sich dahinter zwei komplette A380-Riesenvögel verstecken könnten. Sie produziert Wellpappenrohpapier mit einer Fläche von 85 Fußballfeldern - pro Stunde. Die täglich produzierte Papierbahn bei einer Breite von 8,5 Metern ist etwas länger als die Strecke von Kiel bis Rom: 1728 Kilometer. Im April wurde die Maschine in Betrieb genommen, inzwischen läuft der Betrieb geregelt.

Das Projekt begann schon vor zwei Jahren. Mitte 2016 kaufte Leipa in Schwedt ein Werk der finnischen Firma UPM für rund 70 Millionen Euro. Ursprünglich war hier Papier für den Zeitungsdruck hergestellt worden. Um die Maschine auf den Leipa-Bedarf umzubauen, wurde der Leiter des Schrobenhausener Stammwerks, Martin Kaltenegger, geholt. Unter seiner Federführung wurde ein Mammutprojekt realisiert, dessen Dimension man erahnen kann, wenn man weiß, dass die zusätzlichen Komponenten für die verschiedenen Anlagenbereiche von fast hundert Firmen eingekauft wurden. Am Ende muss schließlich alles zusammenpassen. "Das sogenannte Detailengeneering mit den Systempartnern konnte meist erst nach dem Kauf der Einzelmaschinen und -aggregate erfolgen", berichtet Kaltenegger. In den vergangenen eineinhalb Jahren pendelte der Ingenieur zwischen den beiden Standorten, um das Riesenprojekt zu koordinieren.
 
Voith/Leipa
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"Ein Projekt dieser Größenordnung ist für jeden Verfahrenstechniker eine einzigartige Aufgabenstellung", resümiert Kaltenegger mit leuchtenden Augen. Quasi alle Bereiche der ohnehin schon riesigen Fabrik galt es anzupassen. Dazu gehörte der Neubau einer Aufbereitung für braune Altpapiere, das Verlegen von 640 Kilometern an neuen Kabeln, 1100 Tonnen Rohrleitungen, aber auch die Erweiterung der Abwasserreinigung und der Energieversorgung. Um die 151 Meter lange Maschine betreiben zu können, gibt es Antriebe mit bis zu drei Megawatt Leistung. "Für eine optimale Dampfversorgung aller Schwedter Maschinen wurden die beiden firmeneigenen Kraftwerke gekoppelt", verrät Kaltenegger. Über 200 Millionen Euro investierte Leipa am Ende.

Lohn des immensen Aufwands: Mit der schon bestehenden PM3 und der PM 5 gemeinsam kommt Leipa nun auf eine Produktionskapazität von zusammen 700000 Tonnen gestrichenem und ungestrichenem White Top Testliner, wie Wellpappenrohpapier im Fachjargon heißt - so viel, wie kein anderes Unternehmen in der Welt Kunden anbieten kann. "Wir freuen uns, gemeinsam mit unseren Kunden aus dem Bereich Wellpappe erfolgreich wachsen zu können", sagt entsprechend Leipa-CEO Peter Probst.
Der Schrobenhausener Leipa-Werksleiter Martin Kaltenegger (l.), der gemeinsam mit den ehemaligen Mitarbeitern von UPM und damit neuen Leipa-Kollegen aus Schwedt den Umbau der Papiermaschine für das neue Produktportfolio entwickelt hat, mit einem Mitarbeiter der Firma Voith.
Voith/Leipa
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Und die Rahmenbedingungen sind gut: "Die Nachfrage nach unseren Liner-Produkten bewegt sich auf einem Allzeithoch", berichtet Probst, "Tendenz steigend. Und auch die Preise haben ein sehr gutes Niveau erreicht." Dass der Online-Versandhandel sich rasant weiterentwickelt, ist einer von mehreren Faktoren, der dazu führt.

Jetzt ist natürlich auch der Vertrieb gefordert, um die Riesenmaschine auch auszulasten. Daher hat Leipa das globale Vertriebsnetzwerk mit der Beteiligung an der Firma Gratenau & Hesselbacher schon im Jahr 2016 und heuer auch noch über eine Kooperation mit Jacob Jürgensen verstärkt.

Entsprechend stehen die Signale bei Leipa jetzt auf Aufbruch. "Das gesamte Projektteam hat eine tolle Arbeit geleistet beim Umbau der PM 5", sagt Christian Schürmann, der das operative Geschäft der Leipa Georg Leinfelder GmbH verantwortet, die nach wie vor ausschließlich mit Recyclingpapier arbeitet und daraus neben Wellpappe auch Spezialpapier und papierbasierte Hightech-Verpackungslösungen unter anderem für den medizinischen Sektor produziert. Als europäischer Marktführer verwandelt Leipa künftig jährlich fast 1,5 Millionen Tonnen Altpapier zurück in hochwertiges neues Papier, in Karton und Verpackungen. Mit rund 1700 Mitarbeitern erwirtschaftet Leipa einen Umsatz von 700 Millionen Euro.

Indirekt hat die Investition in Schwedt natürlich auch Auswirkungen auf Schrobenhausen: Auch der Stammstandort mit seinen nach wie vor rund 450 Beschäftigten profitiert von der wirtschaftlichen Stabilität der gesamten Gruppe. Größere Investitionen in Schrobenhausen stehen aktuell aber nicht an.
Mathias Petry
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